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architektur FACHMAGAZIN 56 Gestern & Heute Konzept Nach der Suche in den historischen Archiven war klar, dass nur die Hauptfassade im ursprünglichen Zustand wieder hergestellt werden konnte. Die gefundenen Fotos boten dafür die Grundlage. Die Ansicht zeigt den Einfluss des sich in den 30er Jahren in ganz Europa ausbreitenden Nationalsozialismus, eine gewisse Schwerfälligkeit mit einer Mischung aus Tradition und klassizistischen Elementen. Für die Raumstruktur entschloss man sich, das Konzept der nur als Ruine vorhandenen, ursprünglichen Aufteilung wieder zu beleben und zu restaurieren. Das bedeutete, dass auch die Änderungen und Umbauten der 60er Jahre wieder rückgebaut wurden. Es sollte also erstens die Geschichte des Bauwerkes wieder sichtbar gemacht werden und zweitens, ein flexibler Innen- wie auch Außenraum geschaffen werden, welcher den Anforderungen der Gemeinschaft entgegenkam und leicht adaptierbar war. Generell wurde die Architektur statisch und konstruktiv gesichert und konsolidiert. Die Dachkonstruktion und die Ziegeldeckung wurden erneuert. Eine komplette Sanierung der inneren und äußeren Wandflächen vorgenommen, bei den Tischlerarbeiten musste man sich auf die Restaurierung der originalen Außentür beschränken. Elektrik, Heizung, Sanitär- und Lüftungsanlagen sind den Anforderungen der heutigen Zeit entsprechend eingebaut. Ein mechanisch gesteuertes System für die Oberlichten und eine moderne Bühneneinrichtung ergänzen dieses Kulturzentrum, dessen Veranstaltungssaal nun ca. 250 Sitze fasst. Die Haupthalle wurde zu einem Mehrzweckraum gestaltet, in dem man alle Sitzreihen entfernen kann und zusätzliches Tageslicht durch neue Oberlichten generiert wird. Andere kleinere Änderungen wie eine abgehängte Decke in der Halle – sie bildet einen Puffer zwischen dem wiederhergestellten Dachstuhl und dem Raum und reguliert auch den Lichteinfall – sind Notwendigkeiten für einen zeitgemäßen Betrieb eines Veranstaltungszentrums. Die Ziegelmuster und Ansichten der Wände hat man wiederum unverändert übernommen, bzw. hergestellt. In der großen Halle geben die Bögen, Säulen und Details der großteils unverputzten Ziegelvermauerung heute eine eindrucksvolle Kulisse ab. Neue Holzfenster mit weiß verputzten Umrahmungen, ein wiederhergestellter Balkon mit einer gewellten Balustrade sprechen in ihrer handwerklichen Ausführung für die Sensibilität der Architekten im Umgang mit alter Substanz. Hier lebt die alte Substanz vom Kontrast mit der neuen Funktionalität, aber auch von handwerklicher Qualität und Hingabe zum Objekt. (rp)


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