Zukunft der Architektur und digitale Städte

3. April 2020 Mehr

Maria Auböck führt seit 1987 mit János Kárász das Atelier Auböck + Kárász in Wien.
Von 1999 bis 2017 war sie Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in München.
© Atelier Auböck und Kárász

 

Der folgende Text basiert teilweise auf der Veröffentlichung „Digitale Städte brauchen public design“ in „Garten und Landschaft “ 8/219.

Kennen Sie den Schwarzplan von Rom, den Giovanni Battista Nolli 1748 präsentierte? Er zeigt auf einmalige Weise die Straßen und Plätze der italienischen Hauptstadt gemeinsam mit den Erdgeschosszonen. Er wurde zum Vorbild des Städtebaus und des public design.

Im Digitalzeitalter ist diese Zusammenschau wieder topaktuell. Jetzt geht es darum, für die Architektur das alltägliche Leben und seinen osmotischen Austausch in der Stadtlandschaft zu erhalten. Dafür müssen wir beginnen, die richtigen Fragen nach den Bauformen, deren Gebrauch und der Haltung zur Wandlung der Stadträume zu stellen. Wir müssen die Architektur in ihrer Rolle der Raumbildung in den Diskurs miteinbeziehen und uns fragen, ob Smart Cities alleine dank der Technologien ein vitales Stadtleben garantieren können – wie es beispielsweise die spanische Stadt Santander zeigt – oder ob die Umstellung auf neue Technologien Teil der Architekturdiskussion ist.

Christopher Alexander beschrieb in seinem Standardwerk „Pattern Language“ 1977 umfassend die zeitlosen Bedürfnisse der Menschen – quer durch Generationen und Kulturen. Kevin Lynch vermittelte durch seine Stadtkartierungen – wie zum Beispiel „Good City Form“, 1981 – Generationen von Planern die Bedeutung der Architektur der Stadtlandschaft als kleinteiliges komplexes System und unterstützte damit deren kritisches Denken zu den damals bereits erkennbaren Erosionen der Stadtlandschaft.

 

Einblick in neue Arbeitswelten: Erste Campus, Wien Henke-Schreieck Architekten.
© Archiv Atelier Auböck

 

 

Strategie im digitalen Zeitalter: Partizipation
Gelten diese Überlegungen heute noch? Im Zeitalter der Digitalisierung ändert sich das Gesicht der Stadt – unter anderem durch Interneteinkäufe und deren Anlieferung mittels präziser Transportlogistik. Schon bald wird es keine Vitrinen, Verkaufskultur mehr geben. Die städtischen Verwaltungen können auf diese Veränderungen nicht parzellenscharf reagieren. Neue Strategien sind nötig.

Ein möglicher Ansatz ist der der Beteiligung. Auf diese setzt die Stadtplanerin Christa Reicher von der RWTH Aachen. Sie fordert in den „Aachener Nachrichten“ im November 2018 von der Stadt Aachen, Teilhabe und Verantwortung für die Stadt zu organisieren. „Stadtgestaltung ohne Partizipation funktioniert heute nicht mehr. Die Herausforderung besteht darin, einen aktiven Diskurs mit der Stadtgesellschaft mit fachlichem Leadership intelligent zu verbinden.“

Amazon, Facebook und Google ersetzen keinesfalls die direkte Kommunikation auf Augenhöhe, den Austausch der Menschen und deren Suche nach Beteiligung und Geborgenheit. Wie können innovative Bauwerke reagieren? Die Fachwelt ist sowohl für den Wohnbau wie die Gewerbebauten gefordert. Das kleinteilige Gewerbe und der Einzelhandel wird aus den Straßen verschwinden. Dazu kommt die Verarmung der Wohngebiete, deren Erdgeschosszonen fensterlose Fassaden oder einfache Lüftungselemente für Müllräume und Garagenplätze zeigen.

Künftig bestellen Stadtbewohner ihre Waren vom Bildschirm aus, die Päckchen bringt dann der Drohnen-Lieferdienst zum Küchenfenster oder auf den Balkon. Und die neuen Entwicklungen betreffen nicht nur DHL oder UPS, auch andere Lieferanten wie Uber und die rasante Entwicklung der autonomen Fahrzeuge verändern die Benutzung der Stadt. Architekten, Stadtgestalter und Planer von public design werden dazu reagieren müssen und strategische Überlegungen zur Architektur der Zukunft anstellen. Richard Sennett wies in seinen Publikationen wie „Handwerk“, 2008 und „Die offene Stadt“, 2018, die von der Stadt und dem Handwerk im digitalen Zeitalter handeln, auf diese Phänomene hin und heizte die aktuelle Debatte der Planer an.

Es gilt zu handeln, denn das nächste Päckchen ist schon bestellt.

 

Wohnen mit Balkon im halböffentlichen Raum, am Beispiel In der Wiesen, artec Architekten, Wien.
© Archiv Atelier Auböck

 

http://www.auboeck-karasz.at

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Kategorie: Architekten im Gespräch, Kolumnen

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