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108 architektur FACHMAGAZIN Produkt News Dächer dauerhaft und sicher begrünen Die negativen Auswirkungen einer Flächenversiegelung lassen sich mit einer Dachbegrünung als Ausgleichsmaßnahme deutlich mindern. Dabei verlängert eine Extensivbegrünung die Lebensdauer der Dachabdichtung deutlich, verbessert zugleich das Klima und steigert den Gebäudewert. Um die Vorteile einer Dachbegrünung für Industriegebäude und Umwelt langfristig sicherzustellen, sind bei der Planung und Ausführung des Dachaufbaus Abdichtung, Statik und Entwässerung zu beachten. Besonders bewährt hat sich dabei, aufeinander abgestimmte Systemkomponenten, am besten aus einer Hand, zu verwenden. Grundsätzlich muss bei Dachbegrünungen eine Schicht das Durchwachsen von Wurzeln durch die Abdichtung verhindern und diese vor Beschädigungen durch Wurzelwachstum schützen. Einen wirksamen Schutz bieten durchwurzelungsfeste Bitumen und Kunststoffbahnen, die schon seit vielen Jahren auf dem Markt sind und sich in der Praxis bestens bewährt haben. Als Regelaufbau für Dachbegrünungen haben sich mehrschichtige Bauweisen mit Funktionstrennung in Vegetationstragschicht, Filterschicht und Dränschicht durchgesetzt. Überschusswasser, das nicht von den Pflanzen aufgenommen werden kann, sollte schnell und sicher abgeleitet werden. Diese Aufgabe übernimmt die Dränschicht - hier verhindert ein Filtervlies das Einschlämmen von Feinteilen aus dem Vegetationssubstrat in die Dränschicht und sichert so deren Funktionsfähigkeit. Für Dachbegrünungen werden mineralische Substrate mit geringen Anteilen organischer Substanz eingesetzt. Mineralische Rohstoffe sind z. B. Lava, Bims, Ton- oder Blähschiefer. Das Flächengewicht des Gründachaufbaus wird wesentlich durch das Substrat bestimmt. Je cm Schichtdicke beträgt das Gewicht der marktüblichen Mineralsubstrate ca. 10 bis 13 kg/m² im wassergesättigten Zustand. Das Flächengewicht des gesamten Aufbaus beträgt bei einer Sedumbegrünung mit einer Schichtdicke von 6 cm Substrat inklusive Vegetation, Filter- und Dränschicht circa 80 bis 100 kg/m². Mit speziellen Leichtgründachsystemen kann das Flächengewicht des Gründachaufbaus auf 60 -70 kg/m² reduziert werden. Als bestandsbildende Pflanzen werden bei der Extensivbegrünungen in der Regel Sedumarten eingesetzt. Diese Pflanzen bevorzugen nährstoffarme Standorte. Frost, Wind, Hitze und Trockenheit auf dem Extremstandort Dach können ihnen nichts anhaben. Allgemein ist bei Extensivbegrünungen von einer natürlichen Vegetationsdynamik auszugehen. Das bedeutet, dass z. B. standortgerechte Fremdvegetation von Kräutern und Moosen keine Seltenheit ist. Einwandernde Arten aus der Umgebungsflora können die Dachbegrünung sogar nachhaltig bereichern. Neben der Beseitigung von unerwünschtem Fremdbewuchs gehört bei Bedarf die Düngung zu den Pflegemaßnahmen. Bewässern ist bei etablierten Extensivbegrünungen nicht nötig. Bis sich die gewünschte Vegetation nach ein bis zwei Vegetationsperioden flächendeckend entwickelt hat, ist der Pflegeaufwand etwas höher. Danach genügen ein bis zwei Pflegegänge im Jahr, außerdem die jährliche Kontrolle und Reinigung der Entwässerungseinrichtungen. Gründächer wirken wie ein Wasserstopp. Ein großer Anteil der Niederschläge verdunstet an der Oberfläche von Substrat und Vegetation. Selbst in wassergesättigtem Zustand bietet der Schichtaufbau einer Dachbegrünung ausreichend Puffer, um bei den zunehmenden Starkregen die entwässerungstechnisch problematischen Abflussspitzen merklich zu reduzieren. Schon dünnschichtige Extensivbegrünungen verringern den Spitzenabfluss um 50 bis 70 Prozent. Dachbegrünungen werden zunehmend als Ausgleichsmaßnahme gefordert. Statt weiterer Flächenversiegelung könnten Industriegebiete und Wohnanlagen mit Gründächern wertvolle Beiträge für Klima, Umwelt, Mensch und Tier leisten. Dachbiotope bieten Lebensraum für seltene Vogel- und Insektenarten. Die Begrünung steigert aber auch Image und Immobilienwert, schützt die Dachabdichtung dauerhaft vor Hitze, Extremtemperaturen, Hagel, Sturm, Strahlung und sonstigen Witterungseinflüssen und verlängert deutlich ihre Lebensdauer. Bauder Ges.m.b.H. T +43 (0)7229 69130 F +43 (0)7229 65518 info@bauder.at www.bauder.at


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