Die Postmoderne als Denkmal
BWM Designers & Architects revitalisieren ein Stück Wiener Architekturgeschichte – und zeigen, dass auch die Postmoderne inzwischen zum kulturellen Erbe gehört. Von der k. & k. Stallanlage hin zum Autograph-Hotel entwickelt sich in der Imperial Riding School in Wien ein Ort, an dem drei Jahrhunderte Architekturgeschichte aufeinandertreffen. Dabei ist es gelungen, die denkmalgeschützten Fassaden und postmodernen Innenräume sensibel zu erneuern – und zugleich den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart neu zu inszenieren.
Wo einst die Stallungen der kaiserlich-königlichen Militärreitschule standen, zieht heute ein internationales Publikum ein – in ein Hotel, das Geschichte, Stil und Zeitgeist in sich vereint. Die Imperial Riding School, Österreichs erstes Haus der Autograph Collection, markiert nicht nur eine neue Adresse der gehobenen Hotellerie, sondern auch ein spannendes Kapitel im architektonischen Diskurs: jenes der Postmoderne als schützenswertes Erbe.
Das von BWM Designers & Architects behutsam revitalisierte Ensemble vereint gleich drei Epochen unter einem Dach – den laut BWM Tudorstil des ursprünglichen Stallgebäudes (1850), die postmoderne Erweiterung der 1990er Jahre sowie zeitgenössische Eingriffe, die Form, Material und Farbigkeit subtil in Balance bringen. „Das Spannende für uns als Architekten war es, einen Umgang mit den in denkmalpflegerischer Hinsicht so unterschiedlichen Epochen zu finden“, beschreibt Markus Kaplan von BWM die Herausforderung.
Architekturgeschichte in Schichten
Im Zuge der umfassenden Sanierung wurden alle Oberflächen neu gefasst, Fenster restauriert oder ersetzt und die farbliche Abstimmung in enger Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt entwickelt. Das charakteristische Quadratmotiv der Postmoderne, das die Proportionen der Fassade prägt, blieb erhalten; die Pfosten-Riegel-Fassade wurde gereinigt und in differenzierten Farbnuancen neu akzentuiert.
Besonders sichtbar wird die Haltung von BWM im Inneren: Hier trifft die restaurierte Säulenhalle mit freigelegten Natursteinsäulen auf eine Neuinszenierung, die Offenheit und Materialehrlichkeit betont. „Das Freistellen einiger Säulen verstärkte den Eindruck der ursprünglichen Gewölbekonstruktion, der Umbau stellte eine Annäherung an den früheren Zustand des Gebäudes dar“, erklärt Gerhard Girsch, Projektverantwortlicher bei BWM. Der denkmalgeschützte Lift mit Glasfacettierung – ein „Prachtexemplar postmoderner Baukunst“ – wurde detailgenau saniert und bildet nun das glänzende Herzstück der Lobby. Ebenso blieben Freitreppe, Leuchten und Steinmetzdetails als Ensemble erhalten – feinsinnig überarbeitet, aber in ihrer gestalterischen Eigenheit respektiert.
Zwischen Ironie und Ikone
Dass die Postmoderne heute unter Denkmalschutz steht, markiert einen bemerkenswerten Wandel im architektonischen Bewusstsein. Was einst als verspielt, provokant oder ironisch galt, wird inzwischen als Ausdruck einer ganzen Epoche verstanden – als gebaute Haltung zwischen Historismus und Avantgarde. In Wien zeigt sich diese Neubewertung exemplarisch an Bauten wie dem Bundesamtsgebäude Radetzkystraße, dem sogenannten Oktoneum (1985/86, seit 2024 denkmalgeschützt), oder dem Haas-Haus von Hans Hollein (1990) – Ikonen einer Zeit, die nun selbst Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden ist.
Vom Zwischenraum zum Stadtraum
Auch der Freiraum wurde neu gedacht. Die Landschaftsplaner Lindle Bukor verwandelten die Verbindung zwischen Ungargasse und Bahngasse in einen kleinen urbanen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität – als grüne Geste im dichten Gefüge des 3. Bezirks. So erzählt die neue Imperial Riding School nicht nur von Luxus und Hospitality, sondern von Transformation und kultureller Neubewertung. Ein Ort, an dem Architekturgeschichte weitergeschrieben wird – mit postmoderner Finesse und zeitgenössischem Feingefühl.
Text: Linda Pezzei
Fotos: Cathrine Stukhard
Kategorie: Projekte









