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architektur FACHMAGAZIN 70 Energie Nach zahlreichen Versuchen entwickelte man ein neues Profilglaspaneel in der standardisierten Größe von ca. 120 x 240 cm. So können die Paneele auch um 90 Grad gedreht verwendet werden. Jedes Feld enthält zwei Profilgläser mit einer gedruckten PVB-Zwischenlage1), welche druckdicht verschweißt ist. Das auf der Folie gedruckte Muster bietet die notwendige Bruchsicherheit und betont das Design der Glasscheibe, filtert die Einblicke von außen, schafft so Privatheit für die Innenräume und bringt vor allem Naturlicht ins Innere. Die Dicke der Paneele reduziert den Straßenlärm und die Emissionen des Verkehrs. Die Außenansicht der Glasfassade ändert sich stark im Verlauf des Tages wegen der Krümmung der Scheiben. Das verleiht der Ansicht einen einzigartigen, dynamischen und eben fast kinetisch wirkenden Charakter. Zusätzlich zu Material- und Montageproben benutzten die Architekten auch verschiedenste Computerprogramme, um die Glasflächen zu verfeinern und zu bestimmen. Im Programm Maya war es möglich, ein 2D-Muster aus dem in 3D geformten Glas zu extrahieren. Rhino und Grasshopper benutzte man, um die subtilen Schwankungen und Wellenbewegungen in den horizontalen Fassadenbändern zu definieren. Schlussendlich benutzte man Illustrator um die in Maya/Rhino/Grasshopper generierten Muster in Abstufungen für druckfähige Muster vorzubereiten. Mit diesen Werkzeugen/Programmen und der Technik des Profilieren des Glases ergab sich eine Serie von zwölf einzigartigen Paneeldesigns, welche in einer sich nicht wiederholenden Anordnung in der Fassade angebracht sind. Ein genauer Verlegeplan für die Monteure sicherte dieses Kriterium. Das manchmal spinnennetzartige Muster der Glasfassade wiederholt sich in einer abstrahierten Form in den Elementen des gebogenen Daches, welches wie eine Spange aus perforierten Metallpaneelen über dem Gebäude schwebt. Zusätzlich hat die große, neu geschaffene Dachterrasse mit Garten einen positiven Effekt auf die Kultur und das Befinden der Nutzer dieser Architektur. Existierende Trennwände und die Funktionen des Hauses machten es notwendig, in der Fassadengestaltung von Glas zu einem anderen Material – Stein – zu wechseln. Man verwendete für die Gestaltung dieser Teile dasselbe Design wie beim Profilglas. Der Stein wurde dreidimensional behandelt und mit einem ähnlichen Profil wie das Glas versehen. Dort, wo der Stein in eine dünne Verkleidung übergeht, ist das Muster abstrahiert in eine Grafik. So verwischen sich optisch die Materialgrenzen und -unterschiede. Im Inneren ist ein neues Atrium im Zentrum der Architektur herausgeschält worden und trägt drastisch zu einer Verbesserung der Beleuchtung und Durchlüftung der verschiedenen Ebenen bei. Der Bau hat nun ein generöses Stiegenhaus, welches die Mitarbeiter zu spontaner Kommunikation anregt. Auch hier kommt das feine Design der gitterähnlichen Folien aus den Glaspaneelen wieder zum Einsatz, und zwar in den Stiegengeländern. Sie sind aus zarten, parallel laufenden Holzstäben gefertigt. Auch die Dachfläche des Gebäudes wurde von den Architekten in eine Oase der Erholung verwandelt.


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