E-Learning: Wissen aus dem Web

19. Juli 2021 Mehr

Die berufliche Qualifizierung wird in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt immer wichtiger. Neue Lernmethoden versprechen schnellere Lernerfolge. Welche Angebote gibt es im Baubereich?

 

E-Learning: IT-gestützte Lernangebote werden immer wichtiger – nicht nur in Pandemiezeiten.
IT-gestützte Lernangebote werden immer wichtiger – nicht nur in Pandemiezeiten. © TÜV Rheinland

 

Das elektronisch unterstützte Lernen mithilfe multimedialer Kommunikationsmittel und Publikationsmedien wird immer wichtiger – nicht nur in Pandemiezeiten. E-Learning-Angebote lassen sich besser in Büroabläufe integrieren, weil sie ein punktgenaues, individuell zugeschnittenes, zeit- und ortsunabhängiges, multimediales Lernen ermöglichen. Insbesondere kleine Unternehmen scheuen aber die damit verbundenen Kosten und die meisten haben gar keine Zeit und erst recht kein Budget für die interne Mitarbeiter-Weiterbildung. Häufig werden Unternehmen erst aktiv, wenn äußere Umstände sie dazu zwingen – etwa der aktuelle Fachkräftemangel. Hinzu kommt, dass sich insbesondere bei der jüngeren Generation das Lernverhalten kontinuierlich verändert. Auch deshalb wird die Wissensvermittlung über Lehrbücher immer häufiger durch digitale und multimediale Medien ergänzt.

 

E-Learning: Webbasierende und rechnergestützte Lernmethoden haben mittlerweile einen großen Anteil an betrieblichen Fortbildungsmaßnahmen

 

Vorteile digitaler Lernkonzepte

Digitale Lernmethoden bieten die Möglichkeit, das Lernen und den Wissenserwerb flexibler, effektiver und attraktiver zu gestalten. Dabei können sowohl auf das Unternehmen zugeschnittene Lernszenarien realisiert als auch individuelle Bedürfnisse und Vorkenntnisse der Lernenden berücksichtigt werden. Abstrakte Inhalte und komplexe Zusammenhänge können multimedial oder mithilfe von Simulationen anschaulich gemacht werden. Lernkontrollen und Wiederholungen können individuell auf die Teilnehmer zugeschnitten werden. Zu den weiteren Vorteilen des E-Learning gehört Flexibilität: Der Lernstoff kann räumlich und zeitlich unabhängig vermittelt, der Beruf kann mit der Aus- und Fortbildung besser in Einklang gebracht werden, was dem berufsbegleitenden Lernen entgegenkommt. Unternehmen, die ihre eigenen digitalen Lernmaterialien erstellen wollen, können dies mithilfe spezieller Softwarewerkzeuge (sogenannte Autorensysteme) auch ohne Programmierkenntnisse realisieren. Damit lassen sich einfache digitale Lernmaterialien für PCs, Smartphones oder Tablets auch selbst produzieren. Datenbankgestützte Autorensysteme können darüber hinaus auf im Unternehmen vorhandene multimediale Inhalte zugreifen und daraus unterschiedliche E-Learning-Angebote zusammenstellen. Erweitert werden die Möglichkeiten digitaler Lerntechnologien durch das Internet, mobile Netze und Endgeräte. Ein wichtiger Baustein des E-Learning ist das zeit-, orts- und plattformunabhängige webbasierte Lernen (Web Based Training, WBT). Dabei werden Lerneinheiten online abgerufen, was viele Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten bietet und den Zugriff auf nahezu unerschöpfliche und stets aktuelle Daten ermöglicht. So können auch E-Mails, News, Blogs, Wikis oder Diskussionsforen eingebunden oder ergänzende Informationen, Audio- oder Videodaten aus beliebigen Quellen abgerufen werden.

 

E-Learning:
Zu den Teilnahme-Voraussetzungen gehören ein internetfähiger Rechner mit schneller Internetverbindung, eine Kopfhörer-Mikrofon-Kombination, eine Webinar-Software und entsprechende Login-Daten für die Kursanmeldung. © Grundfos

 

