Ein Garten, der verbindet
Im Herzen des Stadtteils Bankview in Calgary, Kanada, setzt ein innovatives Wohnprojekt neue Maßstäbe für die Zukunft urbaner Lebensräume. GROW, entworfen vom Architekturbüro Modern Office of Design + Architecture (MODA), ist mehr als nur ein Mehrfamilienhaus – es ist ein sozial-ökologisches Modell, das gemeinschaftliches Wohnen und urbane Landwirtschaft zu einem zukunftsfähigen Ganzen verwebt.
GROW umfasst 20 Wohneinheiten in variierenden Größen: von kompakten Studios mit etwa 42 m², über mittelgroße Wohnungen mit rund 56 m², bis hin zu zweigeschossigen Lofts und familienfreundlichen Maisonettewohnungen mit bis zu 93 m² Wohnfläche. Diese Mischung schafft Wohnraum für verschiedene Lebensrealitäten – für Studierende, Berufstätige, junge Familien oder Senior:innen – und fördert soziale Durchmischung durch räumliche Nähe. Zentraler Bestandteil des Konzepts ist ein barrierefreier Dachgarten mit rund 2.400 m² Fläche, der als gemeinschaftlich nutzbare urbane Farm angelegt ist. Er bietet Raum für private Hochbeete, Bienenstöcke, Grünflächen und Gemüseanbau – ein in dieser Größenordnung bislang einzigartiges Angebot im innerstädtischen Calgary.
Anstelle der typischen Anonymität städtischer Wohnkomplexe fördert GROW durch gärtnerische Tätigkeiten gezielt soziale Interaktion. Bewohner:innen können sich aktiv am gesamten Zyklus des Urban Farming beteiligen: von der Frühjahrsbepflanzung über tägliche Pflege bis hin zur Ernte und dem Verkauf wöchentlicher Gemüse- und Kräuterkörbe. Diese geteilte Verantwortung erzeugt ein Gefühl von Zusammenhalt und stärkt das soziale Gefüge innerhalb der Hausgemeinschaft.
Das Projekt erfüllt nicht nur die formalen Anforderungen an Freiraum und Begrünung, sondern denkt sie weiter – funktional, ökologisch und sozial. Die extensive Dachlandschaft übernimmt Aufgaben der Regenwasserrückhaltung und Klimaregulierung, während ein durchdachtes Energie- und Hüllenkonzept den ökologischen Fußabdruck minimieren.
GROW positioniert sich bewusst gegen die vorherrschenden Tendenzen auf Calgarys Wohnungsmarkt, der stark von spekulativem, renditeorientiertem Bauen geprägt ist. Stattdessen versteht es sich als Beitrag zu einer gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung, in der die Schaffung von sozialem Kapital gleichrangig neben wirtschaftlicher Tragfähigkeit steht. Wenn urbane Räume so gestaltet werden, dass sie Austausch, Teilhabe und Versorgung im Alltag ermöglichen, entstehen lebenswerte Quartiere mit langfristiger Perspektive.
Fotos: Ema Peter
Kategorie: Projekte












