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12 architektur FACHMAGAZIN Magazin Unter dem Himmel Aktuell entwickelt die Stadt Miami den Downtown Brickell, das Finanz- und Handelszentrum Miamis. Neues Herzstück des Bezirks wird das Brickell City Center. Es verbindet in edlem Ambiente Shoppingcenter, Büros, Hotel und luxuriöse Wohnungen. Das Projekt erstreckt sich über ein L-förmiges 37.000 m2 großes Grundstück und besteht aus verschiedenen fünfgeschossigen Gebäuden. Daraus erheben sich zwei Wohntürme und Hauptattraktion ist die lichtdurchflutete, lebendige Shoppingmall. Auf fünf Geschossen ein Hotelturm mit bis zu vierzig Geschossen. reihen sich hier unterschiedliche Geschäfte, Restaurants und Cafés entlang eines überdachten Atriums. Über das bewegte, gläserne Atriumdach dringt großzügig Tageslicht ein und es entsteht eine freundliche und helle Atmosphäre. Unter der Glashaut scheinen weiße Bänder zu schweben. Sie schützen den Innenraum vor der tropischen Sonne und sorgen gleichzeitig für die Zirkulation der Luft im Atrium. Indem sie dem Verlauf des Daches folgen, muten sie wie Segel am Horizont an. Was spielerisch leicht wirkt, ist das Ergebnis hochkomplexer Berechnungen und einer äußerst präzisen Montage. Das Dach hat einen T-förmigen Grundriss. Die Stahlglaskonstruktion besteht aus Dreiecksfeldern, die so aneinandergefügt sind, dass ein wellenförmiges Auf und Ab entsteht. Darunter verlaufen die hellen Membranbänder, wel- von Miami Fotos: Jimmy Baikovicius, formTL che an der Stahlkonstruktion befestigt sind. Sie bilden zusammen mit dem Dach den sogenannten Climate Ribbon. Das Formenspiel des Climate Ribbon entstand im Büro des Architekten Hugh Dutton. Mit einem Freiformprogramm und der Berechnungen von Schatten und Luftzirkulation gestaltete er die Dachform und die einzelnen Bänder, Blades genannt, die der Wellenbewegung des Daches folgen. Gleichzeitig verdrehen sie sich um die eigene Mittelachse und folgen im Bereich der T-Kreuzung zusätzlich einer 90°-Kurve. Die Blades sind im Querschnitt dreieckig und werden aus jeweils drei stählernen Rundrohren geformt. Die oberen beiden Stahlrohre verlaufen dabei stets parallel. Die Krümmungen der Blades entstehen durch das dritte Rohr, das von stählernen Abstandshaltern fixiert um die Mittelachse schwingt. Da die Klemmung der Membrane für den Betrachter unsichtbar sein sollte, plante man die Befestigung über eine Aluleiste an der dem Dach zugewandten Seite der Blades. Darüber hinaus wurden an der Oberseite der Blades Verbindungsbleche montiert, welche zur Befestigung an den Hauptträgern der Dachkonstruktion dienen. Die Membranfelder mussten sehr präzise gefertigt werden, sodass die Zuschnitte exakt auf den Stahl passen. Insbesondere im Bereich der 90°-Kurven, bei den sogenannten L-Blades, bedeutete dies für die Ingenieure die Berechnung und Planung zahlreicher schmaler Einzelsegmente. Insgesamt entstanden auf diese Weise 313 einzelne Blades mit einer Gesamtfläche von 11.092 m2. Die Bespannung der Unterkonstuktion erfolgte größtenteils in einer Lagerhalle nahe der Baustelle, ausgenommen die L-Blades. Diese mussten direkt auf der Baustelle bespannt werden, da sie anschließend nicht mehr transportiert werden durften.


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