Ein Tischtuch an der Wand – Ball-Nogues Studio

28. Februar 2011 Mehr

Es dauert einige Zeit, bis man begreift, was da zu sehen ist: Am Anfang oder aus größerer Entfernung scheint es sich um eine stoffliche Struktur zu handeln, die da die Wand eines Innenhofes in der Schönberg Hall am Campus in Los Angeles verändert. Bei näherer Betrachtung erst werden Tische und Tischbeine in merkwürdigen Positionen und „Verrenkungen“ sichtbar. Eine Installation aus lauter unterschiedlichen, aber doch einheitlich wirkenden Tischen, dunklen Tischplatten, hellen Tischbeinen aus Holz, erstreckt sich aus ca. 10 Meter Höhe wie ein Vorhang in den Hof hinunter und läuft in einigen einzelnen Tischgruppen sanft aus.

Ein Tischtuch an der Wand - Ball-Nogues Studio

Die in Richtung Betrachter hin orientierten Tischbeine haben eine fast animalische Präsenz, wie die Borsten eines Felles oder Haare recken sie sich in den Raum. Die einzelnen Platten sind durch geschwungene Klammern zu einer einheitlichen Fläche verbunden, wie zusammengenäht, wodurch auch der stoffliche, textile Charakter der Installation betont wird.

„Das Tischtuch“ nennt sich diese Installation, die vom Ball-Nogues Studio für das UCLADepartement of Architecture and Urban Design, die Herb Alpert School of Music und UCLA Design Media Arts realisiert wurde. Sie dient als Hintergrund für Performances und als Bereicherung der sozialen Aktivität des Alltagslebens. Es können vor dieser Inszenierung – wenn sie als Bühnenbild betrachtet wird – sowohl Tanzveranstaltungen und Theaterstücke aber auch – als Hintergrund verwendet – Diskussionen, akademische Gespräche und „Small Talk“ stattfinden.
Durch die Größe und das verwendete Material des „Tischtuches“ werden auch die Akustik im Hof und der Nachhalleffekt entscheidend verbessert.

Der Prozess der Herstellung, Montage und Demontage ist ein Beispiel für ein einzigartiges Herangehen an die Herausforderungen der Nachhaltigkeit. Der Designansatz, die Produktion und die Wiederverwendbarkeit des verbauten Materials, werden von Ball-Nogues mit dem Begriff „Cross Manufacturing“ charakterisiert. „Das Tischtuch“ ist aus Hunderten von niedrigen Kaffeehaustischen und dreibeinigen Hockern gemacht.
Jedes dieser Stücke ist einzigartig, obwohl es aus einer industriellen Produktion stammt. Jedes Stück kann und soll von den UCLA-Mitgliedern nach Beendigung der Inszenierung mit nach Hause genommen werden können.

Diese räumliche Installation stellt einen Teil eines ständig wachsenden Phänomens unserer Kultur dar: die Gestaltung von, in architektonischen Maßstäben gehaltenen Strukturen und Räumen, die nur eine beschränkte Lebensdauer haben. Zu sehen ist das auch bei Bahnsteigen, bei Schaufenstern, Bühnenaufbauten und Veranstaltungen, wo die Strukturen zu Werbeträgern werden. Das Bedürfnis, ja der Anspruch nach Recycling und Wiedernutzbarmachung dieser urbanen Strukturen wird durch das Aufbrechen der Großstruktur in wiederverwendbare kleine funktionale Einheiten gewährleistet. Ähnlich wie beim Recycling – bei dem ein Material in ein „minderwertigeres“ umgewandelt wird – werden hier kleinere Produkte aus einem Größeren erzielt. Wie schon gesagt: „Cross Manufacturing“.

Ball-Nogues Studio
Das Ball-Nogues Studio ist beides, sowohl Design- als auch Produktionsstätte. Hier werden experimentell entwickelte Environments produziert, die das Potenzial für soziale Interaktionen erweitern und vergrößern, indem sie Gefühle, Wahrnehmungen und den Tastsinn ansprechen. Gleichzeitig versuchen sie, die gebaute Realität mit einem zweiten Bedeutungsinhalt zu versehen. Um das zu erreichen, arbeiten sie mit ungewöhnlichen Materialien, entfremden architektonische Techniken und entwickeln neue digitale Programme.
Sie sind fasziniert vom Produktionsprozess und der Tatsache, wie dieser Prozess Material und Poesie verbindet.

2006 erhielten sie die Best of Category distinction for Environments für ihre Installation „Maximilian’s Schell“ vom ID Magazine. Sie erhielten zweimal den Los Angeles AIA Design Awards und Interior Design Magazines Best of Year Award für ihre Installation „Rip Curl Canyon“.

2007 war ihre Installation „Liquid Sky“ der Gewinner des Museum of Modern Art/P.S.1’s Young-Architect’s-Programm-Wettbewerbes. 2009 wurde ihre Installation „Feathered Edge“ im Museum of Contemporary Art in Los Angeles vorgestellt. 2009 gewannen sie mit „Built to Wear“ in der Shenzhen Hong Kong Biennale. Ihre Arbeiten wurden weltweit veröffentlicht in den New York Times, Los Angeles Times, Architectural Record, Interior Design, Icon, Log Journal, Sculpture und Surface.

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