AVA-Trends: Smart und umweltbewusst ausschreiben
Neben der BIM-AVA-Verknüpfung, der Optimierung des IFC-Imports und der E-Rechnung gehören Funktionen für die Bestimmung von CO2-Werten und Ökobilanzen von Bauprojekten zu den wichtigsten Neuerungen und Trends aktueller AVA-Programme. Wer bietet was?

AVA-Anbieter haben ihre Software in den Bereichen BIM-AVA-Verknüpfung, Lebenszyklusanalyse oder E-Rechnung erweitert. © Orca Software
Im Fokus der meisten Neuerungen aktueller AVA-Programme stehen zwar nach wie vor die Datenverknüpfung zwischen der BIM-Planung, Mengen-/Kostenberechnung und Ausschreibung sowie die Optimierung des IFC-Datenimports. Immer wichtiger werden im Zusammenhang mit dem „European Green Deal“ aber auch Themen rund um das umweltbewusste und klimaschonende Planen und Bauen. Mit der Auswahl und Ausschreibung nachhaltiger, recycelter oder lokaler Baumaterialien können Planer den ökologischen Fußabdruck von Gebäuden und die Folgen von Bauvorhaben im Sinne der Umwelt positiv beeinflussen.

Mit ABiS AVA lassen sich Massen aus der CAD-Software ABiSPlan 3D oder anderer IFC-fähiger CAD-Software mit AVA-Elementen verknüpfen. © Abis Softwareentwicklung
Smart und modellorientiert ausschreiben
Der Fokus bei den AVA-Programmneuerungen liegt auf der BIM-AVA-Verknüpfung, bei der die bauteilorientierte Struktur von BIM-Modellen für die Projektrealisierung in AVA-Leistungspositionen überführt wird. Dazu werden nach dem Import der BIM-Daten über das Standard-Austauschformat IFC die Bauteile in der AVA über Filter- und Gruppierungsfunktionen sortiert, was sowohl die Zuordnung von Bauteilen zu Positionen als auch Auswertungen vereinfacht. Geregelt wird dieser Datenaustausch in der ÖNORM A 2063-2:2021, die inzwischen von mehreren AVA-Programmen unterstützt wird. So können basierend auf diesem Standard zum Beispiel mit dem Zusatzmodul 3D-Massenberechnung von ABiS AVA Massen aus der CAD-Software ABiSPlan 3D oder anderer IFC-fähiger CAD-Software mit AVA-Elementen verknüpft werden. Dazu stehen für alle, für Ausschreibungen im Hochbau relevanten Standard IFC-Elemente, wie Wand, Tür, Fenster, Boden/Decke etc. entsprechende Bauteile bereit. Diese Bauteile werden mit Leistungspositionen verknüpft und schließlich in das LV eingefügt. Unterstützt werden die IFC-Dateiformate 2.3, 4.0 und 4.3. Auch die aktuelle Version 2025 der AVA-Software ABK von Ib-data ermöglicht einen BIM-AVA-Datenaustausch gemäß ÖNORM A 2063-2:2021 und die Erstellung von Projektelementlisten, respektive Kostenplänen und Leistungsverzeichnissen. Dazu werden die BIM-Daten über die IFC-Schnittstelle importiert und über den integrierten BIM-Viewer in der AVA angezeigt. Eine Filterung wesentlicher Kennwerte vereinfacht die Verknüpfung der Vielzahl von Bauteilen mit LV-Positionen auf der Grundlage von Elementkatalogen. Die Zusammenstellung eines Projektelementkataloges erfolgt mit AVA-Elementen aus einem Elementkatalog oder es werden neue projektspezifische AVA-Elemente manuell angelegt.

Bei der LV-Erstellung werden mit ABK-ÖkoAVA umweltrelevante Parameter berechnet, um bei der Ausschreibung von Bauleistungen bessere ökologische Alternativen zu finden. © Ib-data
Die speziell auf die modellorientierte Planung zugeschnittene Edition BIM der AVA-Software Avanti von Softtech verfügt über eine direkte, optimierte Verbindung zur BIM-Autorensoftware Autodesk Revit. Änderungen der Geometrie werden innerhalb des LVs berücksichtigt und eigene Spezifikationen oder individuelle Anpassungen können optional nach der Aktualisierung erhalten bleiben. Das gilt sowohl für ClosedBIM-Projekte mit Revit als auch für IFC-basierende OpenBIM-Projekte. Mit dem AVA- und Baukostenmanagementsystem CaliforniaX von G&W Software lassen sich Mengen nach dem BIM-Modell abrechnen. Das ermöglicht ausführenden Unternehmen, Angebote auf Basis tatsächlich geplanter Mengen zu erstellen und exakte Materialmengen zu bestellen. Bei Fortschreiten der Bauausführung können die fertiggestellten Arbeiten im Modell markiert und nach Absprache mit dem Bauherren als Rechnung erstellt werden, was eine Erstellung von Aufmaßen erübrigen soll. Das ergänzende Bindeglied für den Datenaustausch BIM2AVA kann ferner IFC-Modelle automatisiert verarbeiten. Die mitgelieferte Standard-Zuordnung enthält Regeln zur automatischen Filterung und Gruppierung gleichartiger Bauteile, was den Datenaustausch beschleunigt.

