Musikschule – Dominique Coulon et associés

6. Juni 2011 Mehr

Musikschule - Dominique Coulon et associés

Der anscheinend grobe, monolithische Betonklotz entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Hülle für eine mit hochwertigsten Materialien und viel Sensibilität gestaltete Musikschule. Auch die farblichen Abstimmungen der Innenräume sind bemerkenswert. Dem Architekten Dominique Coulon ist es gelungen, mit diesem Gebäude eine Skulptur zu schaffen, die zum Betreten, zum Erkunden und Benutzen anregt. Äußeres und Inneres sind gegensätzlich, aber trotzdem eine Einheit.

Die Musikschule in Maizières-les-Metz in Frankreich, die vom Architekten Dominique Coulon entworfen wurde, hat etwas Skulpturales. Sie erscheint wie ein monolithischer Betonblock mit 100 Meter Länge und 40 Meter Breite, der leicht über dem Erdboden schwebt. Aber der erste Anschein trügt. Der graue Beton umhüllt die Schule, nimmt die zwei Ebenen, die der Musikschule gewidmet sind, auf.

Der Körper scheint massiv, mit all den Merkmalen von Beton eben. Und trotzdem wirkt die Haut wie eine Hülle, die eher etwas zeigen als verbergen will. Sie fordert zum Entdecken des Inhalts auf, sie zieht den Besucher ins Innere hinein. Die Flächen sind an einigen Stellen von – spielerisch verteilten – organisch wirkenden Öffnungen durchbrochen, und bei näherer Betrachtung sieht man, dass hinter den Durchbrüchen großzügige Freiräume wie Stiegenaufgänge und Ebenen verborgen sind. Also ist es auch ein bisschen ein Versteckspiel von Inhalten hinter einer Fassade. Die Assoziation von Musik in einer „schönen Verpackung“ (CD in einer Hülle) liegt nahe. Man muss sie erst öffnen, bzw. hineingehen, um den Inhalt wahrzunehmen. Und der Inhalt, die Musik, ist ja schließlich auch etwas, das sich oft erst bei näherer Betrachtung oder Zuhören dem Benutzer erschließt.

Das Gebäude ist parallel zu einer Hauptstraße vor der Stadt situiert und ragt 16 Meter in den öffentlichen Raum hinein. Dadurch entsteht ein großer Vorplatz, der unter der auskragenden Architektur aber optisch verschwindet. Der Baukörper steht vor dem Hintergrund eines Waldes von riesigen Mammutbäumen, die ebenso parallel zur Straße gereiht sind. Die Baumgruppen bilden eine Torsituation, die den Eingang zur Stadt markiert.

Fotos

Vielfältige Funktionen

Das Publikum kann über ein monumentales Stiegenhaus – vom überdeckten Vorplatz aus – den Innenhof und das Hauptfoyer betreten. Dieser Eingangsbereich ist großzügig, offen gegen den Himmel, mit einer phosphoreszierenden Farbe gestrichen und glüht am Abend wie durch ein außerirdisches, fremdes Licht beleuchtet.
Die Architektur beinhaltet ein bunt gemischtes Programm von Räumen und Funktionen: Räumlichkeiten für Teenager, ein außerschulisches Zentrum für Schulkinder, einen Gemeinschaftsraum, ein Auditorium und eine Musikschule, Garderoben und sämtliche notwendigen Technik- und Nebenräume.
Die Vielfalt der unterschiedlichen Funktionen und Nutzungen wird in einem einzigen, monolithischen Körper vereint. Die Außenseite des Gebäudes lässt wenig von diesem inneren Reichtum erahnen. Nur die großen, buchtförmigen, amorphen Öffnungen in den glatten Betonwänden lassen einen Blick auf das Innenleben zu. Nur durch diese Durchbrüche ist es möglich, etwas von den schemenhaften, tanzenden Schatten der Bewegungen im Inneren zu erhaschen.
Natürliches Tageslicht ist durch die Innenhöfe zur Genüge vorhanden. Die Farben dieser bunt bemalten Atrien ziehen sich vom Außenraum durch plastische, skulpturale Elemente in die Innenräume weiter. Dominique Coulon hat auch im Inneren viel mit Kuben und geometrischen Körpern gearbeitet, die Geometrie setzt er auch in der Farbgestaltung und in klaren, farbig getrennten Flächen fort. Das Grau des Sichtbetons wird immer durch in satten, kräftigen Farben gestrichene Wand- und Deckenteile abgelöst und aufgelockert. Teilweise zweigeschoßige Hallen und Stiegenhäuser bilden räumlich interessante Situationen, die keine Langeweile zulassen. Durch diese räumlichen Qualitäten wird das Gebäude bereichert, und jede funktionale Einheit steht in einem Kontrast zu den anderen.
Durch das Prinzip der Innenhöfe werden auch die Räume vor den störenden Fahrzeuggeräuschen der nahen Straße geschützt, da außen liegende Fenster überflüssig sind.

Gediegene Materialien

Die Schule ist in Stahlbeton als lang gestreckter Kubus gestaltet und in Ortbeton gegossen. Sie ruht auf Säulen und der Eindruck des Schwebens wird durch das leicht ansteigende Gelände noch verstärkt.
Im Gegensatz zur schlichten Betonhülle sind die im Inneren verwendeten Materialien von höchster Qualität: Die Haupthalle ist in leicht getöntem Holz gehalten, während man durch Öffnungen in der Decke Durchblicke auf wunderbar vergoldete Hohlräume, die dem Licht einen warmen Ton verleihen, erhält.
Das Auditorium ist an drei Seiten mit zwischen Decke und Boden gespannten Metalldrähten verhängt. Die Wände bewegen sich beim leisesten Luftzug und verändern ständig ihre Dicke und Volumen. Die akustische Steuerung und Kontrolle verschwindet somit hinter diesem eleganten Vorhang. Das hochwertige Holz (Wenge), das für den Fußboden verwendet wurde, verstärkt den Eindruck, sich in einem Präsentationsraum zu befinden.
Der Aufenthaltsraum für die Schulkinder ist einfärbig und in Orange gehalten. Die Farbe bewirkt eine gedämpfte Sättigung des Raumes und das glänzende Gießharz, das für den Boden verwendet wurde, verstärkt den hochgradig künstlichen Eindruck.

Das primäre Ziel der Gestaltung war es, sehr gezielt Unterschiede zwischen den verschiedenen Bereichen und Funktionen zu schaffen – durch kontrastierende Farben und Lichtwirkungen. Das Innere und Äußere sind total unterschiedlich, der „grobe“ Eindruck des Betons außen und die hochwertigen Materialien in der Innengestaltung stehen in einem diametralen Widerspruch zueinander. Aber das ist eben die Überraschung, die man beim Betreten dieser Architektur erlebt.

Musikschule Mazières-les-Metz, Frankreich

Bauherr: Stadtgemeinde Maizières-les-Metz
Planung: Dominique Coulon et associés
Mitarbeiter: Steve Letho Duclos, Sarah Brebbia, Projekt Direktor/Arnaud Eloudyi, Olivier Nicollas, Eun chu Park, Projekt Architekten
Statik: Philipep Clement, BATISERF
Nutzfläche: 3.400 m²
Planungsbeginn: Wettbewerb 10/2005
Fertigstellung: 06/2009
Baukosten: 6,2 Mio. Euro

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Kategorie: Projekte

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