Schluss mit schmutzig

29. Dezember 2021 Mehr

Die Baubranche trägt zu einem Großteil der weltweiten CO2-Emissionen bei. Deshalb wünschte sich der Klient – selbst Bauträger – ein Haus, das nicht nur möglichst wenig zum Klimawandel beiträgt, sondern diesem sogar entgegenwirkt. Um das zu erreichen, entwickelte das kanadische Architekturbüro Perkins&Will mit SoLo ein rurales Chalet, das mehr Energie produziert, als es verbraucht und mit seinem nachhaltigen Gesamtkonzept neue Möglichkeiten für zukünftige Gebäude aufzeigt.

 

 

SoLo entstand als Prototyp für Delta Land Development, ein Bauunternehmen mit Sitz in Vancouver. Es soll als Vorbild für großmaßstäblichere Projekte dienen und das Potenzial nachhaltiger Architektur veranschaulichen. Das Ferienhaus entstand fernab der Zivilisation inmitten der unberührten Natur des Squamish-Lillooet Regional District. In dem südlichen Bezirk in British Columbia liegt es auf einer von Bäumen umgebenen Anhöhe mit Blick auf das Soo Tal und den gleichnamigen Fluss. Die Planer realisierten den Bau als Plusenergiehaus, das völlig ohne externe Energieversorgung und fossile Brennstoffe auskommt.

 

 

Anstatt auf optische Kriterien, konzentrierten sich die Architekten auf den Kontext und den Lichteinfall sowie auf eine reduzierte, hochwertige Materialpalette. Um dem extremen Klima der Region mit Temperaturunterschieden von bis zu 60°C standzuhalten, stellte dabei die Gebäudehülle die Grundlage für eine energieeffiziente Planung dar. Das Ergebnis ist ein zweischichtiger Aufbau. Während sich die äußere Konstruktion aus Holzrahmen mit großzügig bemessenen Überständen über SoLo legt und es vor Witterungseinflüssen schützt, fungiert der innere, isolierte Layer als thermischer Abschluss. Die Luftdichtheit und Funktionsweise unter verschiedensten Bedingungen wurden im Zuge des Entwurfsprozesses anhand von Modellen simuliert und hinsichtlich potenzieller Wärmebrücken optimiert.

 

 

SoLo ist innen wie außen großteils aus Douglasienholz gefertigt. Nur an wenigen Stellen kamen insgesamt fünf weitere Baustoffe wie Stahl oder Beton zum Einsatz. Auch sie mussten höchste Ansprüche an Nachhaltigkeit erfüllen und frei von schädlichen Chemikalien sein. Die einzelnen Elemente wurden aus regionalem Holz von lokalen Unternehmen produziert. Sie kamen als Fertigteile auf die Baustelle und ermöglichten dank der modularen Konstruktion eine schnelle Realisierung des Projekts vor Ort. Auf diese Weise konnte der, durch Transport, Herstellung und Abfälle verursachte, Primärenergiebedarf minimiert werden. Zusätzlich speichert das Massivholz mehr Kohlenstoffdioxid, als der Bau des Hauses verursachte – das erklärt die positive Energiebilanz.

 

 

Das abgelegene Feriendomizil ist kompakt und quaderförmig. Ein Pultdach schließt es nach oben hin ab. Um möglichst wenig in die Natur einzugreifen, lagerten die Planer den Baukörper auf einer leichten Struktur und hoben ihn so vom Boden ab. Damit wirkt er wie in die Kulisse hineingesetzt, was den temporären Gedanken hinter dem Projekt unterstreicht. Eine überdachte Außentreppe führt entlang der nordwestlichen Fassade vorbei am Eingang des Chalets bis hin zur Terrasse, die der gegenüberliegenden Queransicht vorgelagert ist.

