Mehrzweck-Zweifach-Sporthalle – L3P Architekten ETH FH SIA AG

6. Juni 2011 Mehr

Mehrzweck-Zweifach-Sporthalle - L3P Architekten ETH FH SIA AG

Ein klarer, einfacher Baukörper als Weiterführung des bestehenden Konzeptes der Anlage charakterisiert die Mehrzweck-Zweifach-Sporthalle des Zentrum Eichi in der Schweiz. Architektonisch wird durch den Körper der Innenhof gegen Südwesten abgeschlossen. Farblich und in der Außengestaltung der Fassade fügt er sich in das bestehende Ensemble ein. Die Innenräume sind durch die Symbolik der „hüpfenden Bälle“ gekennzeichnet und entsprechen so dem spielerischen Inhalt und der Funktion der Halle.

Das Zentrum Eichi in der Schweiz im Kanton Zürich setzt sich aus Oberstufenschule, Sporthalle, Gemeindehaus, Kirche und Altenheim zusammen und wurde 1985 durch den Architekten Walter Schindler erbaut. Schon im Jahr 2007 hat das Architekturbüro L3P Architekten einen Zubau durchgeführt. Damals war es der Anbau eines neuen Schulhaustraktes. Nun wurden die Architekten beauftragt, eine Mehrzweck-Doppelturnhalle an die bestehende Bausubstanz anzugliedern.

Wenn ein Architekturbüro zweimal an demselben Objekt mit einem Zu/An- oder Neubau beauftragt wird, lässt das einerseits auf die Zufriedenheit der Auftraggeber schließen, andererseits kann man auch eine gewisse Kontinuität in der Art der Ausführung und der Gestaltung erwarten. Und diese Erwartung wird hier nicht enttäuscht.

Ästhetik

Die vorhandenen Körper der Schulgebäude sind einfach gegliederte Kuben, in warmen Rotbraun-Erdtönen gehalten. Die neue Halle schließt sich diesem optischen Eindruck an, nur wird die Farbpalette durch sie um einen Gelbgrün-Ton erweitert. Die schon beim in 2007 errichteten Zubau verwendeten Fassadenmaterialien wurden auch bei der Mehrzweck-Zweifach-Sporthalle weiterbenutzt. Der ganze Komplex lebt nun von den unterschiedlichen Farbschattierungen und Licht- und Schattenwirkungen und drückt eine Homogenität aus.

Fotos

Körper und Erschließung

Die Mehrzweck-Doppelturnhalle ist ein kompakter Baukörper und bildet den architektonischen Abschluss des Schulareals gegen Südwesten. Die bestehende Zufahrt aus der Rütiwiesenstrasse wurde ausgebaut und asphaltiert. Die Zugänglichkeit für die neue Mehrzweckhalle ist folgendermaßen geregelt: Vereine und Schüler nutzen den neuen Eingang im Erdgeschoß, der sich vis-à-vis vom Ausgang des Klassentraktes befindet. Vereinsmitglieder haben am Abend und unter der Woche die Möglichkeit, ihre Fahrzeuge im Zulieferbereich von Office und Bühne abzustellen. Der Zugang des Publikums erfolgt über das bestehende Foyer, welches optimal über den Schulplatz und die nahen Parkmöglichkeiten erschlossen wird.
Innen ist die Struktur (abgesehen von der Halle mit ihrem Luftraum) in zwei Ebenen gegliedert. An der Westseite sind die Funktionsräume untergebracht. Auf der Längsseite des neuen Turnhallenanbaues ist die Bühne angeordnet.
Das neue, zweigeschoßige Foyer ist auf den Außensportplatz ausgerichtet und großzügig verglast. Toiletten, Office und Außengeräteraum sind im Erdgeschoß situiert und auch von außen zugänglich. Die Garderoben und Duschen befinden sich im Obergeschoß und sind über einen zur Halle offenen Gang, der auch als Zuschauergalerie genutzt werden kann, erschlossen.
Brandschutztechnisch wurden die Halle und die neuen Zugänge als ein Brandabschnitt konzipiert. Dies ermöglicht eine äußerst variable Nutzung – wie der Name „Mehrzweckhalle“ es auch fordert. Sämtliche Bereiche haben Fluchtwege direkt nach außen. Im 1. OG wird mit einer zweiten Korridorebene die Fluchtrichtung nach Süden ermöglicht. Gleichzeitig bringt diese Möglichkeit der Abtrennung einen Zusatznutzen für Künstlergarderoben im Falle des Theaterbetriebs – die Garderoben sind über eine interne Treppe direkt mit der Bühne verbunden. Ein weiterer Vorteil der vorgelagerten Raumschicht ist die sich ergebende Intimität für die Nutzer der Garderoben.

Gestaltung

Durch den Anbau verlor die bestehende Turnhalle die Belichtung durch die vertikale Fensterfläche gegen Süden. Die nordorientierten Schrägoberlichten wurden belassen. Geplant war, runde und spielerisch angeordnete Oberlichtöffnungen in der Betondecke anzubringen. Aus Kostengründen musste diese Möglichkeit weggelassen werden.
Mit dem verantwortlichen Bauingenieur, welcher die Turnhalle Jahrgang 1985 berechnet hatte, wurde die bestehende Tragstruktur durchgerechnet. Die Alterung des Betons und die daraus resultierende höhere Druckfestigkeit ermöglichte einzelne Ausschnitte. Sozusagen als gestalterische Kompensation der weggelassenen Lichtdurchbrüche wurden dann durch die Architekten in den Sperrholz Decken-und Wandverkleidung sowie in den Sichtbetonwänden gestaltet.
Der Kreis ist überhaupt ein Symbol in der Turnhalle: Zur Zuschauergalerie wurden in die bestehenden Betonwände runde Fräsungen eingebracht bzw. die neuen Wände entsprechend geschalt. Wie hüpfende Spielbälle entsteht so zusammen mit den Vertiefungen eine Metapher, welche dem räumlichen Charakter der Halle entspricht.

Farben

Das vorhandene Foyer sowie die bestehende Turnhalle wurden im Innenbereich bezüglich Material, Beleuchtung und Farbgebung neu gestaltet. Der Bodenbelag im Korridor wurde mit eingefärbtem Hartbeton realisiert. Garderoben, Duschen, Office etc. erhielten eine fugenlose PU-Beschichtung in fröhlichen, leuchtenden Farben. Die tragenden Wände und Brüstungen sowie Decken, die in Beton sichtbar bleiben, wurden partiell mit einem Graffitischutz versehen. Die Korridorwände im Erd- und im Obergeschoß und Teile der Wände sowie die Decken in der Turnhalle sind mit perforierten Seekiefer-Sperrholzplatten schalldämmend ausgebildet.

Mehrzweck-Zweifach-Sporthalle

Niederglatt, Schweiz

Bauherr: Gemeindeverwaltung Niederglatt
Planung: L3P Architekten ETH FH SIA AG
Mitarbeiter: Martin Reusser, Boris Egli, Markus Müller
Statik: Schiavi Partner Ingenieure AG, Bülach
Farbgestalter: Beat Soller, Schweizer AG, Zürich
Bauphysik: Wichser Akustik & Bauphysik AG, Zürich
Elektroingenieur: Schmidiger+Rosasco AG, Zürich
Grundstücksfläche: 2.903 m²
Bebaute Fläche: 1.855 m²
Nutzfläche: 2.076 m²
Planungsbeginn: 03/2008
Fertigstellung: 07/2010
Baukosten: 7,5 Mio. SF

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Kategorie: Projekte

Ausgabe 6/2020 Material & Oberfläche

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