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architektur FACHMAGAZIN 60 Intelligente Fassade Dieses Prinzip realisierte eine der größten indischen Firmen für Außenwerbung in ihrem Bürogebäude in Delhi. Das Konzept der Anagram Architects in New Delhi war, ein semiotisches Zeichen als das größte Idiom (von idíōma ‚Besonderheit‘‚ ‚Eigenart‘) der Identität zu interpretieren: Den Fingerabdruck. Die schimmernde, flimmernde rote Fassade, perforiert mit dem Logo des Klienten, ist das Idiom für die „digitale Identität“ der Werbefirma. Auch die äußere Form des Gebäudes mit seiner sanft gerundeten Form entspricht einem Daumen- oder Fingerprint. Diese Identität wandelt sich zu der des Individuums in der großen Eingangs- und Empfangshalle – hier ist die abgehängte Decke als Fingerabdruck gestaltet. Das Architekturbüro argumentierte, dass die Architektur des Gebäudes eine fesselnde, visuelle Sprache habe und ein sekundenschnelles Erkennen der Straßenfassade gegeben sein soll. Gleichzeitig sollte sie einen tieferen Wert sowie ein Bekenntnis des Gebäudes und des Benutzers zur inneren Organisation (sozial, strukturell) ausdrücken. Interessant ist auch, dass sich das Grundstück in einer Reihe schmaler, urbaner Areale befindet. Die Architektur mit dem Namen „Digit“ ist eine Abkehr von den Paradigmen der Gewinnmaximierung, wie sie in der westlichen Welt en vogue sind. Das Nachbargebäude wählte in seiner Erscheinung den Weg der maximalen Ausnützung von Grund und verfügbarer Höhe, die Straßenansicht ist rechteckig und damit verbunden auch die maximal mögliche Raumgenerierung. Teile der ausgestanzten Fassade sind als beweglich gelagerte Scheiben wieder eingefügt und – je nach Luftbewegung – ergeben sie an der Straßenansicht das Logo des Bauherrn.


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