Ein Quartier für die Zukunft

19. Januar 2026 Mehr

Mit der Erweiterung des Campus Krems hat Baumschlager Eberle ­Architekten ein Ensemble geschaffen, das die Entwicklung des Wissenschaftsstandorts auf städtebaulicher, architektonischer und technologischer Ebene weiterdenkt. Drei Bildungseinrichtungen – die Karl-Landsteiner-Universität, die Universität für Weiterbildung Krems sowie die IMC Fachhochschule – erhalten damit einen gemeinsamen räumlichen Rahmen, der den heterogenen Anforderungen moderner Forschung und Lehre gerecht wird.

 

 

Die Antwort der Architekten auf das komplexe Raumprogramm ist eine klare städtebauliche Setzung. Vier kompakte Baukörper ergänzen das bestehende Campusgefüge, wobei drei davon auf einem gemeinsamen Sockelgeschoss ruhen. Dieser Sockel fungiert als funktionales Rückgrat: Er bündelt halböffentliche Nutzungen wie Campus Hall, Seminarräume und das Learning Center. Darüber entfaltet sich eine Sequenz aus Wegen, Plätzen und Terrassen, die das Motiv der „Stadt in der Stadt“ aufgreifen. Die Setzung der Volumina generiert spannungsvolle Zwischenräume und Durchwegungen, die dennoch eine intuitive Orientierung ermöglichen, während südlich vorgelagerte Freibereiche die Aufenthaltsqualität in den Außenraum erweitern.

 

 

Zwischen Klarheit und Reduktion

Die Erweiterung ist geprägt von einer Architektur, die sich bewusst auf elementare Mittel stützt. Plastizität, Geometrie, Licht und Materialität bestimmen das Erscheinungsbild. Die Fassaden werden von drei hochrechteckigen Fensterformaten rhythmisiert, die den Gebäuden eine ruhige, klare Ordnung verleihen. Aluminiumtafeln in verschiedenen Formaten und Farbstellungen modulieren die Tiefe der Hülle, wobei das wechselnde Spiel von Licht und Schatten subtile Variationen erzeugt. So entsteht trotz reduzierter Mittel ein vielschichtiges Fassadenbild mit einer zurückhaltenden, zeitlosen Wirkung.

 

 

Funktionale und atmosphärische Landschaft

Im Inneren setzt sich die Klarheit der Hülle fort, wird jedoch durch warme Materialitäten atmosphärisch aufgeladen. Das Foyer im Erdgeschoss empfängt mit hellen Holzlamellenwänden, die als akustisch wirksame Raumteiler fungieren. Die Obergeschosse sind als kommunikative Landschaften konzipiert: Gangzonen weiten sich zu Begegnungsorten, Blickbeziehungen zum Außenraum und hell gestaltete Nischen fördern sowohl den akademischen Diskurs als auch konzentriertes Arbeiten. Dank nutzungsneutraler Grundrissstrukturen bleibt das Gebäude langfristig anpassungsfähig – eine Resilienz gegenüber sich wandelnden Lehrkonzepten.

 

 

Konstruktive Logik & nachhaltige Strategie

Die nachhaltige Ausrichtung des Projekts beruht auf dem abgestimmten Zusammenspiel von Städtebau, Architektur und Haustechnik. Die kompakte Gebäudestruktur reduziert den Energiebedarf bereits auf städtebaulicher Ebene, während die architektonische Klarheit auf Langlebigkeit und einen ressourcenschonenden Betrieb abzielt. Ergänzend sorgt eine hochwertige technische Ausstattung für Effizienz im laufenden Gebäudebetrieb.

Die Energieversorgung erfolgt über Wärmepumpen, unterstützt von Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Die energetischen Kennwerte – ein Heizwärmebedarf von 25,51 kWh/m²a und ein Primär­energiebedarf von 83,2 kWh/m²a – bestätigen die Leistungsfähigkeit des Konzepts und trugen wesentlich zur Auszeichnung mit dem klimaaktiv-Gold-Label bei, das in diesem Fall die Maximalbewertung von 1.000 Punkten erreichte.

Auch konstruktiv folgt das Projekt einer Philosophie der Reduktion und Dauerhaftigkeit. Robuste Materialien, klare Detailausbildung und nutzungsneutrale Grundrisse ermöglichen langfristige Anpassungen und minimieren den Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Die plastische Fassadenstruktur kommt ohne technisch anfällige Elemente aus und unterstützt so den nachhaltigen Anspruch des Ensembles.

 

 

Fazit

Die Erweiterung des Campus Krems zeigt, wie ein Bildungsquartier durch räumliche Präzision, architektonische Klarheit und eine durchdachte Nachhaltigkeitsstrategie an Stärke gewinnt. Baumschlager Eberle Architekten gelingt es, eine Balance zwischen Funktionalität und Atmosphäre, zwischen Reduktion und Ausdruck herzustellen. Das Ergebnis ist ein Ensemble, das nicht nur den Wissenschaftsstandort Krems stärkt, sondern zugleich als Beispiel für langlebige, ressourcenschonende Architektur dient.

 

 

Text: Andreas Laser
Fotos: Maximilian Haidacher

 

Kategorie: Projekte