Licht im öffentlichen Raum

24. Januar 2020 Mehr

Farbe, Steuerung, Bewegung, Interaktion: Neue Technologien ermöglichen vielfältigere und dynamischere Lichtkonzepte als zuvor. Beleuchtung steht allerdings immer in Beziehung mit der gesellschaftlichen Bedeutung eines Platzes oder eines Gebäudes. Sie erfordert daher eine individuelle Auseinandersetzung mit dem Kontext. Nicht was machbar, sondern was angemessen ist, sollte die Leitfrage der Lichtplanung sein. An vier Projekten in Deutschland soll im Folgenden gezeigt werden, wie unterschiedlich die Antworten auf die Frage nach passgenauer und qualitätvoller Beleuchtung sein können. Die Lichtplaner Kardorff Ingenieure Lichtplanung folgten dabei ihrer Haltung: Erst begreifen, dann beleuchten.

 

Holler-Stiftung am Promenadeplatz, München

 

Holler-Stiftung am Promenadeplatz, München
Die platzrahmenden Gebäude europäischer Plätze spielen eine große Rolle in der Wahrnehmung der städtischen Situation bei Tag. In der Nacht gilt es, diese Rolle zu bestärken und herauszuarbeiten. Eine materialgerechte Inszenierung der Gebäude sorgt dafür, dass das Tagbild in die Nacht übertragen und atmosphärisch verdichtet wird. Wenn die Platzrandbebauung angemessen und repräsentativ angestrahlt wird, kann eine neue Identität des Platzes am Abend entstehen.

Für die Fassadenanstrahlung für die Holler-Stiftung am Promenadeplatz in München wurden eine warm-weiße Lichtfarbe und eine stetige Anstrahlung gewählt, um den Sandsteincharakter des Gebäudes zu betonen und eine gleichbleibende Repräsentation zu gewährleisten. Streiflicht im oberen Bereich der Fassade arbeitet die Details des historistischen Entwurfs heraus. Das Licht greift um die Gebäudeecke und reagiert auf die Architektur: Dort wo das Gebäude weniger architektonisch durchgearbeitet ist, ist auch das Licht weniger intensiv. Im bodennahen Bereich wurden individuelle Objektleuchten entworfen, die für eine Betonung der Fenster und des Eingangs aus allen Richtungen sorgen.

 

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Berlin

 

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Berlin
Die Kirche im Zentrum West gehört zu den touristisch bedeutsamen, viel fotografierten Objekten in Berlin und besitzt weltweite Bekanntheit. Die ursprüngliche Gedächtniskirche zu Ehren Kaiser Wilhelms des I. war nach der partiellen Kriegszerstörung durch einen Neubau von Egon Eiermann ergänzt worden. Die blau leuchtende Glasbausteinfassade des Nachkriegsbaus prägt bis heute den Platz. Bei der Beleuchtung historischer Denkmale und Gebäudedenkmäler liegt es nahe, eine statische Anstrahlung zu wählen, um ein gleichbleibendes Nachtbild für alle Besucher zu gewährleisten und den Respekt gegenüber der Geschichte des Gebäudes auszudrücken.

Die neue Beleuchtung des übrig gebliebenen neoromanischen Turms in warm-weißer Lichtfarbe kontrastiert mit dem Nachkriegsbau. Sie schafft ein harmonisches Ensemble mit verlässlich gleichbleibender Inszenierung. Mit präziser Anstrahlung durch LED-Technik wird das Gebäude stimmungsvoll in Szene gesetzt, wobei die Beleuchtungsintensität nach oben hin abnimmt. Vor der Planung wurden eine detaillierte Analyse des Baukörpers und ein digitales 3D-Model mittels einer Drohne angefertigt. So konnten die Vor- und Rücksprünge des Gebäudes angemessen berücksichtigt und ein präzises Lichtkonzept erarbeitet werden.

