Brandschutz in Shoppingcenter

24. Juni 2015 Mehr

 

Brandschutz für das zweitgrößte Shoppingcenter Wiens

Nach einer nur 10-monatigen Umbauphase und Kosten von rund 30 Millionen Euro präsentiert sich das Auhof Center seit Ende 2014 als zweitgrößtes Shoppingcenter Wiens mit mehr als 140 Shops. Der mittlere Teil des Einkaufszentrums wurde dafür abgerissen und neu errichtet – bei uneingeschränktem Betrieb in den anderen Gebäudeteilen. Das Brandschutzkonzept für den neuen Mittelteil sowie die Planung einer Rauch- und Wärmeabzugsanlage auf höchstem Sicherheitsniveau wurden vom Wiener Ingenieurbüro HOYER Brandschutz realisiert. 

 

Sprinklerzentrale_(c) Robert Tober

 

Mehrere Kriterien mussten dazu auf einen Nenner gebracht werden: die Einhaltung der aktuellen Sicherheitsrichtlinien unter Berücksichtigung der Wünsche des Bauherrn und Architekten nach möglichst wenig baulichen Änderungen, die kurze Realisierungszeit, der laufende Betrieb sowie die Komplexität in der Fluchtwegsplanung für eine Verkaufsstätte, die mitunter von Zehntausenden Besuchern pro Tag frequentiert wird.

Wenn ein Umbau von Projekten bei laufendem Betrieb stattfindet, stellen sich besondere Herausforderungen im Sicherheitsbereich, die einen höheren Abstimmungsbedarf zwischen allen Beteiligten sowie eine akkurate Koordination aller Bauphasen notwendig machen. In der Brandschutzplanung sind vor allem flexible Lösungen und gut durchdachte Abläufe wichtig. Zusätzlich musste das Brandschutzkonzept bereits den Bau von 80 Wohnungen berücksichtigen, die auf dem Flachdach des Auhof Center im Rahmen eines Pilotprojektes der Stadt Wien bis Mitte 2015 errichtet werden.

Die größte Herausforderung war die Fluchtwegsführung in den geöffneten EKZ-Teilen, die durch die Baustellenzu- und -abfahrt beeinträchtigt war. Zudem mussten Umbauten bei der in Betrieb befindlichen Verkaufsstätte ebenfalls in die Fluchtwegsplanung integriert werden. Durch Erstellung eines Brandschutzkonzeptes nur für den Zeitraum der Bauarbeiten bei laufendem Betrieb sorgte man für die stetige Einhaltung der bauordnungsrechtlichen Sicherheitsstandards. Das Konzept sicherte zu jeder Zeit eine saubere Trennung zwischen EKZ-Betrieb und Baustelle – Brandlasten wurden proaktiv reduziert. Brandgefährlichen Arbeiten wie Schweißen oder Löten wurde durch spezielle Sicherung der Arbeitsplätze und ständige Bereithaltung von Löschmitteln vorgebeugt. In einem weiteren Schritt erfolgte eine maßgeschneiderte Brandabschnittsbildung zwischen den Verkaufsflächen und der Baustelle. Diese verhindert bzw. erschwert im Anlassfall das Übergreifen eines Brandes und minimiert so etwaige Brandschäden.

Um die Minimierung der Kosten im Brandschutzbereich bei gleichzeitiger Einhaltung des behördlich geforderten Sicherheitsniveaus zu gewährleisten, wurde die bestehende Sprinkleranlage stärker als bisher in die Sicherheitsbetrachtung einbezogen. Zudem wurden die Sprinklerköpfe so positioniert, dass deutlich weniger Bauprodukte für den Brandschutz – Brandschutzverglasungen oder brandabschnittsbildende Wände – notwendig waren. Für die neuen Shopmieter des Einkaufszentrums entwickelte man ein einheitliches Konzept für die Gestaltung der Schaufenster- und Eingangsbereiche, das die Wirksamkeit der neuen Rauch- und Wärmeabzugsanlage gewährleistete.

Im Brandfall geht die größte Gefahr für Menschen meist nicht vom Kontakt mit Feuer aus, sondern von der Rauchbildung. Die Fluchtwege werden durch Rauch und toxische Brandgase verqualmt, die Sicht erschwert und die Atemluft vergiftet. Der vorbeugende Brandschutz fokussiert daher auf die Verhinderung von großflächigen Verrauchungen. Im Auhof Center plante man eine Rauch- und Wärmeabzugsanlage mit dem höchsten Sicherheitsniveau. Diese führt Hitze und Brandgase aus dem Gebäude und stellt die Flucht von Personen aus der Verkaufsstätte sicher – weiters sorgt die Anlage für eine freie Sicht und ermöglicht den schnellen und gezielten Löschangriff der Feuerwehr.

 

Fotos: Robert Tober

 

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Kategorie: Kolumnen, Sonderthema

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