New World Center – Gehry Partners LLP

6. Juni 2011 Mehr

New World Center - Gehry Partners LLP

Es ist schon von außen ein aufregender Anblick: das New World Center von Frank Gehry in Miami Beach. Die Verbindung von fast organisch wirkenden Raumkörpern mit einer 26 Meter hohen Glasfassade ist eine beeindruckende architektonische Leistung. Es beinhaltet neben einem Konzertsaal, Räumen für Meetings und Vorführungen auch ein komplettes Aufnahme- und Sendestudio. Optisch wie auch technisch bietet diese Architektur jede Menge Möglichkeiten.

Eine 26 Meter hohe wie ein Vorhang vorgeschobene Glaswand in der Ostfassade enthält den Eingang des New World Centers in Miami. Die Wand ermöglicht einen ungehinderten Blick auf das von Oberlichten beleuchtete Hauptatrium und die dramatisch taumelnden Formen und Körper des dahinter liegenden Innenraumes. Das Glas ist vollkommen transparent und wirkt fast unsichtbar, da es vom Inneren her durch das Oberlicht beleuchtet wird. Ebenso in der Nacht, wenn es durch die 44 programmierbaren multi-direktionalen Farbstrahler angestrahlt wird. Ein spektakulärer Einstieg in diese vom Architekten Frank Gehry entworfene Architektur, die das New World Center der „America’s Orchestral Academy“ beherbergt.

Der Eingang ist durch eine weiße, wellenförmige Überdachung charakterisiert und öffnet sich auf den vorgelagerten Platz des zweieinhalb Hektar großen Miami Beach SoundScape. Auf der rechten Seite der Halle liegt der Veranstaltungssaal. Er hat an der Ostseite eine gigantische ca. 700 m2  große Projektionsfläche, die an die Glasfront des Eingangs angrenzt. Diese Fläche wird für Außenprojektionen benutzt und durch ein riesiges Audiosystem ergänzt, das die Bühne und den Miami Beach SoundScape beschallt. Auf der Fläche vor der Projektionswand finden bis zu 1.000 Menschen Platz.
An der Nordseite ragt ein markanter, bogenförmiger Sonnenschutz aus der Fassade – er sorgt für die Verschattung des darunter liegenden Fensters der Veranstaltungshalle. Auf der Westseite des Gebäudes führt eine überdeckte, in der Nacht durch LED beleuchtete, Passage zur angegliederten Garage.

Fotos

 

Dramatik zu Beginn

Das sechs Stock hohe, von der Glaswand begrenzte Atrium bildet einen sehr dynamischen und aufregenden Beginn dieser Architektur. Die wie spielerisch fallenden, geometrischen Körper im Inneren deuten bereits die Struktur der Innenräume an.
Die durch die Decke beleuchtete Eingangshalle beinhaltet auch das sogenannte „Campus Box Office“, die große beleuchtete gläserne Atrium-Bar des New World Centers. Sie ist von einem geschwungenen, in blaues Licht getauchten Baldachin aus Titanium überdacht und hat eine baby-blaue Theke. Der Raumeindruck wird von polierten Betonböden und gefärbten Wänden bestimmt. Eine Plasmawand mit den Maßen 6 x 2,5 Meter verlängert das „Box Office“ in Richtung Halle. Auf ihr werden ständig zusätzliche „letzte“ Neuigkeiten zum Programm angekündigt.