 

 

Mercedes Platz, Berlin
Der Mercedes Platz in Berlin positioniert sich als vielfältiger Veranstaltungsplatz mit einer innovativen Verzahnung von digitaler und analoger Welt. Der gesamte Platz vor der Mercedes Benz Arena wurde neu entworfen und wird von platzrahmenden Gebäuden umfasst. Dynamische Medieninhalte werden koordiniert an Fassaden und auf vertikalen Screens auf dem Platz präsentiert. Der digitale Content auf den hochauflösenden Bildschirmen ist deutschlandweit einmalig in dieser Art zu erleben. Die immer wieder wechselnde Anmutung der nächtlichen Situation ist Konzept und wird gesteigert durch Events, die auf dem Platz stattfinden. Der Platz lässt sich mit wenigen Handgriffen in eine Eventlocation verwandeln – hierzu wurden Veranstaltungsstrahler, Akzentbeleuchtung, Wasser- und Elektrozugänge und sonstige technische Einrichtungen in eigens dafür entworfene Mediastelen integriert. Die gesamte Abstimmung der Licht- und Werbeelemente an Fassaden, die Platzbeleuchtung, die Beleuchtung von Gebäudefoyers sowie Entwurf und Koordination der Mediastelen erfolgte durch die Lichtplaner. Flexibilität, Dynamik und Koordination waren die relevanten Themen in dem umfangreichen Planungsprojekt. Moderne Lichtsteuerungsmethoden, Farbe und Bewegung werden gezielt zur Effektsteigerung eingesetzt.

 

 

Cinedom, Köln
Wie Beleuchtung im Inneren von Gebäuden nach außen wirkt, lässt sich am Cinedom in Köln gut ablesen. Das platzprägende Gebäude im Mediapark Köln erhielt im Zuge der Renovierung eine neue Beleuchtung, die mit verschiedenen Mitteln arbeitet, um für Besucher bereits von außen attraktiv zu wirken. LED-Strahler mit gleichbleibend warm-weißem Licht akzentuieren die Holzlamellen und goldfarbenen Oberflächen im Veranstaltungshaus. Eine farbige Lichtinstallation durch hochwertige Veranstaltungsstrahler (Moving Lights) inszeniert ein bewegtes Lichtspiel in der nach außen weithin sichtbaren Kuppel. Das Motiv wird an der großen Wand im Inneren des Gebäudes fortgeführt. Gesättigte Farbtöne kontrastieren mit den warmen Weißlichttönen. Der Charakter  des Veranstaltungshauses erlaubt eine bewegte Lichtinstallation. Die Gesamtkomposition ist abwechslungsreich und doch zurückhaltend in Farbe, Änderungsfrequenz und Lichtstärke. Sie kreiert ein attraktives Raumerlebnis und wirkt bereichernd auf den Platz.

 

Angemessenheit von Beleuchtung
Die vier Projektbeispiele zeigen, dass an Licht im öffentlichen Raum verschiedene Anforderungen gestellt werden. Städtische Plätze unterscheiden sich in ihrer Konzeption und Historie. Solitäre stehen in individueller Beziehung zu ihrem Umfeld. Grundlage für gute Lichtplanung ist es, diese Charakteristiken vor Planungsbeginn intensiv zu analysieren. Aus gesellschaftlicher Sicht ist eine Hierarchisierung von Gebäuden und die Ablesbarkeit ihrer Funktionen auch bei Nacht sinnvoll. Digitale Medieninhalte, dynamische farbige Akzente und immer bessere technologische Möglichkeiten erweitern das Spektrum, in dem Lichtplanung sich an geeigneter Stelle bewegen kann. Eine sorgsame Abwägung von Lichterlebnis und Lichtemissionen für die Betrachter gehört zur professionellen Planung und hilft dabei, neue Objekte im Kontext der Umgebung zu verankern.

 

Text: Kardorff Ingenieure
Fotos: Linus Lintner

 

Tags:

Kategorie: Kolumnen, Licht

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen