Das Element des Lebens

18. September 2014 Mehr

 

Wasseraufbereitung und Kulturzentrum / Südkorea / UnSangDong Architects
Wasser bewegt sich in einem geschlossenen Kreislauf: Es verdunstet, kondensiert und fließt. Diese Allegorie benutzten die in Südkorea beheimateten Unsangdong Architects, um ein multifunktionales Gebäude mit dem sinnigen Titel ‚Water Circle‘ zu entwerfen. Die Form ist ein vollkommener Zylinder aus Beton, der dadurch auch an den Begriff des Ursprunges, der Quelle anknüpft. Auf der Eingangsseite öffnet er sich treppenförmig für den Besucher. Der Bau steht in der Provinz Gyeonggi, ungefähr eine Stunde nordöstlich von Seoul, South Korea.

Die architektonische Form steht für die umfassende Bedeutung des Wassers für jegliches Leben auf unserem Planeten. Bei einem Durchmesser von 32 Meter erreicht sie eine Höhe von 11 Meter. Das grenzenlose Fließen von Wasser und die sich damit ständig ändernden biologischen Bedingungen sollen in dieser Architektur als Prozess sichtbar gemacht werden. Auch die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein der Menschen für das kostbare Gut sollen angesprochen werden.
Die Architektur enthält eine offene Lobby, Vortrags- und Bildungsräume, eine Ausstellungshalle und weitere Bereiche auf der Erdgeschossebene. Im Untergrund befindet sich ein Abwasserreinigungssystem. Auf der Dachfläche findet man eine künstliche Topografie, die jener der Umgebung ähnelt. Das ist der Platz für Vorlesungen Performances und Konzerte.

Der Fluss zwischen Ausstellung und Reinigung
Die stufenförmigen Ausschnitte in der äußeren Rundung des Betonzylinders sind Ausdruck eines architektonischen Vokabulars, das die Durchdringung, das Ineinanderfließen von Innen- und Außenraum versinnbildlicht. Der im Inneren des Zylinders liegende, offene Bereich ist wie eine Höhle, ein Leerraum, ein sozusagen psychologischer Bereich der Vereinigung mit Natur, Landschaft und Wind.

Die Ausstellung im Inneren besteht aus zwei Arealen: Der Erste ist der Unterirdische; hier findet die reale Wasseraufbereitung statt, hier kann sich der Besucher ein Bild über die Vorgänge und die Maschinen, die dafür notwendig sind, machen und den ganzen Prozess der Reinigung erleben.
Der oberere Bereich gliedert sich in zwei Stockwerke, wie eben das Wasser von oben nach unten fließt. Man erlebt verschiedene Formate und neue Erfahrungen mit diesem Element des Lebens. Im offenen Bereich kann man Wassertropfen, so wie der Regen vom Himmel fällt, erleben. Die Besucher können auf der ersten Ebene mit Wasser in einem großen Becken spielen und Experimente machen. Oder mittels interaktiver Medien mit dem Element in Verbindung treten, das Erlebnis eines Nebels in einer Glasbox durchschreiten, eben mit ihren fünf Sinnen die verschiedenen Aggregatszustände neu entdecken.
Auf der zweiten Ebene gibt es Freiräume, Ruhebereiche, zusätzliche Ausstellungen, Informationen und eine Bibliothek.
Das Dach ist als Landschaft gestaltet und öffnet sich gegen den Himmel.

Das Interessante an der Architektur ist eigentlich, dass das Gebäude die Kläranlage der Stadt Cheongshim ist. Hier werden alle Abwässer, die durch die ‚Zivilisierung‘ und Bebauung der Natur entstehen, gereinigt.
Das Leben der Erdbewohner ist ein täglicher Kreislauf mit Wasserverbrauch. Wasser ist wertvoll und kann durch keine andere Ressource ersetzt werden. Durch die Schaffung von Städten und Zivilisation nehmen wir jedoch die Vergiftung des Wassers in Kauf. Deshalb benötigen die Menschen Reinigungsanlagen und Wiederaufbereitungsanlagen für das (Trink)Wasser.
‚Water Circle‘ ist nun eine infrastrukturelle Einrichtung, die eine normale Kläranlage und Wiederaufbereitungsanlage zu einem architektonischen Experiment einer – auch – geistigen Reinigung macht. Meistens sind Kläranlagen unliebsame, unschöne Orte ohne jeden ästhetischen Anspruch. Hier wird nun die unangenehme Notwendigkeit mit dem künstlerischen Anspruch und einem pädagogischen Aspekt verknüpft. Die rein funktionale Anlage erhält einen sozialen und zusätzlichen einen spirituellen Inhalt für die Öffentlichkeit. Sie wird zur kreativen Infrastruktur mit Aufgaben wie Erziehung, Ausstellung, Bewusstseinsbildung und Naturraum. Dieses architektonische Experiment kann und soll die Wichtigkeit des Wassers, gerade in der heutigen Zeit, verdeutlichen.

Water Story, Cheong Shim Sewage Purification Center
Gyeonggi Provinz, Südkorea
Bauherr: Cheong Shim
Planung: Yoon Gyoon Jang + Chang Hoon Shin (UnSangDong Architects)
Statik: The Kujo
Grundstücksfläche: 3.220 m2
Bebaute Fläche: 671 m2
Nutzfläche: 2.608 m2
Planungsbeginn: 01/2012
Bauzeit: 4 Monate
Fertigstellung: 02/2013

Der ‚Water Circle‘ erzeugt eine Architektur des ‚Cycle of Life‘. UnSangDong Architects definieren mit diesem Bau die Beziehung und Verbindung zwischen Mensch, Natur und Wasser neu. Sie entwarfen einen experimentellen Raum, in dem die Besucher ihre fünf Sinne im Zusammenhang mit dem Element Wasser neu erproben, wahrnehmen und sozialisieren können.

Text: Peter Reischer
Fotos: Sergio Pirrone

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Kategorie: Projekte

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