Grünes Wohnen in luftigen Höhen

14. Mai 2020 Mehr

Zwischen Zürich und Luzern, in der Schweizer Gemeinde Risch Rotkreuz bei Zug, entwickelt sich ein ehemaliges Industrieareal sukzessive zum klimaneutralen, bunt gemischten Neubauviertel mit dem Namen Suurstoffi. Dessen jüngsten Zuwachs bildet das Gartenhochhaus Aglaya – ein grüner Wohnturm von Ramser Schmid Architekten, der zwischen den vielfältigen Bauten zum Hingucker des Quartiers wird.

 

Gartenhochhaus Aglaya Rotkreuz Schweiz

 

Der Name „Suurstoffi“ ist alles andere als aus der Luft gegriffen. Er nimmt Bezug auf die ehemalige, industrielle Nutzung des neuen Viertels in der Schweizer Gemeinde am Zugersee. Wo einst in Werken Sauerstoff und Gasgemische abgefüllt und produziert wurden, gibt es heute direkt am Rotkreuzer Bahnhof modernen Wohn-, Arbeits- und Naherholungsraum. Als Leuchtturmprojekt ergänzt nun seit kurzem das Wohnhochhaus Aglaya das attraktive Angebot. Die Architekten entwarfen den Neubau als grünen Turm, der im Zentrum des autofreien, CO2-neutralen Quartiers in die Höhe wächst und Platz für rund 85 Wohneinheiten in verschiedenen Größen bietet.

Das Gartenhochhaus wird von einem Mix aus Bildungs-, Gewerbe- und kleinmaßstäblichen Wohnbauten in westlicher Richtung umgeben. Um behutsam auf die angrenzende Bebauung zu reagieren entwarfen die Architekten Aglaya als geschwungenes Gebäude, das sich mit seiner grünen Bepflanzung behutsam in die liebevoll gestalteten Außenräume einfügt. Der Baukörper erinnert in seiner Form an einen Pilz. Aus einem schmalen, stammartigen Sockel wachsen zwei Türme. Diese entwickeln sich unterschiedlich weit in die Höhe und verleihen dem Wohnhochhaus mit abgerundeten Ecken sein charakteristisches Aussehen. Der höhere der beiden Stränge endet bei 70 m, der kleinere misst rund 55 m
und schließt mit einer begrünten Terrasse und Gemeinschaftsflächen ab, die von den Bewohnern kollektiv genutzt werden können.

 

 

Während der Sockelbereich des Wohnhochhauses glatt und schlicht gehalten ist, prägt die Ansichten darüber eine fast verspielte Stahlbetonkonstruktion. Die Geschossplatten betonen die einzelnen Niveaus. Balkone, Loggien und Wintergärten sind rundum versetzt angeordnet. Sie springen dynamisch vor und zurück und verleihen dem Baukörper mit ihren abgerundeten Ecken eine gewisse Leichtigkeit. Die Absturzsicherungen dienen als Sichtschutz vor ungewünschten Einblicken von unten und fungieren zudem als Pflanztröge für die vertikalen Gärten. Diese legen sich als Vegetationsschicht vor die Fassaden und werden zum namensgebenden Highlight des Gartenhochhauses. In Rücksicht auf verschiedene Faktoren wurde die Bepflanzung von den Planern arrangiert und variiert nun je nach Ausrichtung, Sonnen-, Wind- und Regenexposition zwischen Sträuchern, Stauden und kleinen Bäumen.

Ein vertikales Rohrsystem komplettiert das Erscheinungsbild von Aglaya. Mit seiner goldenen Färbung zieht es sich durch alle Wohngeschosse und übernimmt die Bewässerung der üppigen Vegetation. Das System wird von einer unterirdischen Zisterne gespeist, die das Regenwasser sammelt. Auch sonst fallen für die Bewohner des Hochhauses keine Instandhaltungsarbeiten für die Pflanzen an. Dies übernimmt ein eigener Gärtnerservice, der sich vom Dach abseilt.