Neue Entwicklungen und Trends

Digitale Lernkonzepte erhalten durch neue pädagogische Ansätze, praktische Erfahrungen aus der Arbeitswelt und IT-Entwicklungen neue Impulse. Dabei geht beispielsweise ein Trend in Richtung kleinerer Qualifizierungseinheiten, die leichter auch auf mobilen Endgeräten konsumiert und in den Arbeitsalltag integriert werden können, sodass kürzere Ausfallzeiten entstehen. Das kostet weniger Zeit und beeinträchtigt Unternehmensabläufe weniger. Auch Unterhaltungskomponenten, die in Form von „Infotainment“-Inhalten mehr Lernspaß vermitteln und die Motivation steigern sollen, werden zunehmend eingebunden. Zu den weiteren Trends gehören die Verwendung von VR-Brillen (Virtual Reality), mit denen virtuelle Realitäten erzeugt und beispielsweise bestimmte Situationen simuliert werden können oder von AR-Displays (Augmented Reality), mit deren Hilfe dem Lernenden zusätzlich zur realen Umgebung digitale Informationen eingeblendet werden. Eine weitere Entwicklung geht in Richtung digitaler Assistenzsysteme, die dem Nutzer zu einem bestimmten Arbeitsschritt Informationen und Handlungsanweisungen zur Verfügung stellen. Dabei werden über Sensoren gewonnene Daten genutzt, um jeweils zur Situation passende Informationen bereitzustellen, sodass der Nutzer kontextbezogen und interaktiv durch komplexe Arbeitsabfolgen begleitet werden kann. Die Vorteile des herkömmlichen Wissenserwerbs mit den Vorteilen des E-Learning versucht das sogenannte Blended Learning miteinander zu verknüpfen. Dieses integrierte Lernen setzt sich zusammen aus digitalen und analogen Lernmodulen und schließt auch praktische Übungen mit ein.

 

Smarte Displays unterstützen die multimediale Wissensvermittlung ebenso wie Webmeeting-Tools mit Funktionen zum Austausch von Dokumenten Notizen oder Skizzen.
Smarte Displays unterstützen die multimediale Wissensvermittlung ebenso wie Webmeeting-Tools mit Funktionen zum Austausch von Dokumenten Notizen oder Skizzen. © Die Handwerksschule

 

Welche E-Learning-Angebote gibt es?

Einen beachtlichen Schub hat die Nachfrage nach digitalen Bildungsangeboten aufgrund aktueller Kontakt-, Reise- und Veranstaltungsbeschränkungen erhalten. Anstelle von Präsenzseminaren werden Online-Schulungsangebote wie Webinare, Schulungsvideos oder Podcasts angeboten. Die aktuelle Nachfrage ist groß, denn viele Unternehmen nutzen die Zeit, ihre Mitarbeiter beispielsweise auf die Planungsmethode BIM vorzubereiten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Reisezeiten und Kosten entfallen, Mitarbeiter investieren ihre Zeit punktgenau und stehen dadurch länger für das Tagesgeschäft zur Verfügung. Zu den Teilnahme-Voraussetzungen gehören ein internetfähiger Rechner, eine ausreichend schnelle und stabile Internetverbindung (ab 6 Megabit pro Sekunde (Mbit/s)), eine Kopfhörer-Mikrofon-Kombination, eine Webinar-Software und entsprechende Login-Daten für die Kursanmeldung. Dank vielfältiger Angebote können sich Lernwillige damit bequem und sicher am eigenen PC, Smartphone oder Tablet weiterbilden. Die meisten Online-Schulungen dauern zwischen 45 und 90 Minuten und sind entweder als digitale Schulungsvideos ausgelegt oder finden in Form von Live-Webinaren statt. Letztere haben den Vorteil, dass die Referenten auf die Teilnehmer eingehen und individuelle Fragen über Text-Chats oder im Anschluss direkt beantworten können. Das Angebot von Schulungs-Dienstleistern ist in der Regel kostenpflichtig und wird mit 50 bis 150 Euro und mehr für ein einstündiges Seminar berechnet. Bauprodukthersteller oder Softwareanbieter offerieren Online-Lernangebote meist kostenlos. Bei Live-Schulungen ist die Teilnehmerzahl begrenzt, weshalb eine Anmeldung erforderlich ist.

 

E-Learneing: Auch Bildungseinrichtungen bieten inzwischen multimediale Lernangebote – etwa zu Grundlagen der Baukonstruktion.
Auch Bildungseinrichtungen bieten inzwischen multimediale Lernangebote – etwa zu Grundlagen der Baukonstruktion. © TU Dresden

 

Beispiele aus dem Baubereich

Das bauspezifische Angebot ist inzwischen groß. Neben zahlreichen Schulungs-Dienstleistern offerieren auch Verbände für ihre Mitglieder oder Fachverlage für ihre Leser ein breites Angebot an zielgruppenorientierten Schulungen. Auch Bauprodukthersteller haben die Möglichkeiten und Marketingpotenziale des E-Learnings erkannt und bieten zeitgemäße Lernmethoden in Form von interaktiven Wissenstests oder Lernvideos an. Die folgenden Angebote zeigen beispielhaft die Bandbreite der Themen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

In über 100 Lehrfilmen vermittelt das kostenlose Online-Portal #baukofüralle der TU Dresden Grundlagen der Baukonstruktion. Von der Gründung, über die Wand, Decke und Treppe, bis zum Dach werden Fügungen, Formen, Materialien, Gestaltung und Konstruktionen, Grundsätze der Statik und weitere Details vermittelt (www.vimeo.com/showcase/6350055).

Das Informationszentrum Beton (IZB) bietet mit der Webakademie Architekten, Ingenieuren und Bauausführenden eine digitale Wissensvermittlung rund um den Baustoff Beton. Zusätzlich wurde der Campus-Bereich integriert, mit dem Studierende digitale Vorlesungen abrufen können (www.beton-webakademie.de).

