Paula Rego Museum – Eduardo Souto de Moura

6. Juni 2011 Mehr

Paula Rego Museum - Eduardo Souto de Moura

Zwei pyramidenartige rote Türme markieren die Eingangsachse des Paula Rego Museums in Cascais in Portugal. Der rote Sichtbeton der Außenwände, die einen bewussten Kontrast zur umgebenden Natur bilden, stellt eine aufregende Signalwirkung für das Museum dar. Nur wenige Öffnungen durchbrechen die Außenmauern. Im Inneren herrscht jedoch eine großzügige Offenheit, und immer neue Sichtachsen erschließen sich dem Besucher beim Durchschreiten der Ausstellungsräume.

„Über die Wahl des Ortes für das Museum war ich sehr glücklich. Diese Auswahl verstärkte noch mein Verantwortungsgefühl, nachdem mich die Malerin Paula Rego mit dem Projekt beauftragt hatte. Der Ort war ein Wald, umgeben von einer Mauer. In der Mitte gab es ein großes NICHTS – eine Art ehemaliger Tennisclub, der zur Zeit der Carnation Revolution (1974, unblutige Revolution, die die 50-jährige Diktatur in Portugal beendete) verschwunden war. Beim Vermessen und der Aufnahme des alten Baumbestandes entwickelte ich die Idee, eine Anzahl von Körpern mit verschiedenen Höhen und Volumina zu schaffen. Sie sollten auch ein Ausdruck der Vielfalt des inneren Programmes des Museums sein. Die Verteilung der Körper erfolgte wie ein Abdruck eines Negativbildes, das sich außerhalb der Durchmesser der Baumwipfel ergibt. Dieses „Yang“- und „Yin“-Spiel, zwischen künstlich Geschaffenem und der Natur half mir auch bei der Entscheidung für roten Beton als Außenmaterial – die Kontrastfarbe zum Grün der Bäume. Da ich mir die Gebäude zuerst als eine neutrale Summe von Körpern vorstellte, erfand ich eine Hierarchie durch die Einführung zweier großer Pyramiden in der Eingangsachse, das ist die Bibliothek und das Kaffeehaus. Sie haben eine gewisse Ähnlichkeit mit der historischen, portugiesischen Architektur und den Illustrationen der Revolutionsarchitektur von Boullé.
Es war meine Absicht, dass jeder Ausstellungsraum eine Öffnung nach außen zum Garten haben sollte. Es ist nie zu viel oder falsch, die abstrakte und total künstliche, artifizielle Realität der zeitgenössischen Kunst der Realität, die uns umgibt, gegenüberzustellen.“
Eduardo Souto de Moura

Fotos

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Museum

2009 wurde in Cascais/Portugal ein bemerkenswertes Museum, das dem Werk der portugiesischen Künstlerin Paula Rego gewidmet ist, eröffnet. Das in roten Farben gehaltene „Casa das Histórias Paula Rego“ wurde von dem portugiesischen Architekten Eduardo Souto de Moura entworfen. Er gilt als einer der prominentesten Vertreter der Escola do Porto (die Escola do Porto ist eine Stilbewegung in der modernen Architektur Portugals. Begründet von Fernando Távora an der Fakultät für Architektur der Universität Porto). 2011 hat er den wohl bedeutendsten Architekturpreis der Gegenwart erhalten – den Pritzker-Preis.
Gelernt hat Souto de Moura beim Großmeister der portugiesischen Moderne, Alvaro Siza. Aber während Siza – er erhielt den Pritzker-Preis 1992 – eine Weltkarriere startete, blieb Souto de Moura mit seinen Arbeiten eher in Nordportugal beheimatet.
Während der jahrzehntelangen Salazar-Diktatur, unter der auch die Architektur korrumpiert wurde, waren Siza genauso wie Souto de Moura unter denjenigen, die in den 1970er-Jahren den Aufbruch wagten. Sie wollten eine neue, künstlerisch ambitionierte und doch volksnahe Architektur, die die drängende Wohnungsnot lösen sollte.
Andererseits wollten sie bei allen Notwendigkeiten eben auch die Architektur als Kunst neu etablieren. Dass Portugal heute für das zeitgenössische Bauen eines der interessantesten Länder Europas ist, verdankt es eben dieser Mischung aus sozialer Verantwortung und Kunst- und Kulturbewusstsein.

Mit den 2 Türmen in Form von Pyramiden und seinen schlichten Mauern ist das Museum im Stil den historischen Gebäuden angenähert. Der Einfluss der Architektur des Sintra-Nationalpalastes und des Klosters von Alcobaça ist unverkennbar. Souto de Moura wiederum hat seine Vorbilder in Mies van der Rohe mit seiner Suche nach der perfekten Form und Luigi Nervi mit seiner Lust an der freigelegten Konstruktion. Wie viele portugiesische Architekten ist auch Souto de Moura ein Intellektueller, einer, der gut lesbare Essays und Bücher über Architektur schreibt, die sich nicht wie viele Werke seiner Berufskollegen in Formdebatten und Prachtfotos erschöpfen. Leider sind sie viel zu selten über die Grenzen Portugals hinaus bekannt und wirkungsvoll geworden.

Die Idee zu dem Museum entstand auf Initiative der Stadtverwaltung von Cascais. Da die international bekannte Künstlerin Paula Rego lange Zeit in Estoril, der Nachbarstadt von Cascais, gelebt hat, sollte für ihre Werke eine angemessene Plattform geschaffen werden.
Auf den insgesamt 750 m² finden Besucher neben den Ausstellungsflächen auch ein Café, einen Shop und eine Bibliothek. Diese befinden sich in den beiden pyramidenförmigen Türmen des Museums. Die Cafetria öffnet sich in einen grünen Garten. Zusätzlich gibt es ein Auditorium mit rund 200 Plätzen für Veranstaltungen.
Das gesamte Gebäude gliedert sich in vier Trakte. Sie variieren in Höhe und Form, die Räume gehen ineinander über und sind um einen höheren Zentralraum, der die Hauptausstellung beherbergt, angeordnet. Die Farbgestaltung ist in unauffälligen, zurückhaltenden, neutralen Tönen gehalten, und der Boden ist durchgängig aus einem blau-grauen Marmor aus der Gegend um Cascais. Überall hat man als Besucher das Gefühl, willkommen geheißen zu werden, alles fließt und öffnet sich in immer wieder neuen Sichtachsen. Es gibt keine übertriebenen, modernen Abstraktionen und Ausdruckskapriolen in dieser Architektur, sie ist von einer fast archaischen Anmutung geprägt – ein modernes Museum der heutigen Zeit!

Paula Rego Museum

Cascais, Portugal

Bauherr: Stadtverwaltung Cascais
Planung: Eduardo Souto de Moura
Mitarbeiter: Bernardo Monteiro, Diogo Guimarães, Junko Imamura, Kirstin Schätzel, Manuel Vasconcelos, Maria Luís Barros, Pedro G. Oliveira, Rita Alves, Sofia Torres Pereira, Susana Monteiro, Paula Mesquita
Statik: AFAconsult
Grundstücksfläche: 8896 m²
Bebaute Fläche: 3.307m²
Nutzfläche: 2.648 m²
Planungsbeginn: 2005
Fertigstellung: 2009
Baukosten: 5 Mio. Euro

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Kategorie: Projekte

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