Das Meisterstück

Die Veranstaltungshalle selbst ist ein technisch ausgeklügeltes und durchkonzipiertes Meisterstück eines Konzertsaales mit einem Fassungsvermögen von 765 Sitzen. Speziell entworfene Eingänge führen in Serpentinen vom Atrium in den Saal. 14 verschiedene Möglichkeiten, die Bühne und die Sitzgelegenheiten anzuordnen, geben Raum für Experimente bei den Aufführungen. Es gibt 247 Sitzplätze, die wie bei einem Varieté in Gruppen angeordnet werden können – die restlichen Plätze sind klassisch angeordnet.
Zehn verschiedene, individuell steuerbare Kleinbühnen ermöglichen es, differenzierte Ebenen für die Konzerte zu installieren. Vier satellitenähnliche, freibewegliche Plattformen bieten sich an, um bei den Beziehungen zwischen Publikum und Darsteller neue Wege zu gehen. Große, kurvig gekrümmte Akustiksegel überspannen die obere Hälfte des Raumes. Sie dienen als Projektionsfläche für spezielle Videos und Lichteffekte, die die Eindrücke und Impressionen des jeweiligen Konzertes verstärken. Kontextbezogene Zusatzinformationen und die Videos werden von 14 Projektoren mit je 30.000 Lumen ermöglicht. Das natürliche Licht kommt durch ein Deckenoberlicht und ein großes Panoramafenster, das hinter der Bühne situiert ist.
Die Sitzplätze sind in einem marmorierten Blauweiß-Muster gepolstert – inspiriert von der tropischen Umgebung in Miami sollen sie den Eindruck von Meer und Himmel vermitteln. Diese Konzerthalle ist so gestaltet, dass sie sowohl Soloauftritte wie auch das gesamte New World Symphonie Orchester entsprechend zur Geltung bringt. Dazu wurde besonderes Augenmerk auf die wichtigsten, die Akustik bestimmenden Komponenten gelegt: die Raumform, die Materialien und die Kontrolle des Tons. Es wurde ein Ambiente geschaffen, das bei Events kein erkennbares Hintergrundgeräusch mehr ergibt.
Das New World Center hat eine voll ausgestattete Aufnahme-, Projektions- und Wiedergabestruktur. 27 Kilometer optische Hochgeschwindigkeits-Fiberglaskabel wurden verlegt und ermöglichen eine Verbindung mit 270 Universitäten und Regierungsstellen in den USA. Die Verbindung ist 100-mal schneller als das herkömmliche Internet und somit ideal für musikalische Interaktionen und pädagogische Aufgaben.
Die Konzerthalle bietet außergewöhnliche Bedingungen für sowohl Ton als auch Bildaufnahmen. Zehn fix positionierte aber bewegliche HD-Kameras gewährleisten eine 360-Grad-Abdeckung der gesamten Halle und zahlreiche Aufnahmemöglichkeiten.

 

Und am Dach eine Oase

Eine Ergänzung zur Konzerthalle ist der „Sun Trust Pavilion“, ein großer Mehrzweckraum, der neben der Eingangshalle im Erdgeschoß gelegen ist. Er dient als Probe und Lehrraum, als Raum für Konzerte, Vorlesungen, Filmvorführungen, Treffen und Aufnahmen. Eine Wand ist aus Glas, sodass Vorbeigehende die stattfindenden Aktivitäten sehen können und dadurch zum Betreten des Hauses ermutigt und aufgefordert werden. Von einer darübergelegenen Terrasse aus kann man ohne die Aktivitäten zu stören in den Pavillon hineinschauen und von dort auch einen Rundblick über den Miami Beach SoundScape erhalten.
Natürlich gibt es noch zusätzliche Studios, Hörsäle und Räume für die sogenannten „Meisterklassen“ für je 20–25 Studenten. Das „Knight New Media Center“ als eigenes Produktionsstudio des New World Center wird benutzt, um alle Inhalte in digitaler Form aufzubereiten und zu vertreiben.
Die Dachterrasse im sechsten Stock ist durch zwei Hochgeschwindigkeitslifte erreichbar, dort gibt es eine Musikbibliothek und private Studios, umgeben von einem oasenhaften Garten.

New World Center Miami, Florida USA

Bauherr: America’s Orchestral Academy, New World Center
Planung: Gehry Partners, LLP
Mitarbeiter: Frank Gehry, Craig Webb, Terry Bell, Brad Winkeljohn, Kristin Ragins,
Curtis Christensen , Dan Sokolosky, Molly Forr, Lisa Cage, Shikha Doogar, Petar Vrcibradic, Leon Cheng, Vartan Chalikian, Armando Solano, Luciana Vidal, Rolando Mendoza
Statik: Gilsanz, Murray, Steficek, LLP
Nutzfläche: 11.100 m²
Planungsbeginn: 2006
Fertigstellung: Jänner 2011
Baukosten: 160 Mio. USD

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Kategorie: Projekte

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