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6 architektur FACHMAGAZIN Start Vom Raum in die Zeit, von der Zeit zum Ort Die Architektur beginnt mit ein paar schwarzen Wurzeln, erstreckt sich über Höhlen bis zu gemauerten Räumen, halb verputzten Gewölben und endet in den rationalistischen Bauten der Jetztzeit – so könnte man auch die architektonische Entwicklung unserer Zivilisation beschreiben. Text: Peter Reischer Fotos: Sergio Miranda, Elaine Maziero, Henrique Oliveira Die Installation, die der (auch in Österreich durch seine amöbischen Riesenformen im Landeskulturzentrum Ursulinenhof, Linz, bekannte) 1973, in Ourinhos, Brasilien, geborene Künstler Henrique Oliveira im Zubau des ‚Museum of Contemporary Art‘ der Universität in São Paulo errichtet hat, nimmt sowohl Bezug auf den von Oscar Niemeyer entworfenen Bau, wie auch auf archetypische Bilder von Urformen der menschlichen Behausung. Der Mensch, der aus dem Bauch der Mutter in die Welt geworfen wird, sehnt sich vom Anbeginn des Seins wieder zurück, in eine schützende Hülle, in die Geborgenheit der ‚Höhle‘. So gesehen kann diese Arbeit auch als eine sehr subtile Kritik an unserem System verstanden werden. Eine Kritik, die die Transformation der Architektur vom ursprünglichen Schutz (shelter) zu nur mehr einem Bild von ‚etwas‘ bemängelt. Der eigentlich aus der Malerei kommende Henrique arbeitet seit den Anfängen dieses Jahrtausends an der Transformation der flächigen Malerei in das Dreidimensionale, in die Skulptur, in die Architektur und den Raum. Bei seinem Projekt TRANSARQUITETÔNICA besetzt der brasilianische Künstler den weiten Raum der Galerie im Niemeyer-Bau mit seiner bisher größten, in einen Innenraum eingeschriebenen Plastik – oder ist es bereits wieder Architektur? u


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