Architektur Fachmagazin Ausgabe 03/2025
Gemeinsam leben, besser wohnen
Wohnen beginnt nicht an der Wohnungstür – es beginnt davor. Im Treppenhaus, auf dem Gehsteig, im Gemeinschaftshof, in der Nachbarschaft. Wohnraum ist mehr als privater Rückzugsort – er ist Bühne für das alltägliche Zusammenleben, Resonanzraum für soziale Beziehungen und manchmal auch ein Experimentierfeld für neue Lebensformen. Angesichts urbaner Verdichtung, steigender Wohnkosten und gesellschaftlicher Umbrüche stellt sich die Frage, wie wir Wohnraum gestalten, der nicht nur Platz schafft, sondern auch Sinn stiftet. Die Projekte dieser Ausgabe zeigen: Zukunftsfähiges Wohnen ist Gemeinschaftssache.
Im Wiener Nordbahnviertel beweisen Franz&Sue, dass Dichte und Offenheit kein Widerspruch sind. Ihr erstes Wohnhochhaus verbindet auf 21 Geschossen spektakuläre Ausblicke mit dem Anspruch, Teil eines lebendigen Quartiers zu sein. Zwischen Urbanität und Stadtwildnis entsteht so eine Landmarke, die Gemeinschaft fördert statt sich abzugrenzen. Nicht weit davon entfernt setzt die Stadt Wien gemeinsam mit WUP architektur beim Projekt „Gemeindebau NEU – Aspern H4“ auf sozialen Wohnbau mit Weitblick. Hinter der schlichten Kubatur verbirgt sich ein durchdachtes Konzept, das Leistbarkeit, Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität vereint – eine zeitgemäße Neuinterpretation der Idee vom Gemeindebau. Wie gemeinschaftliches Wohnen auch im urbanen Bestand gelingen kann, zeigt das Projekt „Colmi“ in Basel. Rahbaran Hürzeler Architekt:innen kombinieren sanierte Altbauten mit Neubauten und gruppieren Wohnen, Arbeiten und Begegnung um einen gemeinschaftlich genutzten Hof – ein lebendiges Beispiel für urbane Vielfalt auf engem Raum. Noch stärker in den Vordergrund tritt das Thema Gemeinschaft im Projekt „The Room Community – Illa Glòries“ in Barcelona. Cierto Estudio zeigt, wie Architektur soziale Praktiken fördern kann: Care-Arbeit wird sichtbar gemacht, Lebensentwürfe werden nicht normiert, sondern räumlich unterstützt. Flexible Grundrisse, offene Räume und gemeinsam genutzte Infrastrukturen machen das Projekt zu einem zukunftsweisenden Prototyp urbanen Wohnens. Der Umbau der Warehouse Apartments in Madrid durch OOIIO Architecture und das renovierte Stadthaus in Kutná Hora von BYRÓ architekti verdeutlichen zudem: Wohnraum ist immer auch ein kulturelles Gedächtnis. Die behutsame Transformation von Bestand ist ein Schlüssel zu nachhaltigem Städtebau – und zur Identität urbaner Räume.
Auch die weiteren Projektberichte dieser Ausgabe folgen diesem zentralen Gedanken. Ergänzt wird das Heft durch thematische Schwerpunkte zu Grünraumgestaltung und flexibler Raumausstattung sowie durch aktuelle Produktinformationen, die wertvolle Impulse für Planung und Umsetzung geben.
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Kategorie: Archiv









