Architektur Fachmagazin Ausgabe 04/2025
Wo verbringen wir unsere Zeit und wie fühlt sich das an? Unsere Alltage werden vielleicht mehr denn je von Lern- und Arbeitsräumen geprägt. Doch nicht jeder Raum inspiriert. Nicht jede Umgebung unterstützt. Was aber, wenn Architektur nicht nur reagiert, sondern gestaltet – aktiv, vorausschauend und empathisch? In dieser Ausgabe widmen wir uns Projekten, die genau das tun. Sie begreifen Bildung und Arbeit nicht als Programme, sondern als Lebenswirklichkeiten – und setzen dabei auf Raumqualität, Nachhaltigkeit und Menschlichkeit.
So etwa bei der Erweiterung der Windkraft Simonsfeld AG in Niederösterreich. Juri Troy gelingt hier weit mehr als ein funktionaler Zubau: Es entsteht ein Leuchtturm des nachhaltigen Bauens, der sich gestalterisch bewusst vom technologisch geprägten Altbau absetzt – zugunsten einer Materialität, die Atmosphäre schafft und Kreisläufe schließt. Ähnlich konsequent zeigt sich der Neubau der Tischlerei Rüscher im Bregenzerwald. Ein präzise komponierter Hybridbau, der auf regionale Ressourcen setzt und behutsam in den landschaftlichen Kontext eingebettet ist. Das Collège Rousseau in Genf ist ein Beispiel dafür, wie sich bestehende Bausubstanz respektvoll und dennoch zukunftsfähig weiterentwickeln lässt. Burckhardt Architektur zeigen, dass klimagerechtes Bauen und Denkmalschutz keine Gegensätze sein müssen, sondern sich im besten Fall gegenseitig stärken. Besonders deutlich wird die Rolle des Raums als pädagogisches Werkzeug bei der Imagine Montessori School in Valencia: ein Schulhaus aus natürlichen Materialien, eingebettet in die Landschaft, das nicht nur Lernort, sondern Lerngegenstand ist. Ähnlich versteht auch die Waldorfschule in Wien-Mauer Architektur als Teil des Bildungsprozesses – mit einer Formensprache, die nicht laut sein muss, um Haltung zu zeigen. Dietrich Untertrifaller gelingt ein Bau, der sinnliche Erfahrung, handwerkliche Präzision und konzeptuelle Tiefe in Einklang bringt. Der Bildungscampus Willi Resetarits in Wien wiederum zeigt, wie durch Offenheit, räumliche Vielfalt und integrative Planung ein urbanes Zentrum des Lernens entstehen kann – ein Mikrokosmos für eine offene Gesellschaft.
Was all diese Projekte verbindet, ist der Anspruch, Architektur als kulturellen, ökologischen und sozialen Beitrag zu verstehen. Es geht nicht nur um Gebäude – es geht um Möglichkeiten: zu lernen, zu arbeiten, sich zu entfalten. Architektur wird zur Bühne des Alltags und zum Impulsgeber für Wandel.
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Kategorie: Archiv









