Licht schafft Atmosphäre

24. Juni 2025 Mehr

Das Natur Resort MOAR GUT spiegelt die Architekturphilosophie von LP Architektur gekonnt wider: eine Symbiose aus alpiner Handwerkskunst, reduzierter Formensprache und Licht als unsichtbarem Gestaltungswerkzeug. Im Fokus steht die „Entschleunigung durch Materialauthentizität“ – jedes Element, vom Lärchenholz der Fassade bis zum Kernesche-Parkett, wird zum Träger haptischer Erzählungen. Dabei spielt auch das Licht als Katalysator der Raumatmosphäre eine entscheidende Rolle.

 

 

Durch flächenbündig in Sichtbetondecken und Holzwände integrierte Lichtpunkte entsteht eine „zweite Haut“ aus Licht, die im Ergebnis zeigt: Erst wenn Technik und Naturmaterialien eine poetische Allianz eingehen, entstehen Räume, die nicht nur beherbergen – sondern seelisch zu berühren vermögen.

Georg Bechter, Architekt und Vorreiter des architektonischen Lichtdesigns aus dem Bregenzerwald, erklärt im Interview bezugnehmend auf die Lichtgestaltung im MOAR GUT, wie unsichtbare Lichtsysteme Emotionen steuern können, Nachhaltigkeit sinnlich erfahrbar wird – und warum Blendfreiheit der Schlüssel einer ansprechenden Hospitality-Ästhetik ist.

 

 

Das SYSTEM DOT 28 integriert im MOAR GUT 960 Lichtpunkte flächenbündig in unterschiedliche Oberflächen – das heißt, die Lichtpunkte sind nahezu unsichtbar in Decken und Wände eingelassen und lassen nur das Licht wirken, nicht die Leuchte selbst. Wie kodiert Licht hier Emotionen, ohne die Architektur zu dominieren?

Entscheidend war die Durchgängigkeit: Ein Leuchtkörper für das gesamte Resort – von der Gastronomie bis zum Chalet. Bei natürlichen Materialien wie Holz modelliert Licht deren Tiefe. Atmosphäre entsteht, wenn man alles sieht, ohne dass es grell ist. Ein scharfer Lichtpunkt illuminiert das Weinglas, indirekte Strahler formen Raumkonturen. So bleibt die materielle Authentizität im Vordergrund.

Das Licht soll die Gäste sozusagen umhüllen?

Genau, dieser psychologische Effekt basiert auf drei Prinzipien: Erstens blendfreies Licht – es irritiert nicht, lässt den Raum „lesbar“ bleiben. Zweitens natürliche Lichtführung: Von oben kommendes Licht wirkt vertraut, LED-Streifen an Wänden dagegen oft künstlich. Im MOAR GUT leuchten Betonkapseln den Holzboden bewusst von oben an – das Gehirn registriert diese Vertikalität aus Erfahrung als beruhigend. Drittens lenkt Licht: Gäste folgen ihm unbewusst – wie beispielsweise im Foyer.

Wie übersetzen Sie Nachhaltigkeitswerte im Sinne von „Made in Vorarlberg“ oder auch die Möglichkeit zum Recycling in sinnliche Erlebnisse?

Über Kreislaufdenken: Wir kaufen Leuchten für 5 Euro zurück – denn für uns sind die Produkte kein Müll, sondern eine wertvolle Materialbank. Im MOAR GUT haben wir beispielsweise recycelte Aluminiumprofile eingesetzt, die sich bei Umbauten neu konfigurieren lassen. Gäste spüren diese Langlebigkeit: Eine Wand aus recyceltem Holz, beleuchtet von systemkompatiblen LED-Modulen, strahlt zeitlose Wertigkeit aus. Nachhaltigkeit muss haptisch erfahrbar sein, nicht nur ein Label.

 

 

Fügung statt Kompromiss – wie vereinen Sie wartungsfreundliche Technik mit Ihrem Anspruch an Licht-Poesie?

Gutes Design überlebt seine Zeit. Bajonettverschlüsse für den schnellen Leuchtentausch sind in unsere Ästhetik integriert – keine sichtbaren Schrauben, nur präzise Passformen. Im Restaurant modellieren wir Tische mit 2700-Kelvin-Licht, das Hauttöne schmeichelhaft rendert. Die Funktion dahinter? Der Salat sieht frisch aus. Die Poesie? Das Gegenüber wirkt attraktiv. Beide Aspekte müssen zu einer Einheit verschmelzen.

Heimatgefühl und Luxuserlebnis in einem – wie lassen sich solche Emotionen mit neuroästhetischen Mitteln wecken?

Biophile Elemente sind für uns der Schlüssel: Holz-Lehm-Wände triggern Urvertrauen, indirekte Beleuchtung in Decken simuliert Dämmerlicht. Luxus entsteht durch Überraschung – etwa Lichtsäulen, die Baumstämme als Skulpturen inszenieren. Unser Gehirn liebt solche Kontraste: Vertraute Materialien beruhigen, unerwartete Lichtakzente aktivieren das Belohnungszentrum. So entstehen Erinnerungswerte.

 

Text: Linda Pezzei
Fotos: moargut

 

Kategorie: Kolumnen, Licht