Nowhere but Sajima – Yasutaka Yoshimura architects

30. Mai 2011 Mehr

Nowhere but Sajima - Yasutaka Yoshimura architects

Ein Resort soll möglichst viel Erholung, Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeit bieten – vor allem für gestresste Großstädter. Diese Ansprüche verstärken sich noch in einem Land wie Japan, wo die Arbeitsmentalität der Menschen eine wesentlich größere Erschöpfung und Burn-out-Rate als bei uns mit sich bringt. Das japanische Unternehmen Nowhere Resort bietet als Antwort auf die Forderung des japanischen Lebensstiles nach immer kürzeren Distanzen zum Wochenendhaus (der Standard von drei Stunden Fahrzeit soll auf eine Stunde verkürzt werden) Resorts an, die nur wochenweise gemietet werden können. Ein kurzzeitiges ZUHAUSE für Erholungssuchende sozusagen.

Dieses einwöchige Mietangebot ist relativ neu am japanischen Markt. Eine Woche ist kurz im Vergleich zu einer Monatsmiete und lang im Vergleich zu einem Hotelaufenthalt. Die „Zwischenzeit“ bedeutet auch eine neue Diversität der Benutzungen dieses Zuhauses – wie es eben bei Resorts üblich ist. Es kann sowohl für temporäre Ausstellungen als auch für Hochzeitsfeste, zum Arbeiten und Studieren als Seminarort oder aber auch nur zum Wohnen und Erholen benutzt werden. Die Ideologie dahinter ist, aus einem urbanen Environment einen Erholungsraum sozusagen herauszuschneiden. Denn Platz ist in Japan, im Gegensatz zu unseren Breiten, nicht eben in Hülle und Fülle vorhanden.

Das Kunststück

Yasutaka Yoshimura architects haben dafür einen Kunstgriff benutzt. Ein gerade 176 m² kleines Grundstück an einer Meeresbucht zwischen zwei schon gebauten Wohnhäusern stand zur Verfügung. Vis-à-vis, gleich auf der anderen Seite der kleinen Bucht, standen bereits Wohnbauten. Somit war der einzige freie Blick von diesem Bauplatz auf das Meer hinaus.
Die Architekten planten deshalb einen speziell auf diese Gegebenheiten hin optimierten dreieckigen Baukörper – eine Seite verläuft entlang der Hafenmauer, und die Spitze des Dreieckes ragt nach hinten. Der Körper besteht aus lauter langen, dünnen, parallel zur einer Dreiecksseite gerichteten Raumeinheiten. Somit ist die Blickrichtung, die Orientierung der Räume, nur auf die Weite des Meeres in Richtung Horizont möglich. Gleichzeitig ist kein Raum vom Nachbarhaus oder von der anderen Buchtseite aus einsehbar, die trennenden Wände verhindern den direkten Blick. Dieses architektonische Konzept kontrolliert und verbindet beides: die Privatheit und den Ausblick.

Jede dieser langen, schmalen Röhren, die das Volumen des Körpers ausmachen, erhielt eine eigene, unverwechselbare Öffnung an der Seeseite. Quadratisch, rechteckig, hausförmig, tonnenförmig, in verschiedenen Proportionen und Größen.
Die Öffnungen sind verglast, soweit sie nicht Terrassenfunktionen haben. Die Scheiben reichen bis zum Boden hinab, wodurch man in den Innenräumen das Gefühl hat, direkt aufs Meer hinaus zu gelangen und die Weite spüren zu können. Diese Architektur erfüllt alle Ansprüche dessen, was man eben ein Resort nennt: Es erweckt den Eindruck, man befindet sich am Ozean auf einem Schiff und hat nur noch den unendlichen Horizont vor sich. Und das, obwohl das Bauwerk in einem kleinen Fischerhafen steht.
Durch den dreieckigen Grundriss entsteht hinter dem Haus zur Straße hingerichtet ein Vorbereich, der als Parkplatz oder Eingangs-/Empfangsbereich genutzt wird. Zwei Abstellplätze für Pkw wurden auch noch untergebracht. Maximal acht Personen können dieses Resort gemeinsam bewohnen.
Es ist eine typisch japanische Lösung, bei der trotz des Verzichts auf die in Europa übliche verschwenderische Großzügigkeit der Räume alle notwendigen Funktionen untergebracht wurden und auch noch eine eindeutige Ideologie und Entwurfsidee spürbar wird.

Typisch japanisch

Die Gestaltung der Innenräume ist puristisch sparsam. Viele Sichtbetonflächen, manchmal zylinderförmige Öffnungen in den Decken als Glühbirnenfassungen. Eine Wendeltreppe stellt die Verbindung zwischen den drei Stockwerksebenen her. Verschiebbare Trennwände, die gleichzeitig als Regale dienen, ersetzen die Türen. Klare, glatte Wandflächen, Elemente aus Holz und vor allem die ins „Nichts“ reichenden Fußböden bestimmen den Raumcharakter.

Bauordnung und Brandschutz

Die Dimensionen und Formen der einzelnen „Raumröhren“ wurden nicht nur von den bilderrahmenförmigen Abschlusswänden, sondern auch von der Dimensionierbarkeit der Glasscheiben bestimmt. Es wurden Glasscheiben ohne Unterteilung mit noch akzeptablen Dicken gewählt. Die Produktionskosten und die Bestimmungen der Bauordnung und des – in Japan sehr komplizierten – Brandschutzes waren Kriterien für die Gestaltung der einzelnen Öffnungen. Die verschiedenen Scheiben bestehen aus Drahtglas, Hartglas und Floatglas. Von außen und vor allem in der Nacht schaut das Resort wie ein Ausschneidebogen aus, bei dem wie in einer Laterne hinter den Öffnungen unterschiedliche Lichter leuchten.

Nowhere but Sajima

Yokusuka, Japan

Bauherr: Nowhere Resort
Planung: Yasutaka Yoshimura architects
Mitarbeiter: EOS+, comodo, Heisei Construction
Statik: Akira Suzuki/ASA
Grundstücksfläche: 176,65 m²
Bebaute Fläche: 63,88 m²
Nutzfläche: 176,65 m²
Planungsbeginn: April 2007
Fertigstellung: Juni 2010

Herausgeschnitten aus der urbanen Welt, hineingesetzt in eine Umgebung mit Meerblick, so präsentiert sich das „Nowhere but Sajima“-Resort seinen Gästen. Mit vielen verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten stellt es den japanischen Weg zur Freizeit, zur Erholung dar. Die architektonische Lösung von Yasutaka Yoshimura architects ist clever und zeigt auf einer minimalen Grundfläche ein interessantes Ergebnis. Ein Ferienresort, das in nur einer Stunde Wegzeit von den Ballungszentren ein Maximum an Erholung ermöglicht.

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Kategorie: Projekte

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