Page 32

architektur_215_eMag_fertig

architektur FACHMAGAZIN 32 Intelligente Fassade Lange Zeit während des Entwurfsprozesses war es den Architekten unmöglich, zu einer vernünftigen, brauchbaren Lösung zu kommen. Der zündende Funke kam durch die Stadt selbst: Żory, der Name bedeutet soviel wie Feuer, Flamme, Verbranntes. Im 12. Jahrhundert, als die Siedlung gegründet wurde, gewann man die Landflächen für das Bauland durch Brandrodung. Diese historische Tatsache hat sich bis heute als Tradition erhalten – im Sommer findet jedes Jahr das „Feuerfestival“ statt, und das Logo der Stadt ist eine kleine Flamme. Somit war klar, dass die Architektur wie ein Feuer aussehen sollte. Die ungewöhnliche Form des Grundstückes wurde plötzlich zu einem Symbol der Flammen. Als die Baugruben ausgehoben waren, kam dann noch der Auftraggeber mit der Idee, unterirdisch eine große Ausstellungshalle zu realisieren. Das war der Anlasspunkt, das ganze Bauwerk als Museum of Fire zu betrachten. Ursprünglich ein Ausstellungs- und Kulturpavillon wurde die Architektur zum Museum upgegradet. Das Gebäude besteht nun aus drei voneinander unabhängigen Wänden, die sozusagen nebeneinander stehen. Wie Scherben oder eben Flammen erheben sie sich aus der Erde. An den Enden der Wände entstand jeweils eine Eingangssituation. Die Komposition und die Umrisse der Wandscheiben – mit Kupferplatten verkleidet – gleichen dem Spiel von züngelnden Flammen. Bodenstrahler entlang des äußeren Umrisses lassen in der Nacht das Museum eindrucksvoll erglühen. Das Kupfer ist mit einer HDP (High Durable Polymer) Beschichtung versehen, diese verhindert die Patinierung und erhält den feurig leuchtenden Glanz. Die Flächen zwischen den Wänden sind vollverglast und bilden Eingänge in den Pavillon. Die Mauern bestehen aus Stahlbeton, außen mit Kupfer verkleidet und innen teilweise unbehandelt. Das Weiterziehen der Kupferplatten in den Innenbereich bringt eine merkwürdige Offenheit und Transparenz mit sich: Man vermeint in einem Innen-Außenraum zu sein. Der Boden ist mit grauen Pflastersteinen bedeckt und verbindet sich ebenfalls mit den Außenräumen. Die Abkürzung HDP steht für High Durable Polymer. Diese Nasslackbeschichtung auf Basis eines fluorverstärkten Co-Polymer eröffnet eine nahezu unbegrenzte Farbauswahl und besitzt hochwetterfeste Eigenschaften. u


architektur_215_eMag_fertig
To see the actual publication please follow the link above