Halle mit Herz
Im 20. Wiener Gemeindebezirk, unweit des Nord-Westbahnhofsareals, realisierte cy architecture in einem ehemaligen Lagergebäude samt zugehöriger Garage eine neue Boulderhalle: das flash. Ausgangspunkt des Projekts war ein Bestand, der nicht geglättet oder überformt, sondern bewusst weitergeschrieben werden sollte. Das zentrale Anliegen der Planung lag darin, ressourcenschonendes, nachhaltiges Bauen mit klarer Funktionalität und einem präzisen Gestaltungskonzept zu verbinden.
Der Bestand bleibt nach der Fertigstellung in allen Bereichen spürbar – als Oberfläche, Struktur und Atmosphäre. Wo kein zwingender Eingriff erforderlich war, wurden Garage und Lager im vorgefundenen Zustand belassen. „Das ungedämmte Bestandsgebäude erweist sich, auch ohne eine vollumfassende Sanierung, als erstaunlich gut geeignet. Eine solche wäre extrem aufwändig und käme in ihrer Tragweite einem Neubau gleich. Schwierig war vielmehr, überhaupt einen Bestand zu finden, der die passenden Dimensionen hat und gleichzeitig widmungsrechtlich so geeignet ist, dass Baurecht und OIB-Richtlinien keine Komplettsanierung verlangen“, fasst Architekt Christoph Köhler zusammen.
Auch energetisch wurde der Bestand konsequent aktualisiert: Die alte Ölheizung wurde verfüllt und durch eine Heiz- und Kühlanlage auf Wärmepumpenbasis ersetzt. Ebenso arbeitet die Lüftungsanlage mit Wärmepumpe. Eine Photovoltaikanlage ist bereits eingeplant und wird in einem nächsten Schritt nachgerüstet. Damit wird der Betrieb langfristig auf eine zeitgemäße, effiziente und zukunftsfähige Basis gestellt.
Klar gegliedert
Die räumliche Organisation folgt einer klaren Strukturierung, die Orientierung im Gebäude erleichtert und gleichzeitig eine angenehme, offene Atmosphäre erzeugt. Die Gestaltung setzt auf eine einfache, funktionelle Formensprache: Helles Holz und eine Farbwelt aus Rot- und Grüntönen ziehen sich als wiederkehrendes Motiv durch alle Zonen und schaffen Zusammenhalt zwischen Sportbereich, Nebenräumen und Gastronomie.
Ein wesentliches Element der Organisation ist die thermisch und akustisch wirksame Glastrennung zwischen dem Garderobentrakt mit Bar und der Boulderhalle. Sie schafft nicht nur klimatisch angenehme Bedingungen, sondern reduziert auch Staub- und Magnesiumpartikel im Bistrobereich. Gleichzeitig ermöglicht sie zwei getrennte Beschallungszonen.
Sozialer Ankerpunkt
Der Empfangsbereich mit Bar bildet das Herzstück des Bistros und ist als erstes Element beim Betreten der Halle präsent. Er fungiert als gemeinsame Anlaufstelle – unabhängig davon, ob es um Anmeldung, Snack oder Getränk geht. In Materialität und Farbgebung nimmt das Möbelstück das Gesamtkonzept der Halle auf und verbindet dabei räumliche Prägnanz mit Alltagstauglichkeit.
Ergänzt wird dies durch ein bewusst ressourcenschonendes Mobiliar: Tische und Stühle stammen größtenteils aus zweiter Hand und wurden gemeinsam mit den Auftraggeber*innen ausgewählt. Auch der Gastgarten ist bereits begrünt und möbliert und erweitert das Nutzungsspektrum der Halle nach außen. Der Gastbereich in der ehemaligen Garage, wird regelmäßig auch kulturell genutzt: Mit kostenlosen „Wohnzimmerkonzerten“ hat sich der Raum als überraschend geeignet für Musik erwiesen, auch wenn in Puncto Gesprächsakustik noch etwas Verbesserungsbedarf besteht. Hier sollen, nach Wunsch der Architekt:innen, in Zukunft dämpfende Vorhänge oder Deckenpaneele Abhilfe schaffen.
Rohheit als Gestaltungsmittel
Eine emissions- und lösungsmittelfreie, PU-verstärkte Einkomponenten-Acrylbeschichtung macht den Boden robust, ohne den Bestand zu überdecken: Wo erforderlich, wurden die Betonflächen nur angeschliffen, grundiert und dünnschichtig beschichtet – Spuren und Strukturen bleiben sichtbar. Technische Installationen wie Lüftung, Kühlung, Elektrik und Beleuchtung sind – als pragmatische Konsequenz einer ressourcenschonenden Planung – offen geführt.
Die Massivholzelemente der Galerie bleiben überwiegend unverkleidet; darunter sind die Nebenräume kompakt zusammengefasst. Roh belassene Bestandselemente und robuste Oberflächen bilden die Grundlage, präzise Farbakzente strukturieren den Bereich. Fliesen und Glasrahmen führen das Farbkonzept als verbindende Klammer durch und geben dem Bestand eine klare gestalterische Ordnung.
Kernstück des Projekts sind die Boulderwände und der Trainingsbereich. Die Kletteranlage wurde gemeinsam mit den Auftraggeber*innen entwickelt – mit sorgfältig abgestimmten Neigungswinkeln, klar definierten Absprungbereichen sowie Aufenthalts- und Ruhezonen, die nicht nur den Sport, sondern auch das soziale Miteinander unterstützen. Die Trainingsgalerie ergänzt das Angebot und bildet den allgemeinen Trainingsbereich räumlich eindeutig aus. Zwischen Bewegung und Pause entstehen bewusst gesetzte Übergänge, die den Alltag in der Halle prägen. So entsteht ein Ort, der im täglichen Betrieb überzeugt – als Sportstätte, Treffpunkt und Teil des Grätzls.
Text: Andreas Laser
Fotos: Michael Goldgruber
Kategorie: Projekte











