Im Abwasser der Stadt

28. Januar 2020 Mehr

„Eine Studie über unser kulturelles Verständnis von Schmutz und Sauberkeit würde sich automatisch auf die Begriffe von Klasse und Menschenart beziehen, und wie diese im urbanen und räumlichen Design verankert sind.“ Das war, so Architekt Liyang Zhang, der Ausgangspunkt für die theoretische Untersuchung für die Neu- oder Umnutzung der Abwasseranlagen von Toronto, Kanada. Er nennt sein Projekt: „Geographies of Urban Filth“.

 

 

Liyang Zhang Architecture hat ein öffentliches Bad in die Wasseraufbereitungsanlage der Stadt eingebaut. Die soziale Komponente dieser Idee bezieht sich auf das „Zusammenkommen mit anderen“, da die Anlage zentral zwischen drei sehr unterschiedlichen, physisch und sozial getrennten Gruppen und Nachbarschaften (Einkommen und Ethnie) der Bevölkerung liegt. Die Grenzen zwischen wir und ihr, sauber und schmutzig, familiär und fremd, Inklusion und Exklusion werden hier infrage gestellt. Der in New York ansässige Designer und sein Team meinen, dass das kulturelle Verständnis von Schmutz sich nur durch die Kategorisierung von Raum erhalten kann. Eine Stadt beinhaltet aber Vielzahlen von unterschiedlichsten Identitäten, die konsequent neue Gruppen und Gemeinschaften mit ihnen zugeschriebenen räumlichen Bereichen erzeugen. Die angeborene Angst vor dem Elend bringt eine Obsession für Sauberkeit mit sich und das löscht oder verhindert damit die Möglichkeiten, sich für ein Verstehen des „Anderen“ zu interessieren.

 

 

Der Gedanke, ein öffentliches Bad in der Abwasseranlage einer Stadt zu installieren ist heute gar nicht so fremd, sind doch die Bedrohungen der Klimakrise und auch die zukünftige Wasserknappheit (trotz Ansteigen des Meeresspiegels wird Trockenheit in vielen Gegenden herrschen) so eindringlich, dass wir uns die Trennungen in „mein oder dein“ bald nicht mehr erlauben werden können. So gesehen ist dieses Projekt ein durchaus pädagogisches Konzept für eine (noch utopische) Zukunft einer Stadt.

 

Renderings: Liyang Zhang
Text: Peter Reischer

 

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Kategorie: Newsletter, Projekte

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