Massive Offenheit

27. November 2025 Mehr

Die Casa Tres Patis in der katalonischen Gemeinde Albons gruppiert sich rund um drei luftige Innenhöfe. Auf Wunsch der Bauherren entwickelte das Büro Twobo Arquitectura einen Entwurf, der nicht das Wohnhaus selbst, sondern die Außenräume in den Vordergrund rückt. Ein spannender Mix aus unverkleideten Naturmaterialien und glatten, schimmernden Oberflächen verleiht dem Projekt einen einzigartigen Charakter und macht es zum wohnlichen Refugium.

 

 

Das Haus nordöstlich von Girona sollte für die Auftraggeber ein ruhiger Zufluchtsort voller Sinneseindrücke werden, der alle vier Elemente miteinbezieht und zum Innehalten und Genießen einlädt. Um diese Vorgaben zu erfüllen, ordneten die spanischen Planer die drei pavillonartigen Trakte des 300 m2 großen Wohnensembles rund um drei quadratische Höfe an, nach denen die Casa Tres Patis benannt ist. Dazwischen verbinden geradlinige Säulengänge, Gehwege und Überdachungen die einzelnen Komponenten des Projekts wie in einem kleinen Dorf. Zwei Außenmauern legen sich rund um das Grundstück: Sie schützen vor starken Nordwinden und sorgen zugleich für die nötige Privatsphäre der Bewohner, ohne den Ausblick nach draußen in die Natur zu stören.

 

 

Dorfplatz, Pool & Kräutergarten

„Das Konzept des Hauses wurde ausgehend von den Innenhöfen entwickelt. Wir wollten eine Wohnlandschaft mit einer inneren Logik schaffen, wo der offene Raum ebenso nutzbar und essenziell ist, wie der geschlossene“, erläutert das Team von Twobo ­Arquitectura. Mit den Patios zollte man außerdem einem Grundelement der mediterranen Architektur Tribut. Der erste und größte von ihnen ist einem lebendigen Dorfplatz nachempfunden und soll – von einem Baum beschattet – künftig als gemeinschaftlicher Treffpunkt des Wohnkomplexes dienen. Im zweiten Innenhof befindet sich ein von Pflanzen umgebener Naturpool. Von den leicht erhöhten, überdachten Wegen eingefasst, strahlt dieser Hof Ruhe aus und wird zum Entspannungsort. Als Inspiration für diesen Bereich diente das sogenannte Impluvium – ein flaches Wasserbecken in den Atrien römischer Häuser, in dem Regenwasser gesammelt wurde und das zugleich zur passiven Kühlung des Gebäudes beitrug. Der dritte Patio ist als üppiger Garten voller duftender Kräuter und Blumen gestaltet, wie sie in Klöstern zu finden sind. In den Zwischenräumen wechseln sich nicht nur Kiesflächen und Beete ab, sondern auch Sonne und Schatten. Außerdem wachsen hier entlang der Begrenzungsmauern – passend zum südlichen Flair des Ensembles – Gräser, Zitronen- und Olivenbäume.

 

 

Fließende Übergänge

Die drei Baukörper sind als modulare Konstruktion aus Beton- und Stahlrahmen ausgeführt. Großzügige Raumhöhen bieten genügend Platz für eine Split-Level-Aufteilung der Grundrisse mit offenen Galerien unter dem Dach. So ermöglichen die Pavillons mit ihren leicht versetzten Ebenen vielfältige Blickbeziehungen innerhalb der Häuser und hinaus ins Freie. Raumhohe Verglasungen verstärken das luftige Ambiente zusätzlich. Im größten Trakt im Norden sind die Wohnbereiche und der große Koch-Essbereich, der sich über eine eindrucksvolle Fensterfront zum Hauptpatio hin öffnet, untergebracht. Während das zweite, an der Westseite des Grundstücks position­ierte, Volumen die privaten Schlafzimmer der Eigentümer beinhaltet, bildet der Gästetrakt mit einer Werkstatt und Garage den Abschluss in südlicher Richtung. Zwischen Schlaf- und Gästehaus befindet sich im Zentrum der Casa Tres Patis eine spektakuläre Outdoorküche. Diese setzt sich aus einem blau gefliesten Kamin mit Ofen und Grill – der das gesamte Ensemble überragt – sowie einer langen Arbeitsplatte in knalligem Gelb zusammen und zieht dort sämtliche Aufmerksamkeit auf sich. Eine lange Betontafel lädt als Herzstück der Freiluftküche zu gemütlichen Zusammenkünften ein. Der Tisch wird von mehreren Seilen und Lichterketten überspannt. An ihnen sollen später Rankpflanzen wachsen und zwischen den zwei Säulengängen ein luftiges Blätterdach formen.

 

 

Kontrastreicher Materialmix

Neben dem einzigartigen Innenhof- und Raumkonzept mit fließenden Übergängen zwischen Innen und Außen zeichnet sich die Casa Tres Patis in erster Linie durch ihre spannende Kombination unterschiedlicher Materialien aus. Dabei ging es den Architekten nach eigenen Angaben darum, Industrie und Handwerk zu vereinen. Dafür kamen nicht nur Naturmaterialien und verarbeitete Werkstoffe, sondern auch verschiedenste Texturen und Haptiken zum Einsatz. In den Patios herrschen rohe Sichtbetonoberflächen vor. Massivität trifft hier auf die Offenheit der Innenhöfe und der Beton soll durch den Einfluss von Regen und der Vegetation im Laufe der Zeit diverse Nuancen erhalten. Die Außenmauern prägt ein von Hand aufgetragener Kalkputz mit natürlichem Finish. Bei der Gestaltung der drei Pavillons interpretierte man die Oberflächen wie einzelne Schichten, die auf den unmittelbaren Kontext reagieren. An den Fassaden wird die kühle, weiße Stahlkonstruktion der Baukörper durch geometrische Hohlziegelwände ergänzt. Deren perforierte Gitterstruktur lässt Luft hinein, filtert jedoch den Ein- bzw. Ausblick und schützt vor der spanischen Sonne. Im Inneren sorgen dunkle Holzverkleidungen an Wänden und Decken sowie Einbauten aus dem Naturwerkstoff für eine warme, wohnliche Atmosphäre. Dazu kommen geschliffene Betonböden und funktionale Edelstahlfronten. Glasierte Fliesen in kräftigen Farben setzen mit ihrer Reflexion auffällige Akzente und komplettieren die kon­trast­reiche Materialpalette.

 

 

Casa Tres Patis
Albons, Katalonien

Bauherr: Privat
Planung: Twobo Arquitectura – María Pancorbo, Alberto & Pablo Twose
Tragwerksplanung: Jordi Granada
Technischer Architekt: Gerard Codina
Mitarbeiter: Ourania Chamilaki, Víctor Díaz-Asensio, Claudia Canalda
Ausführung: Artyco

Fläche: 300 m2
Planungs-/Baubeginn: 2023
Fertigstellung: 2024

www.two-bo.com

 

Text: Edina Obermoser
Fotos: José Hevia

Kategorie: Projekte