H2Office – Cibinel Architects Ltd.

14. April 2011 Mehr

H2Office - Cibinel Architects Ltd.

Es hat fast den Anschein, als ob Kinder beim Spielen einen Bauklotz über eine Wasserlacke gelegt hätten. Jedoch stimmen die Größenverhältnisse nicht: Der Kubus ist über 100 Meter lang, 36,5 Meter breit und liegt auf 80 Stahlpfeilern, die ihn über der spiegelnden Wasseroberfläche in der Schwebe halten.

Dieser aus reflektierendem Glas und Metall bestehende Kubus ist das sogenannte H2Office, ein neues Bürogebäude am Campus der Universität von Manitoba in Kanada. Es gehört zum „Smartpark Research and Technology Park“ und wurde von Cibinel Architects Ltd. errichtet. Die Idee entstand aus der Anforderung, ein High-Tec-Gebäude zu entwerfen, das auch eine Zeichenhaftigkeit besitzt. Der Entwurf entstand auch aus der Notwendigkeit, Baufläche am Gelände zu sparen und die Oberfläche des bis zu 5 Meter tiefen Wasserrückhaltebeckens für Bauzwecke zu benutzen. So planten die Cibinel Architects in einem „Integrated Design Process“ (IDP) zusammen mit Spezialisten aus der Bauindustrie eine Lösung, die einerseits einen minimalen Grundstücksverbrauch ermöglichte und andererseits eine optisch einzigartige architektonische Lösung darstellte: eine Brücke als Bürogebäude.

Schwierige Bauarbeiten

Das IDP-Team entwickelte den Plan, das Rückhaltebecken auszupumpen, trockenzulegen bevor im Winter alles zufrieren würde, dann die Pilotierungsarbeiten vorzunehmen und im Frühjahr auf der so errichteten Plattform – die auf den beiden Uferböschungen aufliegt – in einer eher konventionellen Konstruktionsweise den Bürokomplex zu errichten.
Dazu mussten jedoch in den trockengelegten See rund 80 Lkw-Fuhren große Steine eingebracht werden, um so die notwendige Untergrundfestigkeit für die schweren Maschinen zu schaffen, die die Piloten bis zu 20 Meter ins Erdreich rammten. Während der Pilotierung begann man bereits mit der Konstruktion der Plattform von beiden Seiten des Beckens aus, bis schließlich – in einem gewonnenen Wettlauf gegen das Frühjahrstauwetter – die Konstruktionsebene von einem Ufer zum anderen fertig war. Nun wurden mit großen Kränen die einzelnen Teile des Bürotraktes auf die Plattform gehoben und zusammengesetzt.

Spiegelnder Kubus

Von außen präsentiert sich die Architektur glatt und schimmernd. Reflektierende Verglasungen und spiegelnde Metallplatten lassen das Volumen des Bauwerkes fast völlig verschwinden: Es löst sich auf, verschmilzt mit dem Wasser und der Natur zu einer Einheit.
Die aus dem Brückenkonzept resultierende Innenarchitektur präsentiert klare, flexible Räume für diverse Büronutzungen. Große Raumhöhen mit sichtbaren Stahlkonstruktionen, die denselben metallischen Farbton wie die Außenfassaden haben, und warme und natürliche Farbtöne bei der Einrichtung ergänzen dieses Konzept. Die offene Büroatmosphäre erleichtert die Zusammenarbeit und Mobilität, Meeting-Points schaffen die Voraussetzung für Interaktionen unter den Mitarbeitern, und eine Außenterrasse mit Anbindung an einen Rundweg um das Wasserbecken bietet die Möglichkeit, Pausen an der frischen Luft zu verbringen.

Ökologischer Footprint

Die Nachhaltigkeitsaspekte des Gebäudes beinhalten eine Verglasung, die einen hohen Reflexionsgrad und einen sehr niedrigen Wärmedurchgangskoeffizienten aufweist. Die Belichtung des Ost-West ausgerichteten Baukörpers erfolgt durch Tageslicht und effiziente indirekte Beleuchtung. Die Be- und Entlüftung, Heizung und Kühlung erfolgt unter dem Fußboden, deshalb wurde die gesamte Plattform mit einer isolierten Untersicht verkleidet. Es kann die Raumtemperatur von Arbeitsgruppe zu Arbeitsgruppe verschieden geregelt werden, und die Umluft wird ständig durch Filtersysteme gereinigt. Der Hohlraum der Fußbodenkonstruktion wurde auch für die gesamte Verkabelung und Verrohrung verwendet, das garantiert eine leichte Zugänglichkeit und auch Flexibilität, um auf allfällige Änderungen des Raumkonzeptes reagieren zu können.
Ebenso wurde eine Regenwassernutzung in der Gebäudestruktur vorgesehen, um den Verbrauch der natürlichen Ressourcen zu minimieren. Da der Bau über einem Wasserrückhaltebecken errichtet wurde, entfällt natürlich die gesamte Regenwasserverrohrung.
Durch das wohlüberlegte Design und die eindeutige Form bietet das H2Office eine hervorragende Büroumgebung für seine Benutzer und ist auch ein klares „technologisches“ Zeichen für den „Smartpark Research and Technology Park“.

H2Office

Manitoba, Kanada

Bauherr: Smartpark Development Corporation
Planung: Cibinel Architects Ltd.
Mitarbeiter: Concord Projects Ltd.
Statik: Grundstücksfläche: 24.650 ft²
Planungsbeginn: September 2008
Bauzeit: 12 Monate
Fertigstellung: Jänner 2010
Baukosten: 8,9 Mio CAD

Ein cleverer Gedanke, um Bauplatz zu sparen: das Bürogebäude als Brücke über einem Wasserrückhaltebecken. Von außen löst es sich durch die schimmernde Oberfläche aus Glas und Metallplatten fast völlig in der Umgebung auf. Innen schafft das Prinzip des „offenen Raumes“ soziale und auch optisch ansprechende Büroräume, die sich je nach Bedarf ändern können. Eine außergewöhnliche und zeichenhafte Lösung – das H2Office.

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Kategorie: Projekte

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