Ins rechte Licht gerückt

4. Juni 2025 Mehr

B-bis architecten entwarfen gemeinsam mit und für die Lichtmanufaktur PSLab Lighting in Berlin Charlottenburg einen neuen Showroom. Das Studio ist der fünfte Standort des Unternehmens in Europa und dient als repräsentativer Ausstellungs-, Inspirations- und Planungsraum. In Kombination mit dem minimalistischen Interior verkörpert das zurückhaltende Konzept die ästhetische Designsprache des Unternehmens und bildet zugleich den idealen Rahmen für maßgeschneiderte Beleuchtungslösungen.

 

 

Der Showroom befindet sich im Erdgeschoss eines 1907 erbauten, typischen Berliner Wohnhauses. Auf 90 Quadratmetern entkernte das Planerteam die kleinteilige Bestandsstruktur vollständig und hauchte ihr neues Leben ein. Nun setzt sich das PSLab Lighting Studio räumlich aus drei Elementen zusammen: dem Hauptraum, dem – in den zentralen Bereich integrierten – Untergeschoss und dem Gartenraum. Während der hintere Bereich vom Blick in den Hof geprägt wird, erstreckt sich der zur Straße gewandte Teil des Showrooms durch seine beiden Ebenen über bis zu 6 m. Der Hauptraum des Studios ist durch großflächige Schaufenster in der sandgestrahlten Fassade einsehbar. Eine der beiden Verglasungen ist als Schiebeelement ausgeführt und fungiert zugleich als Eingang mit Sitzstufe, der den Raum in den Sommermonaten nach draußen erweitert. Im Inneren entwickelt sich die Ladenfläche rund um eine Ausnehmung im Boden. Diese wird von schmalen Podesten sowie einem schlichten Geländer eingefasst und schließt an die rückseitige Trennwand zum Nebenraum an. Eine schmale Treppe führt weiter in das untere Niveau. Mit seinem intimen Setup dient dieses unter anderem als Präsentationsfläche für die digitale Bibliothek des Lichtlabors sowie als Ort für ungestörte Kundengespräche.

 

 

Der Durchgang in die hintere Ladenzone erfolgt vom Hauptverkaufsraum aus seitlich über zwei Bögen. Neben der Materialbibliothek erwarten Kunden hier noch tiefere Einblicke in den Designprozess. Vier hohe Glasfronten öffnen den Bereich zu dem mit Efeu bewachsenen Innenhof hin. Sie lassen viel Tageslicht in den Raum und laden – mit öffenbaren Fensterflügeln und Sitznischen ausgestattet – zu einer kleinen Auszeit ein.

 

 

Sämtliche Entwurfsentscheidungen in dem kompakten Studio traf man in Hinblick auf den Protagonisten: Auch die Materialien wurden so abgestimmt, dass sie nicht die Architektur, sondern mit unterschiedlichen Oberflächen und Texturen das Licht in den Mittelpunkt rücken. Inspiriert von sakralen Räumen und deren gezieltem Umgang mit dem natürlichen Element, fiel die Wahl auf mehrere Schichten Kalkputz in verschiedenen Farbtönen, Beton, Zink und textile Komponenten. Gemeinsam sollen sie einen ruhigen Hintergrund schaffen, vor dem die Beleuchtung präsentiert und entdeckt werden kann. Ein Gantry-System dient unter der Decke nicht nur als Tragstruktur für die Leuchtkörper und Lichtquellen, sondern nimmt auch die technischen Installationen unauffällig auf. Mit seinen filigranen Stahlelementen passt dieses perfekt zu den übrigen Metallbrüstungen, -handläufen und -schienen sowie zur schlichten Einrichtung.

 

 

So gelang es den belgischen Architekten, mit dem Berliner PSLab Studio einen Raum zu schaffen, der den Lichtdesignern eine schlichte Kulisse bietet. Vor dieser lassen sich in der deutschen Hauptstadt künftig maßgeschneiderte Konzepte entwickeln. Außerdem haben Kunden und Partner die Möglichkeit, Licht, Schatten und deren Atmosphäre mit allen Sinnen zu erforschen und zu erleben.

 

 

Text: Edina Obermoser
Fotos: Nate Cook

 

Kategorie: Projekte, RETAILarchitektur