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architektur FACHMAGAZIN 72 Öffentliche Bauten (rp) An der vierten Seite, der Hauptfassade, zeigt das Bankgebäude seinen operativen Kern durch farbige Fensteröffnungen. Sie brechen die monolithische Masse auf, bringen Licht ins Innere und erlauben auch Einblicke von außen. Hier zeigt sich die Architektur in einer völlig unerwarteten Generosität im Bezug auf Luft und Licht – lebendige räumliche Sequenzen und Anordnungen umrahmen und betonen die Administration und Managementfunktionen der Bank. Um zwei zentral angeordnete Innenhöfe sind offene, fließende, unterschiedliche Arbeitsbereiche situiert. Die Höfe werden von großen Wandflächen mit vertikaler Grünbepflanzung definiert – sie bringen den nötigen klimatischen Ausgleich und sorgen für gesunde Luft und Zirkulation. Der gesamte Innenbereich, der so geschaffen wird, ermöglicht einen ungehinderten Blick des Besuchers und Nutzers sowohl vertikal wie auch horizontal. Mutiges Detail: Der höhlenartige Abgang führt zu den Veranstaltungs- und Eventräumen im Untergeschoss. Die für den Bau verwendeten Materialien sind goldfarbenes Metall für die äußere Verkleidung des Monolithen und farbiges Glas für die Hauptfassade sowie Holz und Glas für die Innenräume. In der Nacht wirkt der Bau durch die Farbflächen wie eine bunte Laterne. Massimo Mariani begibt sich bei dieser Arbeit (vor allem im Inneren der Architektur) auf die weniger bekannten Pfade der italienischen Architektur der vergangenen Jahrzehnte. Einflüsse von Leonardo Savioli, Remo Buti und andere Wegbereiter für das ‚Studio Alchimia‘ sind zu spüren. Besonders Inspirationen von Ettore Sottsass, der später das ‚Memphis Design‘ mitbegründete, sind in den Innenraumdekorationen und Gestaltungen zu erkennen. Der Architekt offenbart wieder einmal mit konstanter Originalität die tiefen Wurzeln der Designkultur der Toskana und der Architekturfakultät von Florenz aus den 1970er und 1980er Jahren und bringt so ein amüsantes Spiel von Sensibilität und Kreativität zum Ausdruck. Auf jeden Fall bereichern die ausgestellten Designikonen und -stücke die Atmosphäre für die Angestellten der Bank und bringen einen neuen Trend in den Arbeitsalltag. Der Sessel ‚Proust‘ von Alessandro Mendini für ‚Studio Alchimia‘ 1978 entworfen, ist sicherlich nicht nur optisch anregend, sondern auch gut zum Sitzen.


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