Gegen das Vergessen
Mitten in Lyon, unweit des Bahnhofs Perrache – Ausgangspunkt zahlreicher Deportationszüge während der NS-Zeit wurde im Frühjahr das Shoah-Mahnmal „The Rails of Memory“ eröffnet. Das von Quentin Blaising und Alicia Borchardt entworfene Projekt ist das Ergebnis von zwanzig Jahren Engagement der „Association pour l’édification d’un Mémorial de la Shoah à Lyon“, unterstützt von ehemaligen Deportierten und Überlebenden von Auschwitz.
Hervorgegangen aus einem internationalen Wettbewerb mit 96 Beiträgen aus 25 Ländern, überzeugt das Bauwerk durch seine radikale Symbolik: 1.173 Meter ineinander verschlungene Stahlgleise verweisen auf die 1.173 Kilometer, die Lyon von Auschwitz-Birkenau trennen. Schienen, Schwellen und Schotter – die Materialien der Deportationen – bilden eine architektonische Sprache von großer Eindringlichkeit.
Doch das Mahnmal ist mehr als eine Gedenkstätte für die sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden, darunter 6.100 Opfer aus der Region Rhône-Alpes. Es ist auch ein Ort der Vermittlung: Sitzbänke mit QR-Codes eröffnen Besucher:innen digitale Zugänge zu historischen Informationen und zur Geschichte der Initiative.
The Rails of Memory verbindet Vergangenheit und Zukunft, Trauer und Verantwortung. Als architektonisches Manifest der Erinnerung lässt es Geschichte erfahrbar werden und bewahrt die Stille der Schienen als mahnende Stimme gegen das Vergessen.
Kategorie: Projekte