Für die Bemusterung kann in Nevaris Build entweder die IFC-Struktur oder die Bauwerkstruktur genutzt werden. © Nevaris Bausoftware
Mit der IFC-Schnittstelle der Baumanagement- und AVA-Software Nevaris Build von Nevaris Bausoftware lassen sich umfassende Auswertungen von Massen, Mengen und Preisen direkt aus dem Gebäudemodell generieren. Diese Auswertungen können in verschiedenen Strukturen dargestellt werden und ermöglichen eine präzise Bauprojekt-Analyse. Über den IFC-Import lassen sich Modelländerungen ins LV übernehmen. Dabei macht Nevaris Build automatisch auf fehlende Informationen aufmerksam. Für die Bemusterung kann entweder die IFC-Struktur oder die Bauwerkstruktur genutzt werden. Über den integrierten BIM-Viewer lassen sich zugewiesene Positionen im IFC-Modell visualisieren. Die Cloudsoftware Nova AVA von Nova Building IT ermöglicht mit dem BIM Add-On ein modellbasiertes Baukostenmanagement im Web. Die CAD-AVA Datenübertragung per IFC-Standard ermöglicht die Verarbeitung von BIM-Modellen aus allen CAD-Systemen. Nova AVA erstellt aus den Informationen des BIM-Modells ein nach Geschossen und Bauteilen gegliedertes Raum- und Gebäudebuch, das bidirektional mit den Daten des Modells verknüpft ist. Es wird genutzt, um Kosten zu planen, Aufträge zu vergeben, und Bauleistungen modellbasiert abzurechnen und den Kostenverlauf zu dokumentieren. Gleichzeitig wird das 3D-Modell im Viewer angezeigt und kann mit den relevanten AVA-Daten angereichert werden. Der IFC-Manager in Orca Ava 26 kann IFC-Mengen übernehmen und IFC-Dateien öffnen, sichten und zuordnen. Zu den weiteren, die BIM-Datenverknüpfung unterstützenden Werkzeugen, gehören umfangreiche Diagnosetools für die Optimierung des IFC-Datenimports. Ein kostenfrei downloadbarer, mobiler LV-Viewer für Baustellen-, Bieter- oder Mängelbesprechungen zeigt wichtige LV-Informationen, wie Positionen, Mengen, Einheiten, Preise, sowie Kurz- und Langtexte als Baumstruktur an, unterstützt die GAEB-XML-Formate X81, X82 und X83 und visualisiert damit auch LVs aus anderen Software-Anwendungen.

