Maßstabsverschiebung

24. Juni 2015 Mehr

 

Für einen gelernten Österreicher erinnert er an das bekannte Werbeobjekt eines großen Möbelhauses. Nur steht dieser Stuhl, mit dem Namen „NidoSilla“ in Monterrey/Mexiko, außerhalb der ehemaligen Adolfo Prieto Escuela-Schule in einem 140 Hektar großen Park. Erdacht wurde diese Sitzgelegenheit 2015 als temporäre Kunstinstallation vom amerikanischen Künstler Mark Reigelman. 

 

 

Bis in die späten 80er Jahre war das Gebiet in Besitz von Monterrey Steel, einer in Betrieb stehenden Stahlgießerei. Im Park sind noch viele Gebäude und Relikte aus den Produktionszeiten vorhanden, das macht ihn zu einer Art archäologischem Industriemuseum in Mexiko. Die Schule, in deren Front der Riesenstuhl jetzt steht, wurde damals von den Kindern der Stahlarbeiter besucht, heute wird sie von CONARTE als Kreativzentrum betrieben und bildet die Kulisse für diese Arbeit.

Reigelman entwarf diese ortsspezifische Installation als Teil des jährlichen „DECODE Design Festival“, das sich in einem 3-Tage-Event mit zeitgenössischer Industriekunst, Kreativität und Innovation befasst. Er war von Anfang an, von den sich im Park gegenüberstehenden riesigen Stahlartefakten aus der Zeit der Gießerei, fasziniert: An jeder Ecke kollidieren sozusagen große, stählerne „Skulpturen“ mit Bäumen und den Teichen und Wegen in dem öffentlich, zugänglichen Gelände. Und deshalb wählte er auch Holz als Ausgangsmaterial für seinen Entwurf. Er arbeitete mit zwei verschiedenen Identitäten und Bezügen. Der eine war für das DECODE Festival gedacht, der andere für die Schule, vor der die Installation stattfinden sollte. Der Platz vor der Schule symbolisiert Wachsen und Entwicklung, Gemeinschaft und Wissen und ihm wird die Bedeutung eines „Nestes“ in seiner visuellen Präsenz zugewiesen. Dem DECODE Festival, das Design als kreative Disziplin zelebriert, war der „Stuhl“ als Markenzeichen zugewiesen. Diese zwei Interpretationen sollten sich in dem NidoSilla (deutsch: Neststuhl) wiederfinden.

 

 

Die Installation wurde ausschließlich vor Ort von lokalen Handwerkern und mit lokalen Materialien gefertigt. Die Konstruktion der hinteren Lehne wurde ebenso wie die Vorderbeine des Sessels von Hand aufgestellt und mit der Sitzfläche verbunden, ohne technische Hilfsmittel. Dann malte man 125 Stück 19 mm
Sperrholztafeln in zwei verschiedenen Grüntönen an, zerschnitt die Platten in kleine Einzelteile. Die hölzerne Grundstruktur wurde nun mit über 12.000 dieser „Fliesen“ verkleidet, ungefähr 48.000 Stahlnägel wurden dafür verwendet. 20 Freiwillige benötigten 10 Tage um die Installation zu vollenden. Die fertigen Dimensionen von ca. 9 x 5 x 5 Meter sind beachtlich.

 

Fotos: Mark Reigelman II / Maurico Garza / Mariana Etienne Ortega

 

Tags: , , , ,

Kategorie: Magazin

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen