Innovative Arbeitsoase

5. Mai 2025 Mehr

Wie man einen Betonbau aus den 1970er-Jahren in eine moderne, flexible Arbeitslandschaft mit jeder Menge Platz für Innovation verwandelt, demonstrierten Helen & Hard mit ihrem Projekt Innoasis. Das Architekturbüro schrieb dem einstigen Hauptsitz der norwegischen Erdöldirektion eine neue Holzstruktur mit einem großzügigen Atrium ein und verlieh dem Bestand so ein zeitgemäßes Make-over.

 

 

Bei dem Gebäude handelt es sich um die ehemalige Zentrale des Petroleumdirektorats. Dieses wurde 1978 in Stavanger, einer Stadt im Südwesten Norwegens, errichtet. Im Auftrag eines lokalen Projektentwicklers galt es, den einstigen Verwaltungsbau zu revitalisieren und unter dem Titel Innoasis zum Zentrum für urbane Innovation umzubauen. Künftig stellen die abwechslungsreichen Büroflächen das Zuhause von Start-ups, Unternehmen und anderen Akteuren dar, die sich der Entwicklung von smarten, nachhaltigen Lösungen für eine grünere Zukunft des Landes verschrieben haben.

 

 

Erhalten, adaptiert & fortgeschrieben

Das industriell geprägte Konstruktionssystem des Bestands zeichnete sich durch Betonrippendecken und -stützen sowie rationale Grundrisse aus. Im Zuge der Transformation wurde die Tragstruktur vom Planerteam erhalten und im Inneren des Hauses sichtbar in das zukünftige Konzept integriert. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man außerdem dem ehemaligen Innenhof. Zuvor von den vier Gebäudeflügeln eingefasst, wird er zum lichtdurchfluteten Atrium. Dafür ergänzte man den Stahlbetonbau um ein Gerüst aus naturbelassenem Fichtenholz. Dieses besteht aus Brettschichtholzträgern und runden Vollholzsäulen, die die massiven, gebogenen CLT-Bodenelemente sowie das Glasdach stützen. Die Kombination aus Alt und Neu war keinesfalls eine triviale Aufgabe: Der in die Jahre gekommene Bestand musste dafür zunächst mittels Laserscan genau aufgenommen und vermessen werden. Mithilfe des digitalen Modells ließen sich dann die CNC-gefrästen Bauteile individuell an das unregelmäßige Gebäude anpassen.

 

 

Atrium als räumliche Mitte

Das Atrium bildet das neue Herzstück von Innoasis. Es erstreckt sich über alle vier Stockwerke – vom teils in den Hang gegrabenen Eingangsniveau bis zu den drei Bürogeschossen. Unten werden Besucher und Mitarbeiter von breiten (Sitz-)stufen empfangen und weiter nach oben geleitet, darüber verbindet eine alte Wendeltreppe die einzelnen Etagen miteinander. Den einstigen Fluchtweg ertüchtigten die Planer vorsichtig: Sie entfernten alte Verkleidungen, versahen die Treppe mit einem neuen Handlauf und integrierten diese schließlich in das neue Design. Nun sorgt die freistehende Haupterschließung mit ihrem skulpturalen Charakter zugleich für ein optisches Highlight. Bepflanzte Balustraden und üppige Vegetation verleihen dem großzügigen Raum einen grünen Touch. Auf diese Weise entsteht ein angenehmes Wohlfühlambiente, das an eine Oase erinnert. Rundum schließen offene Galerien an das Atrium an. Sie dienen nicht nur der Zirkulation, sondern fördern als informelle Begegnungsorte auch Austausch und Kommunikation der Nutzer. Als nächstes folgen die ringförmig angeordneten Besprechungsräume. Die flexiblen Arbeitsflächen und Büros befinden sich außen entlang der Fassaden und werden verschiedenen Bedürfnissen gerecht. Sämtliche Office-Bereiche inklusive technischer Infrastruktur wurden anhand eines modularen Rasters organisiert. Dieses schafft die nötigen Voraussetzungen für zukünftige Umgestaltungen und Grundrissänderungen ohne aufwendige Eingriffe. So lassen sich z.B. Open-Space-Bereiche einfach in kleinere Einheiten unterteilen und an wechselnde Mieter anpassen.

 

 

(Fast) alles Holz

Beim Innenausbau setzte man ebenfalls auf maximale Flexibilität und schenkte vorhandenen Teilen bestmöglich ein zweites Leben. Wo neue Elemente einzogen, fiel die Wahl großteils auf Holz. Der warme Naturwerkstoff kreiert einen spannenden Kontrast zu den bestehenden, rohen Betonoberflächen. Diese zeugen mit ihrer Patina – Kerben, Flecken und anderen Zeichen der Zeit – von der Geschichte des Gebäudes. Während in den Büroräumen feine Holzlatten mit einer lamellenartigen Struktur die Deckenuntersichten kleiden, kamen im Atrium Strohtapeten zum Einsatz. Beide Materialien dienen dazu, störende Geräusche zu dämpfen und die Akustik des Hauses zu verbessern. Bei der Ausstattung entschied man sich für einen Mix aus bestehenden Möbeln und neuen Einbauten bzw. Stücken. Verglaste Zwischenwände grenzen das Atrium sowie die einzelnen Arbeitsbereiche subtil voneinander ab, ermöglichen aber dennoch von fast überall den Blick bis ins Freie.

 

 

Modernisierung von Fassaden & Dach

Auch außen bewahrte man den ursprünglichen Charakter und modernisierte den Bürobau behutsam. An den Fassaden lassen die auskragenden Fensterbänder bis heute Rückschlüsse auf das Baujahr des Gebäudes zu. Die alten Aluminiumpaneele wurden an anderer Stelle weiterverwendet und durch furnierte Holzwerkstoffplatten ersetzt, die fortan mit ihrer braunen Färbung die Optik bestimmen. Sämtliche Fenster mussten ausgetauscht werden, da sie den energetischen Anforderungen nicht genügten. Den beiden, stark geneigten Pultdächern fügten die norwegischen Planer zwei weitere hinzu. Durch diese gelangt nun jede Menge Licht und Luft ins oberste Geschoss. Außerdem ermöglicht der Dachaufbau neue Zwischenebenen und bietet ausreichend Platz für Photovoltaikpaneele. Wo die Schrägen nicht der Energiegewinnung dienen, werden sie mit heimischer Vegetation begrünt und sollen sich positiv auf die Biodiversität und den ökologischen Fußabdruck von Innoasis auswirken.

 

 

 

Nachhaltig abgerundet

Obwohl das Gebäude im Zuge der Transformation rund 1.000 m2 Fläche dazugewann, gelang es, seine Energieeffizienz zu steigern: Der Bedarf für Heizung und Kühlung konnte um zwei Drittel reduziert werden. Der gesamte Verbrauch des Hauses sank sogar um 75 Prozent. Verantwortlich dafür ist die nachhaltige Planung, die neben der hauseigenen Photovoltaikanlage auch eine Wärmepumpe beinhaltet. Letztere wird von sechs Erdsonden gespeist, die sich unter Innoasis befinden. Damit gelang es den Architekten, den Umbau des Bestandsbaus auch aus energetischer Sicht erfolgreich abzurunden und den Grundstein für viele zukünftige Jahre effizienter Nutzung zu legen.

 

 

Innoasis
Stavanger, Norwegen

Bauherr: Smedvig Eiendom
Planung: Helen & Hard
Tragwerksplanung: Procon
Bauingenieure: Norconsult
Energiekonzept, TGA-Planung: Veni
Brandschutz: Konsepta
Akustik: Brekke & Strand

Nutzfläche: 4.000 m²
Planungsbeginn: 2019
Fertigstellung: 2022
Baukosten: ca. 100 Mio. NOK (ca. 8,6 Mio Euro)

www.helenhard.no

 

 

Text: Edina Obermoser
Fotos: Sindre Ellingsen

 

Kategorie: Projekte