 

 

Im Inneren des Gartenhochhauses schließen sich die beiden Wohntürme zu einem geschwungenen Grundriss mit 22.300 m2 Geschossfläche und gemeinsamem Erschließungskern zusammen. Der Sockelbereich umfasst Gewerbeflächen und Gebäudeadministration. Auf drei Stockwerken sind hier Gastronomie, Läden, Büros, Fahrradparkplatz und Foyer untergebracht, gefolgt von einem technischen Zwischengeschoss. Die darüber liegenden Etagen widmen sich ausschließlich dem Wohnen und werden, durch das Anheben auf 18 m, möglichst wenig von den angrenzenden Bauten verschattet.

Die einzelnen Geschosse teilen sich in 85 verschieden große Parteien auf. Mit 1,5 bis 5,5 Zimmern pro Einheit ergibt sich ein gemischtes Programm mit kleinen Apartments bis hin zu Penthouse-Wohnungen. So wird Aglaya zum dynamischen Zuhause für Studierende, Pärchen oder Familien. Die Anordnung der einzelnen Räume konnte von den Eigentümern dank flexibler, nicht tragender Zwischenwände mitbestimmt werden. Den einzigen Fixpunkt bildet die zentrale Küche. So werden Installationen und Schächte bestmöglich gebündelt. Rundherum ergeben sich pro Geschoss bis zu sechs Apartments mit verschiedenen Ausbauvarianten, die wahlweise offen oder kleinteiliger gestaltet sind.

 

 

Die Wohnungen in dem dualen Turm leben vom Bezug nach draußen. Sie verfügen alle über einen privaten Außenraum, der je nach Jahreszeit unterschiedlich dicht und hoch bewachsen ist. Bis auf vereinzelte immergrüne Sträucher lassen feingliedrige Pflanzen und karge Äste im Winter mehr Licht und Wärme nach innen. Im Sommer hingegen sorgen Blätter, Blüten und Ranken für Verschattung und ein angenehmes Raumklima, ohne den Ausblick zu stören. Wintergärten mit raumhohen Faltschiebeverglasungen erweitern in den warmen Monaten den Wohnraum und bieten einen witterungsgeschützten Freiraum. Ergänzt werden sie von Loggien, die unregelmäßig positioniert und bis zu 5,7 m hoch sind.

Das Gartenhochhaus knüpft an die zentralen Punkte der Suurstoffi an und bereichert das urbane Quartier mit einem breiten Angebot an unterschiedlichen Wohnungen. Seine Gestaltung zieht nicht nur sämtliche Blicke auf sich und macht Aglaya zum gewünschten Landmark, sondern verleiht dem Neubau außerdem den Titel „höchster grüner Bau der Schweiz“. Schon bald wird der noch relativ kahle Neubau wohl mehr an einen Baum mit dichter Blattkrone, als an einen Pilz erinnern und sich mit seinen bewachsenen Fassaden perfekt in das klimaneutrale Viertel in Rotkreuz einfügen.

 

 

 

Gartenhochhaus Aglaya
Rotkreuz, Schweiz

Bauherr: Zug Estates
Planung: Ramser Schmid Architekten
Mitarbeiter: Thomas Rujbr (Projektleiter), Laura Silva (Co-Projektleiterin), Evelyne Jost, Vedran Brasnic, Federico Tria, Katarina Sinsel, Kinga Rusin, Nico Jenni, Stefan Bucher, Lucas Degen, Clara Villamor, Gazmir Shala, Lena Haechler, Remina Cotlet, Juan Alcala, Rushan Sejdini, Jakob Uhlenhopp, Dylan Kreuzer, Sevde Ertas
Statik: Dr. Lüchinger+Meyer Bauingenieure

Gebäudevolumen: 75.300 m3
Geschossfläche: 22.300 m2 
Planungsbeginn: 2015
Bauzeit: 2017-2019
Fertigstellung: Nov. 2019
Baukosten: ca. 90 Mio. CHF inkl. MwSt. – ca. 85 Mio. Euro

 

Text: Edina Obermoser
Fotos: Roger Frei

 

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Kategorie: Projekte

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