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46 architektur FACHMAGAZIN Öffentliche Bauten Gekonnter Brutalismus Jugendherberge in iD Town / China / O-office Architects Eine alte Färberei wird zum modernen Jugendhotel Viele unsere alltäglichen Kleidungsstücke werden in China gefertigt, die meisten T-Shirts kommen aus der Gegend um Shenzhen. Diese Stadt liegt im Süden der Provinz Guangdong der Volksrepublik China, sie grenzt nördlich an die Sonderverwaltungszone Hongkong. Die Planstadt Shenzhen gilt aufgrund ihres Status als Sonderwirtschaftszone als eine der bedeutendsten Städte für ausländische Investitionen und ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Im Jahr 1979 lebten im heutigen Stadtgebiet gerade einmal 30.000 Menschen. Heute ist Shenzhen eine moderne Metropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern, die fast genauso schnell wächst wie Shanghai. Sie ist die Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in China (ohne Hongkong und Macau). Tragsäule der lokalen Wirtschaft ist die Elektronik- und Telekommunikationsindustrie, aber auch künstlerische, kunsthandwerkliche Betriebe und Produktionen finden sich in dieser Gegend. Fotos: Chaos Ztang Zwischen vielen Hügeln in Küstennähe gelegen, war das Gebäude der ehemaligen Honghua Färberei eines der ersten Wohnquartiere für den damals einsetzenden Schwung der neuen Arbeitskräfte, die, nach der Öffnung der chinesischen Politik in Richtung Industrialisierung, hierher gebracht wurden. Die Anlage befindet sich in einem acht Hektar großen Waldstück in der Nähe des Südchinesischen Meeres. Die Renovierung der Gebäude - die am ehesten dem Brutalismus zuzuordnen sind - erfolgte durch eine Initiative des ‚iD TOWN International Arts District‘ (siehe Kasten). Das chinesische Architekturbüro O-office erhielt den Auftrag, einen Teil zu einer modernen Jugendherberge umzubauen. Die Revitalisierung verlief in zwei planerischen und ausführungstechnischen Schritten: Zuerst wurden die Hauptkorridore mit den infrastrukturellen Notwendigkeiten für die zu errichtenden Wohneinheiten versehen. Dann brachte man an der Fassade eine Reihe von vorgefertigten, stählernen Rahmen an, um dem existierenden Stahlbetonbau einen modernen Touch zu verpassen. u O-office Architects, die sich bereits einen Namen durch ihren cleveren Umgang mit mehreren alten Stahlbetonbauten gemacht haben, hauchten in Shenzhen einer ehemaligen Textilfärberei neues Leben ein. Mit minimalen Veränderungen erhielt der ruinenhafte Bau eine neue, lebendige Identität.


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