Die Cloudsoftware Nova AVA ermöglicht mit dem BIM Add-On ein modellbasiertes Baukostenmanagement im Web. © Nova Building IT
Umweltbewusster ausschreiben und vergeben
Neben rein ökonomischen Faktoren gewinnen im Zusammenhang mit dem „European Green Deal“, mit dem die EU bis 2050 auch die europäische Bauwirtschaft nachhaltiger, ressourcen- und energieeffizienter machen will, ökologische Aspekte in Vergabeverfahren zunehmend an Bedeutung. Damit sollen nachhaltige Bauleistungen verstärkt gefördert werden. Ein wichtiger Baustein dabei ist die EU Taxonomie-Verordnung, mit der unter anderem auch Bauaktivitäten hinsichtlich ihrer ökologischen Nachhaltigkeit einheitlich bewertet werden können. In AVA-Programmen integrierte Funktionen und Module für die Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment, LCA) und die Bestimmung von CO2-Äquivalenten können bei Neubau- oder Sanierungsprojekten das Gebäude-Treibhausgaspotential transparent berechnen und so die Nachhaltigkeit von Projekten nachweisen. Im Zuge der Erstellung und Weiterbearbeitung von Leistungsverzeichnissen werden beispielsweise mit ABK-ÖkoAVA von ib-data umweltrelevante Parameter berechnet, um bessere ökologische Alternativen zu klimaschädlichen Bauteilen zu finden und die Wechselbeziehungen von Kosten und Öko-Parametern anschaulich darstellen zu können. Für die Berechnung wurden Öko-Kennwerte bei relevanten Positionen der Standardisierten Leistungsbeschreibung für Hochbau hinterlegt. Für freiformulierte Positionen, kann man im LV auf vorhandene Berechnungen zugreifen, diese kopieren und abändern. Alle Ökobilanz-Daten zu Produkten stammen von Baubook, der österreichischen Online Datenbank für Öko-Kennwerte von Bauprodukten, sind qualitätsgesichert und werden laufend aktualisiert. Bei der Erstellung eines Leistungsverzeichnisses mit ABK werden jene Bauleistungen identifiziert, die hohe Umweltbelastungen verursachen. Zugleich werden Alternativen aufgezeigt. Auch Nevaris Build bietet eine Anbindung an die Baubook-Datenbank und eine weitere Schnittstelle zur deutschen Ökobaudat. Damit lassen sich die ökologischen Auswirkungen eines Projekts, auf Basis der Materialien aus der Kalkulation, mithilfe herstellerbezgener Öko-Kennwerte bewerten. Die Kennwerte können in Nevaris Build auf einzelne Materialien und auf das gesamte Gebäude aufgeschlüsselt werden, was einen Überblick über die ökologischen Auswirkungen ermöglicht. Auch mit der neuen Nachhaltigkeitsbewertung der Bauprojektmanagement und AVA-Software RIB iTWO von RIB Software soll die CO2-Bilanz von Bauvorhaben transparenter und das nachhaltige, klimafreundliche planen und bauen vereinfacht werden. Dazu ermöglicht ein neuer Katalog die Erfassung relevanter Kennzahlen wie Treibhausgase, Feinstaubbelastung und Lärmemissionen. Diese Informationen lassen sich in LVs, Bieterangeboten, Kalkulationen und Kostenermittlungen erfassen und zuweisen.
Mit der neuen Nachhaltigkeitsbewertung von RIB iTWO soll die CO2-Bilanz von Bauvorhaben transparenter und das nachhaltige, klimafreundliche planen und bauen vereinfacht werden. © RIB Software
Elektronisch abrechnen
E-Rechnungsformate können Abrechnungsprozesse erheblich rationalisieren und vereinfachen (sieh auch architektur 02/2025: E-Rechnungen: Kosten sparen, Prozesse optimieren). Aktuell unterstützen nur wenige AVA-Programme neben den E-Rechnungsformaten XRechnung oder ZUGFeRD auch das österreichische ebInterface-Format, wie etwa ABK, Nuvem oder RIB iTWO. Dabei werden Unternehmen beim Eingang und der Erstellung von E-Rechnungen unterstützt. Für die digitale Prüfung von E-Rechnungen und Aufmaßen durch den Planer im Auftrag des Bauherren offerieren erst einige AVA-Hersteller erste Lösungen. Avanti zum Beispiel kann in der aktuellen Version 2025 E-Rechnungen in den Formaten XRechnung und ZUGFeRD importieren und exportieren, sofern gewünscht auch mit detaillierten Aufmaßpositionen. Dank des E-Rechnungs-Viewers sind die Informationen aus den elektronischen Rechnungen auch menschenlesbar. Eine Validierungsfunktion zeigt außerdem fehlende Informationen beim Rechnungsimport auf und stellt ein Prüfprotokoll zur Verfügung. Die Version 25 von CaliforniaX enthält jetzt das neue Modul „ERE“ zur Verarbeitung von E-Rechnungen in Verbindung mit der Rechnungsprüfung von LV-basierten Aufträgen. Das Modul visualisiert und prüft E-Rechnungen der Formate XRechnung und ZUGFeRD. Planer können so E-Rechnungen im Rahmen der Rechnungsprüfung LV-basierter Aufträge in CaliforniaX verarbeiten. ERE ermöglicht Anbieterangaben zufolge eine vollständige Integration in den Rechnungsprüfungsprozess, ohne Medienbrüche. Darüber hinaus können alle Projektbeteiligten jederzeit auf die originalen E-Rechnungen mit jeweiligen Anhängen zugreifen. Mit dem neuen, kostenfreien Invoice-Viewer können E-Rechnungen zudem manuell importiert und abgelegt werden. Auch Nevaris Build unterstützt bauausführende Unternehmen bei der Umstellung auf E-Rechnungen. So werden Ausgangsrechnungen im Format XRechnung gestellt. Das Programm sorgt dafür, dass alle relevanten Daten automatisch erfasst und strukturiert in das XML-Format übertragen werden. Ähnliches gilt für Eingangsrechnungen: Sie werden maschinell im XML-Format verarbeitet und in prüfbare PDFs umgewandelt, damit die Dokumente manuell geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden können. Mit Nuvem von W. Scheidl PC trade partnership, der cloudbasierten AVA-Software für Planer und ausführende Unternehmen lassen sich individuelle LVs und LVs im Normformat ÖNORM A2063 und B2063 erstellen. Integriert ist das HSBAU-Leistungsbuch mit rund 4.500 kalkulierten Positionen mit Schwerpunkt Baumeisterarbeiten. Rechnungen an den Bund lassen sich über das E-Rechnungsformat ebInterface direkt aus dem aktuellen Projekt erstellen. Mit Nuvem können Ausschreibungen und Angebote außerdem direkt über die Vergabeplattform Ausschreibung.at ausgetauscht werden.

Mit CaliforniaX lassen sich Mengen nach dem BIM-Modell abrechnen. © G&W Software
Text: Marian Behaneck