Mit der Wissensplattform bimpedia.eu betreibt die österreichische Plandata ein Schulungs-Portal für BIM-Einsteiger und  Anwender. Über 1.500 Anleitungen und Video-Tutorials zu Modelliergrundlagen, Auswertungsmethoden, Modellprüfungen oder der modellbasierten Kommunikation vereinfachen den Einstieg und die Arbeit mit BIM (www.bimpedia.eu).

Für jedes Gewerk und jede BIM-Fachdisziplin speziell angepasste Inhalte versprechen die „BIM Ready“-Schulungen von Mensch und Maschine. Die Ausbildungsinhalte orientieren sich an openBIM-Grundsätzen der ­buildingSMART sowie an den jeweiligen Verantwortungsbereichen und Gewerken (www.mum.de).

www.e-baulehre.at ist eine permanent wachsende, kostenlose und digitale Lernplattform, die das Ziel hat, die Bau-Lehre zu ergänzen, zu unterstützen und den Präsenz­unterricht zu vertiefen. Offeriert werden Online-Trainings, Lehrvideos und Wissens­checks für die Bereiche Hochbau, Betonbau und Tiefbau.

Graphisoft vereinfacht mit einem Startkurs die Einarbeitung in Archicad. Dabei wird in der BIM/CAD-Software ein Trainingsfenster mit Schritt-für-Schritt Anleitungen geöffnet. Das Help Center enthält ein Online-Handbuch und die Experience-Plattform Graphisoft X bietet Fachvorträge und Online-Beratungen (www.graphisoft.com/at/archicad/vorteile/mit-archicad-starten, https://x.graphisoft.de).

Die Grundfos Ecademy deckt ein breites Spektrum von Grundlagen der Pumpentechnik über einzelne Produkte bis hin zu speziellen Einsatzbereichen ab. Zu den Themen zählen Pumpen, Hebeanlagen, der hydraulische Abgleich, digitale Werkzeuge und Praxisthemen wie Abwasser in der Gebäudetechnik (www.grundfos.com/at/learn/ecademy).

 


Augmented Reality-Systeme blenden zusätzlich zur realen Umgebung digitale Informationen ein und ermöglichen so eine kontextbezogene, interaktive Anleitung – etwa bei der Instandhaltung technischer Anlagen. © Thyssenkrupp

 

Fazit: Digital ergänzt analog

E-Learning ist ein zeitgemäßes Lernangebot, das dem Lernenden mehr Freiräume in Bezug auf Zeit, Ort und Lerntempo gibt und sich besser in betriebliche Abläufe integrieren lässt. Die Kombination verschiedener Methoden und Medien bietet die Chance, Lernprozesse zu optimieren und Spaß am Lernen zu vermitteln. Dadurch kann insbesondere die junge, Smartphone- und Internet-affine Generation besser erreicht und für das Lernen motiviert werden. Traditionelle Bildungsformen werden IT-gestützte Lernmethoden aber nicht ersetzen können, weil digitales Lernen noch Schwächen hat. So stimmt einmal die Quantität, ein anderes Mal die Qualität nicht – sowohl die Inhalte als auch das didaktische Konzept betreffend. Außerdem liegt nicht jedem das isolierte Lernen am Bildschirm. Die Reduzierung sozialer Kontakte zwischen Lehrenden und Lernenden sowie fehlende Möglichkeiten für spontane Interaktionen erschweren den Erfahrungsaustausch und die Erfolgskontrolle. Das erworbene Wissen kann nicht immer durch praktische Übungen verfestigt werden und das digitale Lernen setzt mehr Selbstdisziplin und Eigenmotivation voraus. Deshalb setzen, soweit möglich, immer mehr Anbieter auf das Blended Learning.

 

Weitere Infos

www.akading-online.de Lernangebote für Bauplaner
www.checkpoint-elearning.de E-Learning-Infos
www.elearning-journal.com Fachblatt für E-Learning
www.tuv-akademie.at TÜV Austria Akademie
www.tuv.com/elearning TÜV E-Learning-Portal
www.vdi-wissensforum.de  VDI-Wissensforum
www.wifi.at  Online-Bildungsangebot   
www.wikipedia.at Suche: E-Learning etc.

 

Glossar

E-Learning: Der Begriff „E-Learning“ (electronic learning) steht für das elektronisch unterstützte oder digitale Lernen unter Verwendung multimedialer Kommunikationsmittel und Publikationsmedien.
WBT: (Web-Based-Training) steht für den Einsatz webbasierender Lerntechnologien und Dienste als Weiterentwicklung des Computer-Based-Training (CBT).
Blended-Learning: Werden konventionelle Lernformen mit den Vorteilen des E-Learnings verknüpft, spricht man von Blended Learning (integriertem Lernen).

 

 

Text: Marian Behaneck

 

Kategorie: EDV, Kolumnen

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