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10 architektur FACHMAGAZIN Start Es ist heute durchaus Allgemeinwissen, dass die Landwirtschaft mit zu den größten Emittenten des CO2-Ausstoßes zählt, damit auch für den Klimawandel, den Verlust der Biodiversität und für Umweltzerstörung verantwortlich ist. 40% der Erdoberfläche werden für den Nahrungsmittelanbau benutzt. 70% der globalen Frischwasserreserven werden dafür verbraucht. In diesen Zusammenhängen ist es wahrscheinlich notwendig und auch unausweichlich, die Wohnbedürfnisse und Wohngewohnheiten der Menschen und damit Aspekte der Architektur neu zu definieren. Sinus Lynge, Mitbegründer des Architekturbüros EFFEKT formuliert es so: „Stadtbewohner müssen hart arbeiten, um ihre Häuser oder Wohnungen finanzieren zu können - Hypotheken, Energie, Wasser, Heizung, Kühlung, Nahrung - all das belastet ihr Leben. Unserer Vision ist es, Häuser zu haben, die für uns arbeiten. Sie produzieren saubere Energie, Wasser, sind unabhängig durch die Eigenproduktion von Nahrungsmitteln und das zu leistbaren Preisen außerhalb der großen Städte!“ Und deshalb will man jetzt auf ca. 15.000 m2 einen Prototyp dieser Siedlung in Almere errichten. Hier gibt es zwar ein großes Potenzial der sogenannten Mittelschicht für das Projekt, aber die größte Chance sehen die Initiatoren in den Entwicklungsländern, in denen sich Millionen Menschen auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen vom ländlichen in den urbanen Raum begeben. In Kürze soll man nun in Holland die erste, sich selbstversorgende Siedlung besichtigen können. Das versorgungsunabhängige Dorf soll viele Gewächshäuser haben. Mehrere sind auf eine hoch technisierte, vertikale Gemüsezucht ausgerichtet, und natürlich sind auch saisonabhängige Grün- und Anbauflächen, die sich im Freien befinden, in die Gemeinschaft integriert. Die Siedlung wird nicht nur ihre Energie selbst erzeugen, sondern auch Nahrungsmittel. Sie wird aus verschiedenen Gebäuden und Gemeinschaftseinrichtungen, sozialen Bereichen etc. bestehen – diese sind zu einem großen Gewächshaus zusammengeschlossen. Dies ermöglicht ihren Bewohnern, eine Fülle von Früchten und Gemüsen zu züchten und den eigenen Abfall zu recyceln. Große Solaranlagen oder andere alternative Energiequellen sorgen für eine ununterbrochene Energiezufuhr für Warmwasser und Heizung. Noch sucht man nach interessanten Technologien, um kleinere Mengen von Biomasse (von den landwirtschaftlichen Flächen) zu verwerten, um sie ebenfalls dem Energiegesamtmix zuzuführen. Damit man auch in den finsteren Wintermonaten in Nordeuropa die Versorgung garantieren kann. u


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