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98 architektur FACHMAGAZIN edv mehreren Schichten bestehender Wandaufbau, im Austausch mit anderen Planern manchmal zu Problemen führen. Auch übergreifende Attribute wie Positionsnummern oder Brandschutzanforderungen sind in vielen Programmen nicht vorhanden oder im IFC-Datenmodell nicht enthalten. Im Abstimmungsverlauf – mit einem BIM-Modell als Grundlage – wird in frühen Leistungsphasen bereits eine fertige Genehmigungs- und Ausführungsplanung bei Bauherren suggeriert. Insgesamt ist man bei nees Ingenieure jedoch von der Sinnhaftigkeit und den Vorteilen der neuen Arbeitsweise überzeugt. Als besonders wichtigen Vorteil sieht Büroinhaber Volker Nees vor allem die gewerkübergreifende Kollisionskontrolle, den Datenaustausch mit Berechnungsprogrammen sowie die automatische Massenermittlung. Nees ist überzeugt, dass BIM-Kenntnisse und -Erfahrungen für sein Büro ein Wettbewerbsvorteil sind. Stiehm Ingenieurplanung Bereits im April 2013 hat sich das Ingenieurbüro für Technische Gebäudeausrüstung aus Berlin dazu entschlossen, eine BIM-fähige Planungssoftware anzuschaffen. Den Anstoß dazu gab eine Kooperation mit einem Kunden, der das gleiche Produkt einsetzt. Da die Projektbearbeitung nach den Erfahrungen von Daniela Rieckemann, Leiterin der Konstruktion bei Stiehm Ingenieurplanung, vergleichsweise anspruchsvoll ist, werden in erster Linie größere Neubauprojekte, wie etwa Einkaufszentren, Bürogebäude oder Produktionshallen nach der BIM-Methode geplant. Bei kleineren Projekten oder Altbausanierungen wird weiterhin in 2D geplant. Mit dem IFC-Datenaustausch hat das Unternehmen bislang keine Erfahrungen – vor allem weil nach wie vor viele Büros nicht in 3D arbeiten. Als wichtigste BIM-Vorteile nennt Rieckemann die bessere Koordination der Gewerke und die frühzeitige Erkennbarkeit von Kollisionspunkten im 3D-Modell. Automatismen vereinfachen den Beschriftungsprozess und Bauteiländerungen, wie etwa Rohrnennweiten, werden automatisch angepasst. Schnitte werden aus dem 3D-Modell automatisch abgeleitet, Fehlerquellen minimiert, Massen und Mengenlisten automatisch erstellt. Die Berechnungssoftware wird bisher nur getrennt genutzt, geplant ist aber eine direkte Anbindung von CAD und Berechnung. Als weitere BIM-Vorteile sieht Rieckemann die gemeinsame Bearbeitung mit anderen Fachplanern in einem 3D-Modell und die bessere Koordination von Architektur, Rohbau und Haustechnik. Eine Herausforderung war rückblickend der Schulungsaufwand sowie die Erstellung bürointerner BIM-Vorlagen und Standards. Da die mitgelieferte Bauteildatenbank vergleichsweise klein ist und viele Hersteller noch keine 3D-Bauteilfamilien zur Verfügung stellen, wurden fehlende Bauteile selbst erstellt. Auch im Hinblick auf eine DIN-gerechte TGA-Symboldarstellung, die Strangschema-Erstellung oder den Bauteillisten Export sind das Engagement und die Kreativität der BIM-begeisterten Mitarbeiter gefragt. Die 3D-Planung ist prinzipiell zeitaufwendiger. Dies wird aber beispielsweise durch eine automatische Mengenermittlung ausgeglichen, sofern die Planung weit genug vorangeschritten ist. Da in vielen Architekturbüros noch 2D-CAD verbreitet ist, muss man sich häufig ein provisorisches 3D-Modell selbst erstellen, was aber durch die Möglichkeit der dreidimensionalen TGA-Bauteileingabe auf Grundlage zweidimensionaler Grundrisse und Schnitte etwas vereinfacht wird. Rieckemann zieht eine positive Zwischenbilanz: BIM verbessert nicht nur die Planungsqualität, BIM motiviert auch und macht Spaß, weil man Teil einer aktuellen, innovativen Entwicklung ist, die irgendwann hierzulande, so wie in anderen Ländern auch, zum Standard wird. Von BIM-Praktikern profitieren Zweifellos hat BIM Vorteile, die eine 2D-CAD-Planung nicht bieten kann. In vielen Ländern wird BIM bereits praktiziert oder befindet sich in der Einführungsphase. Das ist angesichts aktueller Entwicklungen (Empfehlungen durch Behörden, Referenzprojekte, Regelwerk-Entwicklungen, etc.) auch hierzulande zu erwarten. Wer sein BIM-Wissen nicht auf dem Laufenden hält, gerät in Gefahr, abgehängt zu werden, wenn es Bauherren/ Investoren einfordern. Gleichwohl ist BIM nicht die Lösung aller Probleme am Bau. Weder Stress, mangelndes Nachdenken, eine fehlende Detailplanung oder das ständige Ändern von Plänen kann die BIM-Methode auffangen. In der Praxis ist BIM weltweit bisher bei keinem einzigen Vorhaben durchgängig mit allen am Bau Beteiligten eingesetzt worden. Auch im Detail knirscht es noch – etwa bei der IFC-Datenübergabe. Offene Fragen, wie die Honorierung des Mehraufwands, bedürfen ebenfalls einer grundsätzlichen Klärung. Deshalb sollte man sich auch mit den praktischen Herausforderungen des BIM-Einsatzes auseinandersetzen und möglichst Planer mit BIM-Erfahrung befragen, bevor man sich entscheidet, Zeit und Geld in Schulungen und möglicherweise neue Werkzeuge zu investieren. Werden alle Gewerke in einem Modell zusammengeführt, lassen sich mögliche Problemzonen im Vorfeld aufdecken. ©Stiehm Ingenieurplanung Am BIM-Modell können Details konstruktiv, statisch und energetisch optimiert werden: Eckdetail einer Hochhaus-Doppelfassade. © nees Ingenieure Weitere Infos: www.atp.ag www.inti-plan.de www.nees-ingenieure.de www.stiehm-ip.de www.bim-information.com www.bimforum.org www.buildingsmart.de www.buildingsmart-tech.org


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