Thermally Speaking – Stadt mit Licht stimmen

24. September 2020 Mehr

Die Gestaltung des öffentlichen Raumes erfordert vielschichtige Überlegungen. Am Abend und bei Nacht sind dabei Lichtplanerinnen und Planer sehr gefragt, um dort Atmosphäre zu schaffen und ihn nutzbar zu machen. Eine Möglichkeit dort Akzente zu setzen, sind Lichtkunst-Installationen. Diese besitzen, auch wenn sie nur temporär sind, einen unglaublichen Mehrwert für die öffentlichen Räume einer Stadt. Durch die Verbindung von Lichtkunst und Wissenschaft kann auch ein Raum­experiment entstehen, wie die Installation Thermally Speaking zeigt, die 2019 in Toronto im Rahmen der CITYLights Toronto-Initiative entstanden ist.

 

Thermally Speaking CITYLights Toronto

 

In der Nacht ist Licht im öffentlichen Raum der Anziehungspunkt für die Menschen einer Stadt. Nur dort, wo es ausreichend Licht und gute Lichtstimmungen gibt, halten sie sich in der Dämmerung und auch in der Nacht auf. Diese Qualitäten herzustellen, ist eine Aufgabenstellungen für Lichtplanerinnen und Lichtplaner, die mit technischem Know-how, ihrer Erfahrung und Feingefühl für ausgewogene Lichtstimmungen sorgen.

Mit Licht kann man nicht nur für ausreichende Ausleuchtung im öffentlichen Raum und damit das Gefühl der Sicherheit sorgen: Ganze Lichträume, Installationen, Erlebnisse oder Emotionen lassen sich damit kreieren, die zu einem Publikumsmagnet werden können. Viele Städte rund um den Globus haben dieses Potenzial schon erkannt und veranstalten Lichtfestivals, um den öffentlichen Raum und die Lichtkunst zu feiern. Kombiniert werden Lichtinstallationen dabei mit Architektur oder städtischen Räumen, die mit kreativen Lichteffekten bespielt werden und so für ein paar Nächte im Jahr in einem – im wahrsten Sinne des Wortes – anderem Licht wahrgenommen werden können.

 

Thermally Speaking CITYLights Toronto

 

Ein derartiges Lichtfestival fand 2019 in Toronto statt. Unter dem Namen Nuit Blanche wurden für die CITYLights Toronto-Initiative zusammen mit Studierenden der dortigen Universitäten verschiedene Lichtinstallationen entworfen, die man quer durch die Stadt verteilte. Unter diesen zahlreichen Lichtinstallationen befand sich auch das Projekt „Thermally Speaking“. Als passender Ort dafür wurde das Fort York Visitor Center ausgesucht – eine historische Stätte, an der sich die Nation 1812 von der britischen Herrschaft lösen konnte. Zudem besitzt das im Jahr 2012 fertiggestellte Gebäude eine Fassade aus Channel Glass, einem transluzenten Glaswandsystem, das sich besonders für Lichtinstallationen eignet. Eine zusätzliche Qualität des Gebäudes ist, dass es sich an das leicht abfallende Grundstück anlehnt und so eine vom Park aus öffentlich begehbare Dachfläche entsteht. Es sollte daraus also nicht nur ein Lichtkunstobjekt werden, sondern dieses sollte zusätzlich auch als begehbare Skulptur funktionieren.

 

Thermally Speaking CITYLights Toronto

 

Das Konzept für diese Lichtskulptur umfasst aber nicht nur einen künstlerischen, sondern auch einen wissenschaftlichen Ansatz: Entsprechend der Namensgebung „Thermally speaking“ nutzte die Installation die Techniken der Thermografie, die die Oberflächentemperatur von Objekten misst, und übersetzte die menschliche Körperwärme in Beleuchtung. Diese Ergebnisse wurden hautnah erlebbar an die Fassade des Visitor Centers übertragen, wodurch sich diese ständig veränderte.

Die Besucherinnen und Besucher sollten nicht nur als Beobachterinnen und Beobachter den Geschehnissen folgen, sondern auch aktiv an dem Erlebnis teilnehmen, indem sie sich über die Rampe des Gebäudes bewegen. Durch dieses Experiment wurden die Wärmefelder und die Wärmestrahlung sichtbar gemacht, von der wir alle umgeben sind. Es konnte auch ein Einblick in die Zukunft der Körpertemperaturmessung und der kreativen Datenvisualisierung gegeben werden.

Entworfen wurde die Installation von den Lichtdesignern LeuWebb Projects und in Zusammenarbeit mit Mulvey & Banani Lighting produziert. Mit Licht wurde hier ein eindrucksvoller Akzent im öffentlichen Raum geschaffen, jedoch nur für eine beschränkte Zeit. Der Ausdruck von Licht unterstützte nicht nur die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, sondern schaffte auch Raum für soziale Begegnungen und Lichtstimmungen, die den Besucherinnen und Besuchern sicher lange in Erinnerung bleiben.

 

 

 

Text: Alexandra Ullmann
Fotos: Doublespace Photography

 

 

Kategorie: Kolumnen, Licht, Projekte

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