Musik im Wald

5. August 2022 Mehr

Mit dem Haus der Musik hat das Büro rund um Sou Fujimoto in Budapest nicht nur einen kulturellen Anlaufpunkt, sondern auch eine moderne Landmarke geschaffen. Eingebettet in einen Stadtpark im Nordosten der ungarischen Hauptstadt vereint der Kulturbau Konzertsäle, Ausstellungsbereiche und ­Unterrichtsräume unter einem beeindruckenden, wellenförmigen Dach und steht mit seinen 9.000 m2 ganz im Zeichen der Musik.

 

Haus der Musik Budapest

 

Die japanischen Architekten integrierten die Vegetation der urbanen Grünfläche in den Entwurf und machten sie zum zentralen Element. Dafür entwickelten sie eine gewaltige Dachstruktur mit insgesamt fast 100 kreisförmigen Ausnehmungen unterschiedlicher Größe. Durch sie können die Bäume und Pflanzen ungehindert weiterwachsen. An anderer Stelle fungieren die Löcher als Oberlichter oder verglaste Lichthöfe. Die sanft geschwungene Form der Überdachung wurde von Schallwellen inspiriert. Im Gegensatz zur schlicht weißen Oberseite, setzt sich die abgehängte Untersicht des baldachinart­igen Dachs aus 30.000 goldgelben Metallpaneelen zusammen. Sie werden von einer wabenförmigen Stahlkonstruktion getragen und sollen an die Blätter einer Baumkrone erinnern. Bis zu 12 m hohe, gedämmte Glaspaneele fassen den Bau seitlich ein. Die transparente Fassade scheint Innen- und Außenraum fließend ineinander übergehen zu lassen. Ein innovatives Energiekonzept kombiniert Geothermie und erneuerbare Quellen und sorgt so ganzjährig für ein angenehmes Raumklima.

 

 

Die Funktionen im Inneren sind anhand der einzelnen Ebenen organisiert. Offen gestaltet, laden sie zur aktiven Auseinandersetzung mit Musik und Klang ein: Eine Art Klangkuppel bietet im Untergeschoss audiovisuelle Vorstellungen mit Surround-Sound. Während Besucher hier mit der interaktiven Dauerausstellung und wechselnden Expositionen eine Reise durch die ungarische und europäische Musikgeschichte erwartet, ist das Eingangsniveau ganz auf musikalische Darbietungen und Aufführungen, Workshops und andere Vorträge ausgelegt. Neben Konzertsälen mit Platz für bis zu 320 Musikbegeisterte gibt es hier Bühnen für Open-Air-Events inmitten der grünen Parklandschaft. Den Abschluss bilden eine Mediathek sowie Unterrichts-, Forschungs- und Verwaltungsräume im ersten Stock. Eine große Wendeltreppe verbindet die drei Geschosse miteinander. Sie ist unterirdisch als schlichte Raumskulptur und oben mit leichten Metallstäben ausgeführt. Im gesamten Bau trifft – ganz im Sinne der Planer – Natur auf Kultur: Zwischen den schmalen Stützen und hohen Baumstämmen wird der Besuch im Haus der Musik zum akustischen Kulturprogramm und Waldspaziergang in einem.

 

 

 

Text: Edina Obermoser
Fotos: LIGET BUDAPEST Palkó György

 

Kategorie: Newsletter, Projekte