Das nehm´ ich mit…

11. Februar 2020 Mehr

Das Duschgel, den Kugelschreiber, ein Handtuch – manche Gäste nehmen gerne das eine oder andere „Souvenir“ aus ihrem Hotelzimmer mit. Viele Häuser beugen der nicht ganz legalen Versuchung ihrer Gäste vor und bieten Erinnerungsstücke, Deko-Elemente und Spa-Artikel im Branding des Hauses im hauseigenen Hotelshop zum Verkauf an.

 

Keine schlechte Geschäftsidee, die sich doch eigentlich auch auf die komplette Hoteleinrichtung übertragen ließe. Das Designhotel Laurichhof in Pirna nahe Dresden geht deshalb einen Schritt weiter und liefert die gesamte Einrichtung der außergewöhnlichen Zimmer, von der Fliese bis zum Stuhl durchgängig Designerstücke, auf Wunsch europaweit bis nach Hause.

 

Nach fünf Jahren intensiver Vorbereitung, 18 Monaten Bauzeit und einer Investition von rund fünf Millionen Euro eröffnete die Architektenfamilie Annette Katrin Seidel, Uwe Seidel und Sohn Franz Philip Seidel mit dem Laurichhof, der bereits seit 120 Jahren in Familienbesitz ist, Deutschlands erstes Showroom-Hotel. Hier, nahe der Sächsischen Schweiz, verwirklichten sie ihr ungewöhnliches Konzept kompletter „Take away rooms“. Im Laurichhof können Gäste – wie in einem konventionellen Beherbergungsbetrieb auch – den kompletten Hotel-Service inklusive Kulinarik im Gourmet-Restaurant Lazy Laurich genießen und dann einzelne Möbel oder auch komplette Räume für die eigenen vier Wände bestellen. Interieur Designer, die bei der Planung und der Optimierung des funktionalen und emotionalen Nutzens eines Raumes oder der kompletten Wohnwelt beratend beiseite stehen, komplettieren das Hotelkonzept.

Die 27 vollkommen unterschiedlich gestylten Suiten bieten dazu außergewöhnliche und jeweils bis ins Detail durchkomponierte Wohnwelten. Zur einfacheren Orientierung sind diese wieder drei übergeordneten Design-Kategorien zugeordnet: Die Stil-Palette reicht von Klassik über Romantik bis zur Moderne. Durch bewusste Überspitzungen, starke Kontraste und harmonisches Zusammenspiel einzelner Elemente erfahren die Besucher einen Ausbruch aus dem oftmals standardisierten Alltag.

 

 

„Romantik“ – das sind Blumentapeten, ein Varieté der Farben, verspielter Stuck und glanzvolle Bäder. Ein Beispiel dafür ist etwa das „Casa Novum“ mit verspielten Tapeten in Herzrot und Black Velvet, dazu kühler Edelstahl, warmes Holz, eine Decke vor dem Kamin und die Badewanne gleich neben dem Bett. Im „Smukkstykk“ wird skandinavisches Sommerhaus-Feeling mit schlichten Möbeln, natürlichen Farben und hellen Räumen vermittelt. Und natürlich darf auch Holz nicht fehlen. „Marrakesch“ entführt in ein exklusives Ambiente frei nach Tausendundeiner Nacht. Und „Fantasia“ präsentiert sich als sinnliche Komposition aus Schwarz, Weiß und Rot, in der nichts so ist, wie es scheint.

„Klassik“ definiert sich als wertebewusst, klar akzentuiert und komfortabel wie ein Gentlemen’s Club, mit einem leichten Hang zum Luxus. Marmor, Stuck, poliertes Holz und ein Gefühl der Living Fifties vermittelt etwa „Charles Brown“. Viel Stuck, Spiegel­glas und Marmor dominieren die nahezu komplett weiße Zwei-Raum-Suite „White­out“. Und der Farbe Lila in all ihren Facetten bietet die Suite „Blueberry Fields“ Raum zur vollen Entfaltung.

Noch flippiger, farbenfroh, aufregend, lebendig wird es in der Kategorie „Modern“. Gegensätze wie Vintage-Möbel und exzentrische Lüster, Beton und Holz, Leder und Latex, Glamour und Folklore wirken gemeinsam chaotisch durchdacht. Zu dieser Kategorie zählt etwa auch die Ein-Raum-Suite „Evergrins“, in der sich Mandala-Teppich und Metallkaktus unter der gemeinsamen Farb-Klammer Grün vereinen. Schwarz-Weiß, quadratisch und gerne auch kreisrund wird es in der Zwei-Raum-Suite „Schachmatt“. Und ein ganzes Dickicht voller Ur-Laub bietet die Zwei-Mann-Suite „Mogli“ mit Palmentapeten, Flamingokissen, Hängesesseln und einem Bad im extravaganten Holzlook. Besonders respektlos, schrill und markig wird es dann noch einmal in der „Pop Art“-Suite mit frechen Accessoires und poppigen Farben – ein Stilstatement der ganz besonderen Art.

 

 

 

Hinter all den bereits realisierten Einrichtungsideen und noch „mehr, als ich mir merken kann“, so Lilly Stein, ihres Zeichens „Fachkraft für alles“, Illustratorin und Autorin des Hotel-Blogs, steht das Designerduo Anette Katrin Seidel und Sohn Franz Philip Seidel von Seidel+Architekten. Die Einrichtung – inklusive Tapeten und Boden – ist ein Potpourri angesagter Marken. Welche das sind, erfahren Gäste über einen Strichcode, der direkt am jeweiligen Produkt eingelesen werden kann und dann auch gleich auf den Online-Shop des Hotels weiterleitet.

www.laurichhof.de

 

Fotos: Franz Philip Seidel
Text: Heidrun Schwinger

 

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Kategorie: Projekte

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