BeGo-Museum / Castelfiorentino / Massimo Mariani

4. März 2011 Mehr

Wenn man durch das Zentrum von Castelfiorentino schlendert, einer Stadt in der Toskana südwestlich von Florenz, stößt man in der Nähe des Bahnhofes auf einen kleinen, fast quadratischen Platz mit dem Benozzo-Gozzoli-Museum. In diesem Bau sind einige der Werke des berühmten Malers Benozzo Gozzoli beherbergt. Rechts vom Museum steht noch eine kleine alte Kirche im typischen italienischen Look, einer Mischung aus Renaissance und Klassizismus, und die räumliche Nähe von eben dieser Kirche und dem Museum legen eine gedankliche Verbindung zwischen den Begriffen Anbetung, Verherrlichung und Aufbewahrung nahe. Auch die Proportionsverhältnisse der beiden Architekturen drängen fast zu diesen Assoziationen. Klein und überschaubar sind beide Bauten. Im Museum werden nun die zwei wichtigsten Altarbilder und Fresken, die Gozzoli in dieser Gegend gemalt hat, zur Schau gestellt (oder angebetet).

BeGo-Museum / Castelfiorentino / Massimo Mariani

Tradition und Moderne

Das BeGo-Museum vom italienischen Architekten Massimo Mariani wirkt wie ein kompakter, monolithischer Ziegel und ruht auf einer amorphen, inselförmigen Basis, die gleichzeitig auch das Problem der klassischen Stadtmöblierung mit Bänken, Blumentrögen etc. löst. Die kurvenförmige, geschwungene Plattform besetzt den Platz rund um das Gebäude, aber so können die Menschen auch ein wenig des musealen Raumes in Besitz nehmen: Der Sockel wird zur Bank, zum Blumentopf, zum Kinderspielplatz, zum Kommunikationsraum für Erwachsene, zum Theater für kleine öffentliche Events, zu einer erweiterten Museumsebene. Das Gebäude steht isoliert in der Mitte eines Hofes fast wie in einem kleinen Garten. Es ist aus Stahlbeton mit einer vorgehängten, hinterlüfteten Ziegelfassade. Die Ecken des Museums sind mit glatten Ziegeln verkleidet, die restlichen Fassadenflächen mit horizontal strukturierten Ziegeln. Auch die Fensteröffnungen und der Haupteingang haben glatte, leicht vorgesetzte Ziegelumrahmungen.
So kann, durch eine hinter diesen Rahmen verborgene Beleuchtung, die restliche Fassade in ein sanftes, warmes Licht getaucht werden. Das ganze Museum ist mit diesen Cottoziegeln verkleidet und nimmt so Bezug auf die Materialien und die Fassaden einiger noch bestehenden alten Kirchen in der Stadt.
Im Inneren teilt sich das Gebäude auf vier Ebenen auf: Drei sind über der Erde, und ein Geschoß liegt darunter. Das Erdgeschoß ist teilweise durch eine extrem niedrige Raumhöhe im Eingangsbereich gekennzeichnet, eine Raumhöhe, die sich aber sehr schnell bis zur vollen Gebäudehöhe aufbaut, und zwar in dem Bereich, in dem der „Tabernacolo della Visitazione“ situiert ist. Dieser wird – sehr wirkungsvoll – von einer Kaskade natürlichen Lichts, das von einem Oberlicht aus dem Dach kommt, beleuchtet. Seine ganze Schönheit lässt sich erst erkennen, wenn man ihn aus den beiden obereren Geschoßen betrachtet.
Im ersten Stock findet man – diagonal in eine Ecke geschoben – den „Tabernacolo della Madonna della Tosse“. Durch einen Ausschnitt in einer davorgeschobenen Wandscheibe wird der Tabernakel wie ein Fernseher hinter einer Abdeckung präsentiert – eine durchaus gelungene Versinnbildlichung der Werte: einst und jetzt.
Die Stiege, die die beiden Geschosse verbindet, mutiert zu einem Art Erlebnispfad, der sowohl die beiden Tabernakel verbindet, als auch während des Beschreitens immer neue, wechselnde Perspektiven auf den Gesamtraum freigibt. Die Stiege endet im ersten Stock und beginnt auf der gegenüberliegenden Seite der Geschossebene erneut – und so kann man einen Raum im zweiten Stock erreichen, der von seiner Nutzung her, für Sonderausstellungen und pädagogische Workshops vorgesehen ist.

Elegante Zurückhaltung

Der Innenraum des Museums ist von zwei Materialien dominiert: Stahlbeton und schwarzer Marmor. Die Glätte und Kühle des Marmors wurde für die Bodenflächen und die Stiegenläufe verwendet. Die Wandflächen präsentieren sich in hell gestrichenem Sichtbeton und bilden so durch ihre fast urige Haptik einen interessanten Kontrast zur Perfektion der Fresken und Altarbilder. Die Wandflächen werden zudem für die Anbringung von Objektbeschriftungen, Erklärungen und Studien zu den ausgestellten Kunstwerken benutzt.

Reduzierte Technik

Das Raumklima wird durch eine Fußbodenheizung und eine Raumlüftung, die in den Wänden integriert ist, gewährleistet. Die Beleuchtung erfolgt durch eine raffinierte Mischung aus Naturlicht und künstlichen Lichtstrukturen. Das Gebäude strahlt – wohl weil es klein ist – etwas Häusliches aus: Es ist wie ein Atelier konzipiert, in dem Benozzo Gozzoli von seinen Studenten umgeben, immer noch arbeitet. [rp]

Fotos: Alessandro Ciampi

Bauherr: Stadtgemeinde Castelfiorentino (Florenz)
Planung: Massimo Mariani
Mitarbeiter: Elda Bellone, Roseda Gentile, Alessandro Mariani, Giovanni Lunardi
Statik: Arch. Sauro Masolini
Grundstücksfläche: 350 m²
Bebaute Fläche: 190 m²
Nutzfläche: 400 m²
Planungsbeginn: 2004
Bauzeit: 2007–2009
Fertigstellung: Jänner 2009
Baukosten: 970.000 Euro

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Kategorie: Projekte

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