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28 architektur FACHMAGAZIN architekturszene Grüne Fassaden – gesundes Stadtklima 24.600 m² beträgt die Fläche des derzeit größten vertikalen Gartens der Welt. Tree House lautet der Name des berühmten Bauwerks in Singapur, welches von City Development Limited errichtet wurde. Man erwartet, dass das Wohnhaus mit 24 Geschossen und 2.289 m² Grundfläche bis zu 500.000 $ an Energie- und Wasserkosten im Jahr einspart. Auch London hat sich in puncto grüner Wandverkleidung bereits einen Namen gemacht – auf der 350 m² großen Brandmauer des Rubens Palace wurde die bislang umfangreichste, lebendige Fassade der englischen Hauptstadt realisiert. Bei begrünten Wänden handelt es sich nicht um eine neue Erfindung. Bereits in der Antike kam diese Bepflanzung in der Architektur zum Einsatz. Seit einigen Jahren erlebt die Beliebtheit der sogenannten Green Walls jedoch einen Aufschwung, der nicht zuletzt dem erhöhten Umweltbewusstsein der Planer zuzuschreiben ist. Viele Experten setzten sich in den vergangenen Jahren mit diesem Thema auseinander und entwickelten unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten der lebendigen Wandverkleidung. Text: Dolores Stuttner Als Green Wall wird eine Wand, die teilweise oder zur Gänze mit Vegetation verdeckt ist, verstanden. Oftmals beinhalten die dazu notwendigen Konstruktionen auch Erde, welche das Wachstum der Bepflanzung ermöglicht. Mittlerweile werden Green Walls an vielfältigen Konstruktionen realisiert. Zu finden sind diese nicht nur an Außenwänden, sondern auch in Innenräumen und als alleinstehende Objekte. Im Stadtgebiet kommen begrünte Fassaden häufig auch in engen Straßenräumen zum Einsatz. Aufgrund des fehlenden Platzes ist es in stark verbauten Arealen nämlich oft schwierig, eine Baumbepflanzung zu realisieren. In solchen Fällen stellt der vertikal angelegte Grünraum eine gute Alternative dar. In Großstädten sind die grünen Fassaden überwiegend in urbanen Strukturen sowie auf öffentlichen Plätzen zu finden. Hier dienen sie der Verringerung starker Sommerhitze und der Klimaregulierung. Laut einer Studie der TU Wien kann die Temperatur eines Metalldachs im Sommer auf bis zu 80°C ansteigen, während vegetative Strukturen nicht wärmer als die Umgebungsluft werden. Diese Eigenschaft macht Green Walls zu einer effektiven Maßnahme gegen die Entstehung der gefährlichen Hitzeinseln in Städten. Vegetation und Fotovoltaik – eine klimafreundliche Kombination An ihren vielfältigen Einsatzmöglichkeiten lässt sich erkennen, dass Vegetation auf Bauwerken zukunftsweisenden Charakter hat. Heutzutage kann die Wand- und Dachbegrünung nämlich auch zur Unterstützung moderner Technologien verwendet werden. In vielen Fällen hat es sich als effektiv erwiesen, erneuerbare Energieträger mit begrünten Fassaden zu verbinden. Mittlerweile realisieren Experten auf Green Walls sowie bepflanzten Dächern deshalb Fotovoltaikanlagen. Aufgrund der Verdunstung, welche durch die Pflanzen hervorgerufen wird, kommt es zu einer Kühlung und in weiterer Folge zu einer Leistungssteigerung der Anlage. Um die Installation der Module mit der Dach- und Fassadenbegrünung vereinbaren zu können, sind bereits transparente Paneele erhältlich. Diese ermöglichen ein Durchscheinen des Sonnenlichts auf die darunter liegenden Gewächse. In puncto Green Wall und nachhaltiger Energiegewinnung zählt derzeit die italienische Stadt Mailand zu den Vorreitern Europas. Hier wurde mit zwei Hochhäusern der Entwurf „Bosco Verticale“ realisiert. Der ver- Green Wall in Mexico City © Thelmadatter Oberderdingen Amthof © Dr. Eugen Lehle


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