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architektur FACHMAGAZIN 62 Energieeffizienz Passivhaus - quo vadis? Am 9. September 2014 konstituierte sich der Dachverband der Plattform ‚innovative gebäude‘. Damit hat sich die Interessengemeinschaft Passivhaus Österreich (IG Passivhaus) zur IG innovative Gebäude weiterentwickelt. Die Mitglieder sind überzeugt, dass „Innovative Gebäude mehr als ein Passivhaus sind“. Aus diesem Grund haben sie die Enge der IG Passivhaus aufgebrochen und präsentieren sich im Herbst 2014 als Plattform ‚innovative gebäude‘ mit einem viel breiteren Themenspektrum. In Anbetracht dieser Diskussion befragte Peter Reischer Architekt Georg Reinberg nach seiner Sicht der Dinge. Herr Architekt Reinberg, wo steht das Passivhaus momentan, wo bewegt es sich hin? Das Passivhaus bedeutet für mich ‚Energiebewahrung‘, das heißt: Minimierung der Verluste. Das ist ein technischer Standard, der die Grundlage für energieproduktive Gebäude liefert. Kann man unter ‚energieproduktiv‘ ‚Plusenergie Architektur‘ verstehen? Nein, energieproduktiv heißt zunächst einmal nur, dass ich Energie produziere. Wenn ich auf der einen Seite die Menge der Energie, die ich verbraucht habe und auf der anderen Seite die Produktion – dann bekomme ich eine Beziehung zwischen den beiden Faktoren. Wenn ich nun ein altes Gebäude habe, das z. Bsp. 170 Kilowattstunden je m2 pro Jahr verbraucht, müsste ich mehr als diese Menge am Gebäude auch produzieren – das ist meist unmöglich. Das heißt wiederum, dass der erste Schritt nicht darin liegt, den gegebenen Verbrauch zu produzieren, sondern den Verbrauch zu verringern, zu minimieren. Und für diese Minimierung ist das Passivhaus ein vernünftiger Standard. Wenn ich nun mit der Energieproduktion über diesem ‚Standardverbrauch‘ liege, habe ich ein Netto-Plusenergiehaus – über das Jahr gerechnet. Der größte Energieverbrauch in unserer Klimazone ist traditionell die Heizung, deswegen hat man zuerst daran gedacht, den Heizungsenergieverbrauch zu verringern, die Heizwärmeverluste auf einen technisch vernünftigen Standard zu reduzieren. Sie sprechen damit Dämmung, Luftdichtheit, gute Fenster an? Ja, wenn man einmal durch die Hülle fast keine Energie mehr verliert, würden Verbesserungen in diesem Bereich teuer. Man verliert fast genauso viel durch die Lüftung. Daher ist es sinnvoll, als weiteren Schritt auch diese Energie zurückzugewinnen. Damit bin ich bei der Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. All das dient dazu, Wärmeverluste zu minimieren. Ein Passivhaus verbraucht ca. 45 KW/h pro m2 für die Heizung pro Jahr. Davon deckt man ca. 15 KW/h durch die Sonneneinstrahlung (passiv) und ca. 15 KW/h sind die internen Wärmegewinne (Menschen, Geräte, Licht) und nur mehr 15KWh/m2 pro Jahr muss ich heizen. Wie stehen Sie zu dem ‚2226‘ von Architekt Eberle in Vorarlberg? Ein interessantes Experiment. Im Konzept ist es für mich ein klassisches Passivhaus mit kontrollierter Lüftung, aber ohne Lüftungswärmerückgewinnung. Die höheren Verluste sollen durch längere Speicherfähigkeit © Hans Schubert des Gebäudes ausgeglichen werden. Der technische Aufwand ist allerdings hoch: durch sehr dicke Außenwände oder durch über hundert kleine Motoren zur Fensteröffnung statt einem zentralen Lüftungsgerät. Negativ sehe ich, dass hier nur Energie verbraucht wird, aber keine Energie erzeugt wird. Dort und im Bürobau allgemein kann der Passivhausstandard leicht realisiert werden: weil die internen Lasten hoch sind. Was meinen Sie mit hohen internen Lasten? In einer 80 m2 Wohnung befinden sich z. B. drei Personen und der Mensch hat ca. 1 Watt/kg Körpergewicht Heizleistung. In einem Büro habe ich eine viel höhere Besetzung als in einer Wohnung, nicht drei, sondern z. B. zehn Personen. Auch viel mehr Abwärme durch Computer, Server, Licht etc. Das heißt, ich bekomme vielleicht 50 KW/h pro Quadratmeter/Jahr an internen Lasten


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