Architektur Fachmagazin Ausgabe 02/2025
Identitätsträger der Architektur
Die Gebäudehülle ist weit mehr als nur eine physische Grenze zwischen innen und außen. Sie ist das Gesicht der Architektur, ein funktionales Element und zugleich ein Ausdruck von Identität, Materialität und Innovation. Ob als Schutz vor Witterungseinflüssen, als nachhaltige Energiehülle oder als ikonisches Gestaltungselement – Fassaden spielen eine zentrale Rolle in der heutigen Baukultur. In dieser Ausgabe widmen wir uns Projekten, die die Vielfalt und Innovationskraft moderner Gebäudehüllen exemplarisch zeigen – von High-Tech-Lösungen bis zu cleveren Low-Tech-Ansätzen, von schlichter Eleganz bis zu fast schon exzentrischer Gestaltung.
Ein herausragendes Beispiel aus Österreich, das einen Großteil dieser Eigenschaften kunstvoll vereint, ist das House of Schools auf dem Campus der Johannes Kepler Universität Linz, entworfen von querkraft architektur. Die zweischichtige Fassade kombiniert eine Pfosten-Riegel-Konstruktion aus eloxiertem Aluminium mit einer vorgelagerten Stahlstruktur für Sonnenschutz und Begrünung. Automatisierte Drehlamellen aus Lochblech, Textilscreens und Bepflanzung erzeugen eine resiliente Gebäudehülle mit Tiefe und Lebendigkeit. In Heilbronn setzt die Innovationsfabrik 2.0 von Waechter + Waechter Architekten ebenfalls auf nachhaltige Bauweisen, jedoch mit einem besonderen Fokus auf Holz-Hybrid-Konstruktionen. Die fachwerkartige Doppelfassade ist nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein funktionales Element, das das Gebäude energetisch optimiert und eine markante Identität schafft. Das John W. Boyer Center der University of Chicago in Paris, entworfen von Studio Gang, fügt sich als selbstbewusster Neubau in das Stadtbild ein. Die Fassade aus 900 Glasfaserstäben bildet eine filigrane, vertikale Struktur und erzeugt ein faszinierendes Wechselspiel von Licht und Schatten. Ein ganz anderer, aber ebenso ausdrucksstarker Ansatz sind die Kaktus Towers in Kopenhagen von BIG. Mit ihrer stacheligen, expressiven Fassade entstehen Türme, die nicht nur skulpturale Landmarken sind, sondern auch die funktionale Performance durch gezielte Verschattung verbessern. Das Wohnbauprojekt TIMBERLAA* in Wien von nonconform zeigt, wie Holz als Fassadenmaterial sowohl gestalterisch als auch funktional überzeugen kann. Die vorvergraute Lärchenholzfassade schlägt eine Brücke zwischen traditioneller Bauweise und zeitgenössischer Architektur und hebt sich bewusst von den klassischen Putzfassaden der Umgebung ab.
Abgerundet wird diese Ausgabe durch weitere inspirierende Projekte, fundierte Analysen und innovative Produktpräsentationen. Im zusätzlichen Themenschwerpunkt Retailarchitektur widmen wir uns zudem der Bedeutung von visuellem Storytelling.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und spannende Entdeckungen.
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Kategorie: Archiv









