Schattenspender

23. April 2015 Mehr

 

Gerichtsgebäude / Salt Lake City / Thomas Phifer and Partners

Der Entwurf des neuen „Gerichtsgebäudes der Vereinigten Staaten“ entstammt dem Wunsch nach einem strengen, ikonischen und transparenten Zeichen. Es sollte die symbolische Gleichheit der Bürger vor dem Justizsystem der USA als Metapher betonen. Die resultierende kubische Architektur, ähnlich den monumentalen Sandsteinformationen im Süden Utahs, ist solch eine fast archetypische Form – eine Projektion geerdeter Würde, unabänderlicher Gesetze und ebenmäßig in alle Richtungen ausstrahlend.

 

 

Das 3.430 m2 große, zehngeschossige Gerichtsgebäude residiert in einem Garten auf einer erhöhten Ebene. Der es umgebende Grünbereich umfasst den gesamten Häuserblock, einschließlich des historischen, existierenden Bundesverwaltungsgerichtsgebäudes. Die Gartenterrasse vereint die beiden Objekte zu einer öffentlich zugänglichen Gemeinschaftsanlage in der Innenstadt von Salt Lake City. Gleichzeitig bietet sie den geforderten Sicherheitsabstand zur Straße. Geplant von den Architekten Thomas Phifer and Partners, beinhaltet die Architektur zehn Verhandlungssäle für das Gericht von Utah, 14 Richterbüros, die Verwaltungsräume, das United States Marshal Service, die Bewährungshilfe und andere Bundesbehörden. Acht weitere, zukünftige Gerichtssäle können in dem Gebäude durch Um- und Neuverteilung der Büroräume bei Bedarf noch geschaffen werden. Die Parkplätze für beide, das neue und auch das existierende Gebäude, befinden sich in zwei unterirdischen Geschossen.

Der Eingang für den Parteienverkehr erfolgt über die West Temple Street – sie verbindet das Areal mit dem Herzen der Innenstadt. Die die Architektur umfassenden Glas- und Aluminiumfassaden präsentieren das Leben im Gericht zur Stadt und zur Öffentlichkeit hin. Gleichzeitig gewähren sie auch den Publikums- und Bürozonen im Haus genügend Möglichkeit für Ausblicke. Es ist eine einfache Gestaltung mit einer streng begrenzten Anzahl von sichtbaren Öffnungen. Wie das Muster einer Steppdecke überziehen vertikale Sonnenblenden aus Aluminium die Fassade und mildern deren Transparenz mit einem Sonnenschutz wie mit einem Schleier. Die Lamellen sind – je nach Lage am Gebäude (Nord, Süd, Ost, West) – mehr oder weniger tief oder auskragend. Der leicht reflektierende, anodisierte Überzug im Zusammenspiel mit der kristallinen Transparenz des Glases, verstärkt noch die unvergleichliche Atmosphäre des natürlichen Lichtes, das durch den Lauf der Sonne von den Wasatch Mountains bis über den Great Salt Lake entsteht.

 

 

Im Inneren dieses mit LEED Gold zertifizierten Gebäudes und in seiner Raumausprägung, wird das Tageslicht als eine intrinsische Qualität, sowohl für Öffentlichkeit als auch für Angestellte, zelebriert. Die dreigeschossige Haupteingangslobby befindet sich in der Südwestecke des Hauses und fungiert wie eine Art Leuchtfeuer für die beiden Hauptstraßen. Sie stellt auch einen Markierungspunkt für das erweiterte Innenstadtgebiet dar. An ihrer Innenseite des Eingangs ist sie mit reflektierenden Paneelen verkleidet.

Im Herz der Architektur bringt ein mit Oberlichten versehenes Atrium in Gebäudehöhe das natürliche Licht in den Zentralbereich der Lobby, in dem auch die Aufzüge lokalisiert sind. Dieser Luftraum wird auch eine zehn-geschosshohe Glasskulptur des bekannten amerikanischen Glaskünstlers James Carpenter beherbergen. Sie wird durch ihre Gestaltung noch weiteres Tageslicht in den Raum umleiten. Die freundliche Atmosphäre der Innenräume wird durch warme Holzböden und Wandverkleidungen zusätzlich betont. Von hier aus erstrecken sich öffentliche Wartebereiche entlang der Nord- und Südachsen des Gebäudes und schaffen so lichterfüllte Gänge. Die primären Funktionen des Gebäudes – die Gerichtssäle – besetzen die vier Ecken und baden gewissermaßen in gefiltertem Naturlicht. So bringen sie metaphorisch Klarheit und Aufklärung für die in ihnen stattfindenden Vorgänge.

 

United States Courthouse, Salt Lake City
Salt Lake City, USA

Bauherr: General Services Administration
Planung: Thomas Phifer and Partners
Statik: Reaveley Engineers & Associates
Grundstücksfläche: 3.710 m2
Bebaute Fläche: 3.430 m2
Nutzfläche: 2.300 m2 netto
Planungsbeginn: 2006
Bauzeit: 39 Monate
Fertigstellung: 06/2014

 

LEED (Leadership in Energy and Environmental Design)

ist ein System zur Klassifizierung für ökologisches Bauen, das vom U.S. Green Building Council 1998 entwickelt wurde. Es definiert eine Reihe von Standards für umweltfreundliches, ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen. Der LEED-Standard greift oft auf US-amerikanische Normen zurück, welche in Europa nur wenig bekannt sind. Seit einiger Zeit bieten daher auch deutsche und österreichische Ingenieurbüros Berechnungen nach US-amerikanischen Normen an. Der LEED-Standard gilt von der Anzahl bewilligter Gebäude her, eher zu den kleineren und weniger bedeutenden Gebäudestandards (Stand 2013). Gebäudetechnisch werden Maßnahmen verlangt, die kontraproduktiv sind. (z. B. 100 m3/h bei mechanischer Lüftung (Raumlufttechnik) in Toiletten, wo die Hälfte, bei halbem Energieverbrauch und 70 % Investitionskosten, genügen würde.)

 

Text: Peter Reischer / Fotos: Scott Frances

Buchtipp: Aktivhaus — Das Grundlagenwerk — Callwey

 

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Kategorie: Projekte

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