Innovation der Intimität

28. März 2022 Mehr

Immer neue gestalterische Konzepte finden in der Gastronomie Einzug. Eine völlig innovative Herangehensweise wählten auch die Architekten von VAUST Studio beim Designen des JIGI Poke Restaurants. Das Ziel war es, der Gastfreundlichkeit der Berliner Lokalität ein modernes Gesicht zu verleihen und diese an die Lebensweise in der Pandemie anzupassen. So reduzierten die Planer die Anzahl der Sitzplätze an den Tischen und implementierten beim Mobiliar, aber auch im Innenraum, größere Abstände. Zusätzlich wurden die Sitze am Boden fixiert, wodurch sie eine feste Management-Struktur im Restaurant ermöglichen.

 

 

Die Aufnahme und Abholung der Bestellungen erfolgt an einer frei stehenden Theke. Die Zubereitung der Speisen findet in einem separaten Bereich der Einrichtung statt, während die Besucher bereits Platz nehmen. Dieser Prozess wirkt unnötigen Wartezeiten und damit Menschenansammlungen entgegen. Küchentresen aus glänzendem Edelstahl sind nicht nur räumlich, sondern auch durch eine Glaswand vom Ess- und Wartebereich getrennt.

Als Inspiration für das bisher einzigartige Konzept diente den Planern das Foto eines hawaiianischen Fischers aus dem Jahr 1907. Auf dem Bild ist ein Mann zu sehen, der sich mit minimalistischer Ausstattung auf seinen Ausflug auf die hohe See vorbereitet. Besonders sprach die Architekten die Intimität, Ehrlichkeit und Ausgeglichenheit der Darstellung an. Diese Elemente wollten sie in architektonischer Form zur Geltung bringen. Umgesetzt wurde die Idee in Form einer naturnahen, reduzierten und trotzdem komfortablen Innenraumgestaltung.

 

 

So dominieren zwei Tische aus Beton den Gastraum. Sie kennzeichnet ein leicht geschwungenes Design, durch das sie sich gegenseitig hervorheben. Absichtlich wurde die Oberfläche der Tischplatte rau gehalten. Damit unterstreicht sie die Natürlichkeit der Innenarchitektur, während sie sich gleichzeitig angenehm angreift. Granit aus Norwegen und robuste Baumstämme fungieren als Sitzgelegenheiten. Dabei verfügt jede Sitzfläche über ein individuelles Aussehen, was letzten Endes auch dem Raum Einzigartigkeit verleiht.

Beton ist außerdem an den Wänden vertreten und dient als Teil-Umschalung für die Theken und den Kassa-Bereich. Bewusst verpassten die Planer der hellen Umrahmung ein abgenutztes Erscheinungsbild, welches die rohe Authentizität der Umgebung unterstreicht. Sowohl Wände als auch den Fußboden kennzeichnen warme Farben. Letztere sorgen für eine warme Atmosphäre und gewährleisten so Komfort. Das gekonnte Zusammenspiel aus Beton, Naturstein und Holz setzt sich schließlich in den Toiletten fort. Sanfte, natürliche Farbtöne dominieren auch dort die Umgebung.

Ein maßgeschneidertes Aufhäng-System ermöglicht das Anbringen von Vorhängen, welche das Innenraumdesign mit seiner einladenden Ausstrahlung vervollständigen.  Identitätsstiftend für das Lokal ist  jedoch ein zentral aufgehängter, naturbelassener Felsen im Essbereich. Durch die großen Fenster ist er bereits von außen gut zu erkennen.

 

 

Text: Dolores Stuttner
Fotos: Robert Rieger

 

Kategorie: Projekte