 

 

Der rechteckige Grundriss entwickelt sich an der nach Süden ausgerichteten Längsseite des Volumens. Auf 380 m2 gibt es im Inneren reichlich Platz zum Wohnen und für repräsentative Zwecke. Sämtliche Räume ordnen sich rund um einen zentralen Kern mit Erschließung, Stauraum, Bädern und Küche an. Letztere geht nahtlos in den großen Wohnbereich über. Dieser wird von einer Galerie aus dem Obergeschoss überblickt und öffnet sich in Form von einer Glasfront zum geschützten Außendeck hin. Durch die riesige Verglasung scheint die umgebende Landschaft nach drinnen zu fließen. Das Hauptschlafzimmer am entgegengesetzten Ende vervollständigt das untere Niveau. Im ersten Stock gibt es zwei gespiegelte Schlafräume mit anschließender Nasszelle sowie einen loftartigen Bereich.

 

 

Im Inneren übernimmt das Douglasienholz nicht nur konstruktive, sondern auch gestalterische Funktionen und schafft ein gesundes Raumklima. Es zeichnet unter dem Dach die Kraftverläufe nach und kleidet Wände, Decken und Böden. Selbst die Einbauten wurden in Holz umgesetzt und rücken die Schönheit des Naturmaterials in den Mittelpunkt. So erhält SoLo seinen schlichten Charme, der den Wohnräumen ein elegantes und gleichzeitig äußerst gemütliches Ambiente verleiht und inmitten der kanadischen Wildnis für ein unvergleichliches Wohnerlebnis sorgt.

 

 

Für das Energiekonzept kombinierten Perkins&Will unterschiedliche Systeme und machten das Wohnhaus so zu einem kleinen, autarken Kraftwerk. Um gänzlich auf Verbrennung und fossile Quellen verzichten zu können, setzte man auf Photovoltaik und Geothermie. Wasserstoff-Brennstoffzellen fungieren als Reserve-Energiespeicher. Obwohl eine vertikale Ausrichtung der Solarpaneele weniger effizient ist, wurden die Elemente nicht auf dem Dach, sondern an der Südfassade montiert. So wird sichergestellt, dass der Schnee deren Funktionsweise im Winter nicht beeinträchtigt. Zusätzlich wurden die nötigen Vorrichtungen für eine zukünftige Aufrüstung um eine Windturbine getroffen. Das Wasserversorgungssystem komplettiert die Haus­technik. Es setzt sich aus einer Anlage zur Grau- und Trinkwasseraufbereitung zusammen.

 

 

Mit SoLo demonstriert Perkins&Will, dass es weder technische noch wirtschaftliche Gründe gibt, die gegen nachhaltiges Bauen sprechen. Niedrigenergiesysteme, modulare, vorfabrizierte Bauteile und ökologische Materialien lassen sich in jedem Kontext und ohne jegliche Einbußen in langlebige Projekte mit einzigartiger Wohnqualität verwandeln. Funktionelles Design und Ästhetik schließen sich dabei längst nicht mehr aus. Umweltfreundlichkeit ist keine Wahl, sondern längst ein Gebot der Stunde!

 

 

SoLo
Soo Valley, British Columbia, Kanada

Bauherr: Delta Land Development
Planung: Perkins&Will
Mitarbeiter: Aik Ablimit, Alysia Baldwin, Cillian Collins, Derek Newby, Adrian Watson, Joshua Rudd, Susan Gushe, Soren Schou
Statik: Glotman Simpson Consulting Engineers

Bebaute Fläche: 240 m2
Nutzfläche: 380 m2
Planungsbeginn: September 2017
Baubeginn: Juli 2018
Fertigstellung: März 2020

www.perkinswill.com

 


„Perkins&Will ist für seinen guten Ruf in Sachen Umweltschutz bekannt. Unser Streben nach Nachhaltigkeit kommt in Projekten wie SoLo zum Ausdruck. Wir übernehmen und verkörpern die Prinzipien des „Living Design“ – eine Philosophie und eine globale Bewegung, die für langlebiges Design steht. Bei Perkins&Will ist dies unser Ziel und unser Versprechen.“

 

 

Text: Edina Obermoser
Fotos: Andrew Latreille / Perkins&Will

 

Kategorie: Newsletter, Projekte