Kaufentscheidung mit Weitblick

6. Februar 2022 Mehr

Geht es nach Marten van Middelkoop und Joost Dingemans, den Gründern von Plasticiet, so ist Plastik das neue Gold. Die beiden Designer beschäftigen sich seit Jahren damit, Plastikmüll in nachhaltiges Material zu verwandeln. Umweltfreundlichkeit wird auch beim Brillenhersteller Ace & Tate großgeschrieben. Dieser möchte bis 2030 CO2-neutral sein und ausschließlich auf Recycling setzen. Die upgecycelten Baustoffe schienen daher wie geschaffen für den neuesten Shop der Marke in Antwerpen.

 

 

Polyethylen ist ein Stoff, aus dem unzählige Produkte gemacht werden und den wir umgangssprachlich mit dem Begriff Kunststoff bezeichnen. Ob Bau oder Haushalt, ob Plastikbeutel oder Kinderspielzeug – all diese Dinge wandern nach oft nur kurzem Gebrauch unweigerlich in den Abfall und haben dabei das Ende ihres Lebenszyklus noch lange nicht erreicht. Plasticiet nutzt dieses Material und stellt daraus neue Plattenwerkstoffe her, die an Marmor, Granit und andere hochwertige Steine erinnern. Damit schenken sie der Ausschussware neues Leben und tun gleichzeitig dem Planeten etwas Gutes.

 

 

Für den Brillenladen von Ace & Tate recycelten die beiden Tüftler 1.000 kg lokalen Plastikmüll und verwandelten ihn in weiße Paneele mit bunten Partikeln. Während die weißen Teilchen eingeschmolzen werden und die Basis bilden, weisen die farbigen Fragmente in Originalgröße auf ihre einstige Funktion hin. In lebendigen Rot-, Gelb-, Grün- und Blautönen sind sie wie Konfetti in das Material integriert und verleihen ihm eine hochwertige Terrazzo-Optik. Im Shop formen die gesprenkelten Platten Regale und Präsentationsflächen und kleiden die Wände und den Verkaufstresen.

 

 

Dazu kombinierte das innovative Designerduo schlichte, graue Böden, weiße Akzente und Spiegel. Leuchtende Neonreklamen – ein Markenzeichen von Ace & Tate, das in sämtlichen Filialen zu finden ist – runden den Store ab und schaffen einen Verkaufsraum, der zum dynamischen Hintergrund für die ausgestellten Brillen wird. Während der vordere Teil des Ladens offen und schlicht gestaltet ist und rein der Produktpräsentation dient, wirkt der hintere Bereich intimer und gibt den Kunden Zeit für ungestörte Kaufentscheidungen. Ein verstecktes Hinterzimmer, in dem Sehtests gemacht werden, komplettiert das Raumprogramm. Im Schaufenster illustriert ein, mit Plastikkügelchen und größeren Stücken gefüllter, Kunststoffeinbau den Recyclingprozess und macht auf das besondere Material aufmerksam. Drei eingesetzte Boxen bieten Platz für die neuesten Modelle der Marke und sollen die Neugier der Passanten wecken.

 

 

Text: Edina Obermoser
Fotos: Lennart Wiedemuth

 

Kategorie: Projekte, RETAILarchitektur