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28 architektur FACHMAGAZIN EXPO 2015 mit der Welt als Ganzes verbindet. Luftverschmutzung hat einen atmosphärischen Abdruck, der uns weltumspannend angeht. Nur sind die Aussagen zu diesem Thema und den Begriffen sehr abstrakt. Man könnte jetzt sagen, die Luft ist ein – die Orte und Regionen verbindendes – Medium für das Verständnis dieser Probleme. Ist es der Sinn oder die Aufgabe der Weltausstellung zu sagen, wir verbinden die Welt? Die Repräsentationen der einzelnen Länder spiegeln nicht die Realität des jeweiligen Landes wider. Sie geben ein Schaubild ab und diese Schaubilder wollten wir hinterfragen und beleuchten. Es geht um die Vorstellung, den Mikrokosmos mit dem Makrokosmos verbinden, also das Ganze mit dem ICH. Der Pavillon hat sicher eine reflexive, intellektuelle Ebene, aber auch eine ganz persönliche Erlebnisebene. Der Zugang ist über eine Sinnlichkeit gegeben. Wir haben uns erlaubt, das Thema Sinnlichkeit in der Architektur wieder einmal zu thematisieren und zwar nicht in einer theoretischen oder ästhetischen, sondern in einer erlebbaren Art und Weise. Wie funktioniert das? Über einen massiven Einsatz von Pflanzenmaterial und dem Aktivieren der, von uns so genannten, ‚Pflanzenperformanz‘. Das ist etwas anderes als ‚Performance‘. Mit Performanz ist die Leistungsfähigkeit eines Stückes Landschaft gemeint. Es ist zwar absolut künstlich, aber seine Wirkkraft hat eine natürliche Performanz. Im April 2007 wurde der 4. Klimabericht veröffentlicht. Seit diesem Datum ist das Thema Klimawandel auch auf den Titelseiten der Tageszeitungen angekommen. Seit diesem Zeitpunkt – sage ich immer provokativ – haben wir keine Natur mehr auf unserem Planeten, sondern nur noch Landschaft. Wir befinden uns in einem spannenden Prozess, indem wir uns von einer rein faktischen, nüchternen Beurteilung zu einem Verständnis von Bezüglichkeiten bewegen. Wie funktioniert der Pavillon, kann man sich das wie ein Biotop vorstellen? Im Pavillon soll es ungefähr 5 - 7 Grad kühler als in der Umgebung sein. Wenn man das in der Natur verortet, entspricht das einem kreisförmigen, 3 Hektar großen Wald. Der ist in der Mitte um 5 - 7 Grad kühler als am Rand. Wir haben in dieser auf 560 m2 begrenzten Miniaturlandschaft Ventilatoren aufgebaut, die mit feinen Düsen ausgestattet sind. Diese Düsen versprühen kleinste Wassertröpfchen. Zusammen mit Bodennebeldüsen entsteht so eine gesättigte Atmosphäre, in der sich das Wasser auf den Blättern absetzt. Hier verdunstet es und über diese Evapo-Transpiration entsteht der Temperaturunterschied. Und das bedeutet ... ... dass wir in unserem Verständnis von Landschaft mit natürlicher Performanz arbeiten und uns nicht der Natur oder Landschaft wie einem heiligen Gral gegenüberstellen. Wir dürfen also diese natürliche Performanz zum Teil unserer Kultur machen. Wir benützen sie und erhöhen sie über eine technische Ergänzung. Auf 560 m2 haben wir 43.200 m2 Blattfläche. Diese Fläche benutzen wir, um den Verdunstungskörper zu aktivieren und zu vergrößern. Wir produzieren hier 62,5 kg frischen Sauerstoff pro Stunde – den Bedarf für 1.800 Personen. Wir verzichten auf Klimaanlagen, wir haben eine Dachterrasse, da liegen die Solarpaneele und es ragen die Baumkronen aus dem Dach heraus. Auf den Dächern der umliegenden Pavillons stehen riesige Lüftungsgeräte. Oben steht dort also, was unten nicht sichtbar sein soll. Diese Architektur will unten ökologisch sein und oben stehen die Klimageräte. Das ist die Trennung zweier Realitäten, die eine lebe ich und die andere blende ich aus. Wir produzieren auf dem Dach des Pavillons, neben den bewährten Fotovoltaik-Siliziumzellen, Strom mit einer sogenannten Grätzelzelle. Dieses Produkt ist durch die Beobachtung der Naturperformanz, über das Denken in Naturprozessen entstanden.


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